Leverkusen: Als "entartet" abgestempelt

Leverkusen: Als "entartet" abgestempelt

Die letzte Ausstellung der Spielzeit "Kunst und Macht" widmet die Bayer Kultur Künstlern, die wegen ihrer modernen Ausdrucksformen in der Nazizeit Bevormundung, Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung erlebten.

Anfang der achtziger Jahre wurde Gerhard Schneider der Nachlass des bis dahin unbekannten Malers Valentin Nagel angeboten. Das war der Anfang einer Obsession und Auslöser für eine thematisch genau festgelegte Sammlung, die mittlerweile über 2000 Grafiken, Zeichnungen und Gemälde umfasst.

Mit dem Interesse am Schicksal Valentin Nagels begab sich Schneider auf die Spurensuche nach Künstlern, die in der Nazizeit als entartet galten, mit Berufs- und Ausstellungverbot belegt waren. Dabei stürzte er sich weniger auf die bekannten Namen der als "entartet" Abgestempelten, sondern interessierte sich vor allem für die Maler der jüngeren Generation, die 1933 noch nicht so bekannt waren und nach dem Krieg kaum beachtet wurden, weil die Kunstgeschichte schon in die nächste Epoche gesprungen war. Dieser zweifach übergangenen Generation ist der größte Teil der Ausstellung "Angriff auf die Kunst – Kunst im Widerstand" gewidmet, die am Sonntag im Bayer Erholungshaus eröffnet wird.

Auf abenteuerliche Weise überlebt

Gerhard Schneider, der einen großen Teil seines Privatbesitzes in eine Bürgerstiftung eingebracht hat, die eine Heimstatt im Solinger Museum Baden hat, wird zur Eröffnung sprechen. Und er hat viel zu sagen, denn der ehemalige Lehrer ging nicht nur mit dem Interesse des Kunsthistorikers an die Schätze, die zum Teil auf abenteuerliche Weise Nazidiktatur und Krieg überlebt haben. Seine Aufmerksamkeit galt auch stets den Menschen dahinter. Er versuchte so viel wie möglich über die Lebensbedingungen der einzelnen zu erfahren und hat manchem nachträglich zu einem verdienten Platz in der Kunstgeschichte verholfen. Eine Arbeit, die noch lange nicht zu Ende ist, wie er versichert. Die Anfrage der Bayer Kultur, eine Ausstellung zum Spielzeit-Thema "Kunst und Macht" im Erholungshaus zu bestücken, betrachtet er als Glücksfall.

Zumal die Arbeiten eigentlich jetzt in Berlin zu sehen sein sollten, doch dort wurde das Projekt auf den 80. Jahrestag der Machtergreifung in 2013 verschoben. So dass die Kulturachse Leverkusen-Berlin nun hier beginnt. Und er lobt die räumlichen Gegebenheiten, die es ihm ermöglichten, Gruppen unter verschiedenen Aspekten zusammenzustellen.

Informative Schildchen

Die erste umfasst die Zeit von der Ausrufung des Ersten Weltkriegs bis 1920. Die Schau im Erdgeschoss endet 1925 und wird oben fortgeführt mit einer Minirekonstruktion der Münchner Ausstellung "Entartet" von 1937, die bis 1942 durchs Reich tourte. Die weiteren Bilder entstanden zwischen 1933 und 1945 im Widerstand.

Es gibt keinen Katalog zur Ausstellung, aber unter jeder Arbeit gibt ein Schildchen weit mehr Informationen als nur Name Titel und Entstehungsjahr.

(RP)