Mönchengladbach: Alternatives Wohnprojekt in Heyden

Mönchengladbach : Alternatives Wohnprojekt in Heyden

Soll es eine Tiefgaragen-Zufahrt sein? Oder doch ein Sakralbau? Die Pläne für ein neues Wohngebiet in Rheydt-Heyden irritieren die Bezirksvertretung Süd. Jetzt bekommt der Investor erhebliche Auflagen. 90 Wohneinheiten sind geplant.

Für Investoren wird Mönchengladbach immer attraktiver: Die Nachfrage nach Baugrund hat spürbar angezogen, die Stadt hat als Wohnstandort inzwischen einen guten Ruf. Das freut Politiker und Verwaltung. Denn jeder Neubürger mehr wirkt sich positiv aus: Das sichert Kindergärten und Schulen, sorgt für Kaufkraft und lässt nicht zuletzt auch die Kassen sprudeln, weil die Stadt über Steuern und Zuschüsse von mehr Bürgern profitiert.

Und wenn dann auch noch ein Investor in den Innenstädten von Alt-Gladbach und Rheydt bauen will, ist das umso besser. Denn immer mehr Menschen drängen zurück in die Stadtzentren — und suchen da attraktive Häuser und Wohnungen. Das wertet die Zentren weiter auf. Deshalb ist das Vorhaben eines Investors, der zwischen Herzogstraße und Königstraße in Heyden Stadthäuser und Eigentumswohnungen errichten will, im Prinzip gut. Doch dann schreckte eine merkwürdige Zeichnung die Politiker der Bezirksvertretung Süd bei genauer Betrachtung der Pläne auf: Soll mitten im Baugebiet eine neue Kirche entstehen?

Genau so sieht der Baukörper aus, der inmitten der ansonsten symmetrisch angeordneten mehrstöckigen Gebäude und Stadthäuser platziert ist. Ein länglicher Bau ähnlich einem Kirchenschiff, seitliche Anbauten, dazu die Andeutung eines Turms. "Ist das die Zufahrt zu einer Tiefgarage?", fragte der verunsicherte CDU-Sprecher Joachim Roeske. Nein, teilte der Planer mit, es sei keine Tiefgaragen-Zufahrt, allerdings auch kein Sakralbau. Es sei lediglich ein kirchenähnliches Gebäude, das von sechs älteren Menschen angestrebt wird, die hier ihre Vorstellung eines alternativen Wohnprojekts verwirklichen wollen. Die Skepsis bei den Politikern blieb, und der Planer konnte die Vorbehalte nicht entkräften. Da half sein Hinweis, es handele sich um eine christliche Gruppe, aber nicht um eine Sekte, nicht viel weiter.

Irritiert waren die Stadtteilpolitiker dann auch darüber, dass zwar 80 bis 90 Wohneinheiten entstehen sollen, aber kein Spielplatz integriert ist. Auch sorgten sich die Grünen, dass Sozialwohnungen entstehen könnten. "Wir haben im Umfeld so viele Sozialwohnungen, dass es hier dann zu einer Massierung käme. Und wir müssen eine Ghettobildung ausschließen", sagte Grünen-Sprecherin Anja Schurtzmann.

Die Grünen waren es dann auch, die alle anderen Fraktionen überzeugen konnten, die Geschosse für den Wohnungsbau um eins auf vier Geschosse zu verringern. Auch soll auf Herzog- und Königstraße Tempo 30 gelten. Über einen städtebaulichen Vertrag wird der Investor verpflichtet, die umliegenden Spielplätze, vor allem den Spielplatz an der Herzogstraße, kräftig aufzuwerten. Und das bedeutet: Er muss in Spielgeräte investieren. Auch alternative Energiequellen stehen auf der Agenda: Dass sie für das Baugebiet im Zentrum stehen, darauf muss der Bau- und Planungsausschuss achten. Dem stimmten die übrigen Fraktionen der Bezirksvertretung mehrheitlich zu.

"Wir sind überzeugt, dass nur auf diese Weise die im Umfeld bestehende Wohnbebauung städtebaulich verträglich und zukunftsweisend ergänzt werden kann", sagt Schurtzmann.

(RP)