Mettmann/Erkrath: Was aus dem Neandertal mal werden soll

Mettmann/Erkrath : Was aus dem Neandertal mal werden soll

Mit rund 2,5 Millionen Euro soll im nächsten Jahr das Umfeld des Museums verschönert werden. An der Fundstelle sind einige Überraschungen geplant. Vorrangig: Der Neubau einer Brücke über Mettmanner Bach/Düssel.

"Masterplan Neandertal" - dieses Wortungetüm geistert schon seit Jahren durch die Region. Was war nicht alles geplant? 30 Meter hohe Aussichtstürme, ein Hochpfad von dem die Besucher einen Blick auf die Baumwipfel haben und ein Aufzug - mit dem die Gäste der Regiobahn vom Bahnhof aus fast direkt vor dem Museum landen. Weil es für all das keine Fördergelder gab, musste der Kreis Mettmann, die Stiftung Neanderthal Museum sowie die Städte Mettmann und Erkrath wieder von vorne anfangen. Es gab einen Ideenwettbewerb, Gewinner und Preisträger. Es wurde abgespeckt, beschnitten, überlegt - und am Ende ist natürlich viel weniger dabei raus gekommen, als ursprünglich mal vorgesehen. Trotzdem: Jetzt werden endlich die ersten Schritt zur Verschönerung des weltbekannten Neandertals unternommen. Landrat Thomas Hendele bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: "Wir haben ein erstklassiges Museum, aber ein sechstklassiges Umfeld".

Was wird als Erstes angepackt? Los gehen soll es direkt rund um das Neanderthal Museum. Wichtigstes Projekt, das schon im nächsten Jahr angegangen werden soll: Eine neue Brücke über die Düssel und den Mettmanner Bach. Das geschwungene Bauwerk soll die Besucher direkt vom Parkplatz in Richtung Museum leiten. So werden neue Sichtachsen geschaffen, die Planer bewerten das Gelände rund um das Museum als "überfrachtet". Dort würden Stromkästen, alte Schilder und Pfosten wild durcheinander stehen. Das alles ergebe kein einheitliches Bild. Am Rand des Parkplatzes soll ein neuer Vorplatz entstehen, der für eine neue "Empfangssituation" sorgen wird. Um das Museum besser sehen zu können, wird der "Baumbestand ausgelichtet". Ziel ist es, die Düssel und den Mettmanner Bach sichtbarer zu machen. Die Fußgängerüberquerung wird ebenso wie die Einmündung der Straße Museumsweg nach Osten verlagert. Neu dazu kommt auch eine WC-Anlage.

Womit geht es weiter? Ist die neue Brücke fertig, soll es mit dem Spielplatz weiter gehen. Auf der vorgesehenen Erweiterungsfläche soll eine neue Spiellandschaft entstehen. Das Thema Urgeschichte soll für die Kinder erlebbar werden. Insgesamt soll so ein neuer "Neanderpark" entstehen, der durch die freigelegte Bachmündung, den neuen Spielplatz und die neuen Aufenthaltsflächen geprägt ist. In Angriff genommen werden soll danach der Brückensteg am Parkplatz, der den Museumsparkplatz mit dem Spielplatz verbindet. Weiter gehen wird es mit der Renaturierung der Düssel. Das Gewässer lässt sich bislang nur erahnen. Mit Aufbettungen soll eine regelrechte Auenlandschaft entstehen. Auch hier müssen Bäume gefällt werden.

Nächstes wichtigstes Ziel ist die Optimierung der Wegeverbindung zwischen Museum und Fundstelle. Denn auch an der Fundstelle soll sich in den kommenden Jahren einiges ändern. Die Besucher können dort 3-D-Modelle des einstigen Neandertals bestaunen. Darüber hinaus kündigte Museumsdirektor Gerd C. Weniger an, dass ein Teil der historischen Bruchkante bald auch für die Besucher sichtbar gemacht wird. Das hatten die Bodendenkmalpfleger bislang nicht erlaubt, nun aber offenbar ihre Meinung geändert.

Was wird erstmal auf die lange Bank geschoben? Alles, was das Tal weiter attraktiv machen könnte, wie etwa die durchgehende Radwegeverbindung, das Sichtbarmachen des Kalkzugs und ein Neubau der Wegeverbindung in Richtung Regiobahn, soll erst nach und nach realisiert werden. Dazu gehören auch neue Schilder mit dem Hinweis aufs Museum an den Bahnhöfen der Region sowie letztendlich die Aktualisierung von Karten.

Was kostet das alles? Der Kreis will in den kommenden Jahren insgesamt 4,3 Millionen Euro in die Hand nehmen. So viel Geld ist aber gar nicht da. Nicht alles geht auf einmal. Deshalb sollen Prioritäten gesetzt werden. Vordringlich sollen nun die neue Brücke, der Spielplatz sowie die Renaturierung der Düssel an den Start gehen. Allein die neue Brücke, der Auftaktplatz, die WC-Anlage und die Verlegung der Talstraße kosten zusammen mehr als 1,2 Millionen Euro.

Gibt es Kritik an dem Projekt? Reichlich und da wird noch viel drüber geredet. Dem Kreis geht es zunächst darum, dass der Masterplan in einzelnen Schritten abgearbeitet wird und die Planungen starten können. Naturschützer sind gegen die Baumfällungen rund um die Düssel. Es gibt aber auch Bedenken, dass durch die Neugestaltungen einige Parkplätze wegfallen, die vor allem in Spitzenzeiten gebraucht werden. Noch ist auch nicht klar, wie das Museum (unterirdisch) erweitert werden kann. Die Politiker in Erkrath und Mettmann haben nun bis Anfang Dezember Zeit, die Pläne zu beraten. Der Kreis braucht kurz vor Weihnachten eine Entscheidung, damit das Geld entsprechend in den Haushalt eingestellt werden kann. Erste Beratungen gab es jetzt in einer gemeinsamen Ausschusssitzung.

(RP)
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