Leichlingen: Von der Schule auf die Musical-Bühne

Leichlingen : Von der Schule auf die Musical-Bühne

Der 17-jährigen Jennifer Schmitz ist etwas gelungen, um das viele sie beneiden. Die Leichlingerin, die das Gymnasium besucht, hat die Aufnahmeprüfung an einer der renommiertesten deutschen Musical-Schulen bestanden. Doch der Weg zur Karriere ist mit harter Arbeit gepflastert.

Jennifer Schmitz weiß genau, was sie will: "Seit ich denken kann, will ich auf die Bühne", sagt die 17-jährige Leichlingerin mit Nachdruck. Diesem Ziel ist die Gymnasiastin jetzt ein großes Stück näher gerückt. Vor wenigen Wochen erhielt sie den ersehnten Brief der renommierten Hamburger "Stage School". Darin: Ein unterschriftsreifer Vertrag für die Ausbildung zur Musical-Darstellerin.

"Ich habe mich riesig gefreut und konnte das im ersten Moment gar nicht realisieren", sagt die blonde Elftklässlerin. Mitte 2012 geht es los. Auf der Bühne steht Jennifer bereits seit 15 Jahren, tanzt klassisches Ballett, Jazz und Hip-Hop in der Leichlinger Tanzwerkstatt Trixi Schüttler. Als die vor zwei Jahren das Muscial "Space Girls" im Leverkusener Forum aufführte, übernahm sie eine der Hauptrollen.

Prüfung eine "große Nummer"

Trotzdem: Die Aufnahmeprüfung für die "Stage School" war auch für sie eine große Nummer. Beim einwöchigen Intensiv-Workshop in Köln, den sie in den Osterferien absolvierte, war die Anspannung groß. "Ich habe mich total verrückt gemacht", sagt Jennifer.

Dozenten der Schule prüften sie in Tanz, Gesang und Schauspiel - für die 17-Jährige auch ein erster Einblick in die Arbeitsatmosphäre an der Schule. "Da habe ich schon gemerkt: Der Druck ist enorm", erzählt sie. Kritik sei die Regel, Lob eine Rarität, der Umgangston rau: "Was die sagen, ist schon krass. Da kommen Sprüche wie: Wenn du das wieder falsch machst, kannst du nächstes Mal in der letzten Reihe tanzen." Und auch unter den Teilnehmern des Workshops wurden die Ellbogen ausgefahren, denn nur auf sechs der 60 Jugendlichen wartete einer der begehrten Ausbildungsplätze.

"Im Hintergrund war schon immer der Gedanke: Ich will genommen werden", erzählt Jennifer. Ein Wettbewerb, der an der "Stage School" weitergehen wird, denn dort müssen die Schüler untereinander um erste Engagements konkurrieren. Auch sonst muss Jennifer Schmitz für ihren Musical-Traum einiges in Kauf nehmen. Die Ausbildung ist hart, Elf-Stunden-Tage an der Schule seien keine Seltenheit. "Und dann hat man nicht Feierabend, sondern muss noch Choreografien einstudieren."

Auch die Trennung von Freunden und Familie muss sie verkraften. "Zuerst kam der Vertrag bereits für dieses Jahr, da schnürte sich mir schon alles zu", gesteht ihre Mutter Michaela Schmitz (48). Die Eltern stehen aber hinter Jennifers Entscheidung: "Das ist ihr Berufswunsch, und sie soll ja schließlich glücklich werden."

Trotzdem ist die Mutter froh, dass Jennifer sich entschlossen hat, erst 2012 die Ausbildung zu beginnen und somit erst noch ihr Fachabitur zu machen. Keine leichte Entscheidung, denn im Musical-Geschäft ist die Zeit knapp: "Wenn man so wie ich als Schwerpunkt Tanz hat, ist körperlich allerspätestens mit 30 Jahren Ende", erklärt Jennifer.

Karriere ist die Mühen wert

Doch die zielstrebige Gymnasiastin zweifelt nicht daran, dass die Aussicht auf eine Musical-Karriere alle Mühen und Einschränkungen wert ist. "Auf der Bühne zu stehen, ist das schönste Gefühl, das es gibt. Das kann man nicht beschreiben", sagt sie begeistert. Und falls sie tatsächlich einmal an ihrer Entscheidung zweifelte, müsste sie wohl einfach nochmals ihr Lieblingsmusical besuchen: "We Will Rock You" - dafür fuhr sie kurz vor der Aufnahmeprüfung extra nach Berlin. "Das fasziniert mich total und gibt mir immer wieder aufs Neue Motivation: Das will ich auch erreichen!"

(RP)