Kranenburg: Haushaltsloch nicht sichtbar

Kranenburg: Haushaltsloch nicht sichtbar

Der Kranenburger Rat stimmte dem Haushaltsentwurf von Bürgermeister Günter Steins einstimmig zu. Das Defizit von 996.000 Euro wird mit Hilfe der Ausgleichsrücklage ausgeglichen. Die Gebühren für Bestattungen steigen.

Der Kranenburger Rat bleibt seiner Linie treu: Hier wird weiterhin nur das Geld ausgegeben, das da ist. In der Grenzgemeinde muss keiner nervös werden, wenn es um die Finanzen geht. Während es in NRW reichlich Kommunen gibt, die knietief im Dispo stehen, ist Kranenburg nach wie vor solide aufgestellt. Deshalb wurde der von Verwaltungschef Steins eingebrachte Haushalt auch einstimmig angenommen. Er weist zwar ein Minus von 996.000 Euro auf, doch kann dieser Fehlbetrag durch den Griff in die Rücklage ausgeglichen werden. Die Gemeinde bleibt schuldenfrei. Hinzu kommt, dass die Rücklage Ende 2018 voraussichtlich größer ausfallen wird als die aktuell 3,3 Millionen. Es wurde in den vergangenen Jahren stets ein Minus eingeplant, das jedoch in der Regel geringer ausfiel. Entweder durch Mehreinnahmen, die so nicht zu kalkulieren waren, oder auch durch zwar geplante, aber nicht getätigte Investitionen.

Dass der Haushalt von der Politik mehr als ordentlich bewertet wird, lässt sich an den Reden der Fraktionschefs ablesen. In denen marschieren die Kommunalpolitiker nämlich gern über die Dörfer. So ist nicht überall eine Haushaltsrede drin, wo eine draufsteht. Zwar kamen auch Zahlen vor, doch sind die Wortbeiträge auch willkommene Gelegenheiten, über den Tellerrand der beschaulichen Gemeinde hinaus zu blicken. CDU-Fraktionsvorsitzender Joachim Janßen betonte, dass die Bürger auf verlässliche, leicht sinkende Gebühren bauen könnten, und dass die Gemeinde zu den wenigen 396 NRW-Kommunen gehöre, die eine gesunde Finanzgrundlage vorweisen können. Neben dem Thema Finanzen berichtete Janßen auch von dem für ihn erschütternden Tod von Karl-Theo Lenz und gedachte dem Original mit ebenso umfangreichen wie überraschenden Ausführungen. Der Christdemokrat blickte außerdem nach vorne und nannte Pläne für ein neues Bürgerhaus und Feuerwehrdepot sowie ein veränderter Marktplatz als bedeutende Themen. Die ersten Opfer in der Rede von Manfred Maas (SPD) waren Bundes- und Landespolitiker. Jamaika-K.-o. und den "in den Sand gesetzten Start der Landesregierung" betonte er. Für Kranenburg hob er hervor, dass es auf Dauer nicht reiche, wenn die Kommune ihr Tafelsilber, sprich Grundstücke, verkaufe. Sein Vorschlag: Kein weiteres Bauland ausweisen, sondern Familien finanzielle Anreize geben, dass diese zunächst leerstehende Häuser nutzen. "Denn davon gibt es reichlich in Kranenburg", so Maas. Er forderte zudem mehr Personal für den Bauhof aufgrund der umfangreicher werdenden Grünflächenunterhaltung.

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Grüne-Fraktionschef Michael Baumann-Matthäus bewertet den Haushalt ebenfalls als solide aufgestellt, sah jedoch auch wenig Spielraum für größere Investitionen. Er bedauerte die geänderte Einstellung der Landespolitik zu dem Thema "Windkraft im Wald". Aus seiner Sicht sei dies der bevorstehenden Landtagswahl geschuldet. Der Grünenpolitiker hätte in der Fortschreibung des Konzepts "Kranenburg 2020" auch gern ein Projekt zum Artenschutz gesehen. Über die Diskussion zum Thema Bäume am Straßenrand teilte er die Ansicht der CDU nicht, die nur noch bestimmte, pflegeleichte Baumarten in Wohngebieten pflanzen will, denn: "Dann stehen demnächst überall nur noch Kugelakazien."

Für die ausgeschiedene FDP- Fraktionschefin Barbara Ketelaer hielt erstmals Rainer Vogt die Haushaltsrede. Auch er bewertete die Kassenlage als kerngesund. Aus Sicht des Liberalen gehören die Entwicklung der Einkaufsarena sowie die der Großen Straße zu den bedeutenden Projekten im kommenden Jahr. Auch Voigt gedachte seinem verstorbenen Parteimitglied Karl-Theo Lenz, der eine Lücke in Kranenburg hinterlasse. Wie bei der Verabschiedung des Haushalts gute Tradition, wurden Kämmerer Ferdi Böhmer und seine Männer stets mit reichlich Lob bedacht. Dass die Finanzsituation so bleibt wie sie ist, dafür sorgte jetzt die Erhöhung der Friedhof-Gebührensatzung. Böhmer dazu: "Die Pflegeaufwendungen sind erheblich gestiegen. Wir dürfen bestimmte Mittel zur Unkrautvernichtung nicht mehr benutzen. Daher muss hier mit mehr Personal gearbeitet werden." Ein Beispiel für eine Gebührenerhöhung: Ein Erdwahlgrab (25 Jahre) kostet jetzt 1346 Euro. Pro Jahr steigt der Preis dadurch um 9,04 Euro. Böhmer betont: "Die alte Gebührensatzung konnte ich nicht mehr verantworten." Eine Maßnahme, damit die schwarze Null steht. In Kranenburg ist weiterhin ein Finanzloch nicht sichtbar.

(jan)