Serie Denkanstoss: Gottes Freunde

Serie Denkanstoss: Gottes Freunde

Mit dem Fest Allerheiligen öffnet der November seine Türen, an diesem Tag gedenken wir der vielen unbekannten Heiligen, die vor und mit uns lebten. Aber auch an beliebten Heiligen ist dieser Monat reich! So zogen wir mit unseren Laternen am Martinstag (11. Nov.), staunten über die Wissensfülle des hl. Albertus Magnus (15. Nov.), werden wir in zwei Tagen von der Großherzigkeit der hl. Elisabeth beglückt (19. Nov.), und kurz darauf lädt uns die hl. Cäcilia (22. Nov.) zum Singen ein.

Nur eine kleine Auswahl, und doch bereits ein stolzer Heiligen-Reigen. Gleichwohl haben wir die Beziehung zu ihnen verloren, denn wer feiert heute noch seinen Namenspatron? Wer kennt noch Heiligenviten oder Heiligenlegenden? Wer bittet noch um ihre Fürsprache? Sie scheinen räumlich und zeitlich weit von unserem Leben entfernt zu sein; einsam stehen sie auf hohen Kirchensockeln, und in unserer schnelllebigen Zeit ist ihre Vergangenheit zu Vergangenem geworden. Doch ist es ein Verlust? Was kann ihr Leben, oft vor Jahrhunderten gelebt, uns heute noch sagen? Die Heiligen rufen uns zu: Das Gute ist jedem möglich! Denn alle Heiligen sind zunächst einmal Menschen, die das Gute gewagt haben. Jede Epoche hat ihre Fallstricke des Bösen, jede Zeit ihre Herausforderungen, immer ist es schwierig, sich für das Gute zu entscheiden! Doch das Leben der Heiligen verweist auf das unerschöpfliche Potenzial an Fantasie und Kraft, das in jedem Menschen liegt. So können wir durch ihren Zuruf unsere Selbstzweifel und Skrupel überwinden und die gute Tat wagen! Als nächstes zeigen die Heiligen: Das Gute ist immer nötig! Keiner kann das Elend der Welt auflösen, doch jeder kann dazu beitragen, es zu verringern. Und auch in unserer scheinbar abgesicherten Gesellschaft fallen immer wieder Menschen durch das soziale Netz und sind auf Hilfe angewiesen. Zudem mag mit dem Gesetzbuch unter dem Arm eine Gesellschaft funktionieren, doch bleibt sie unmenschlich. Denn wir brauchen immer die Geste, die Tat, die nicht geschuldet, sondern geschenkt wird. An den Heiligen erkennen wir, dass wir nur in der guten Tat das leben, was uns ausmacht: Menschlichkeit!

Und nicht zuletzt sagen uns die Heiligen: Das Gute ist sich selber Grund genug! Wir alle kennen doch die Verzagtheit, die der Enttäuschung entwächst. Man wagt unter großem Einsatz und Risiko das Gute, und es wird als Selbstverständlichkeit hingenommen, schlimmer noch, man erntet Spott und Hohn. Der Gute scheint der Dumme zu sein. Solche Erfahrungen führen zur Lähmung unserer Kräfte, lassen uns ermüden. Doch die Heiligen verleihen frischen Mut, denn ihr Leben zeigt, dass die gute Tat keine Begründung benötigt, sie ist in sich Grund genug!

Heilige sind Menschen wie wir und obendrein Gottes Freunde; als solche wissen wir sie wohlbehalten geborgen in der Ewigkeit. Denn wir mögen sie vergessen, Gott vergisst sie nicht! Und so verrät uns ihr Lächeln: Das Gute schenkt immer Freude, die letztlich kein Ende kennt. Allein deshalb sollten Gottes Freunde unsere Freunde sein!

DER AUTOR IST PFARRER VON ST. MARIEN UND VOM TROSTRAUM ST. JOSEF.

(RP)