Kleve: Friedhöfe werden abends geschlossen

Kleve: Friedhöfe werden abends geschlossen

Im Hauptausschuss informierte Kleves Kämmerer Willibrord Haas ausführlich über die Konsequenzen aus den massenhaften Grabschändungen. Buntmetall-Diebe waren auf dem Klever Hauptfriedhof und in Kellen unterwegs.

Die Schändungen auf dem großen Friedhof an der Merowingerstraße und dem Friedhof in Kellen werden Konsequenzen haben. "Wir haben beschlossen, in Kleve und Kellen kurzfristig die Tore abends zu schließen", sagt Kleves Kämmerer Willibrord Haas. Die Zeiten, ab wann abgeschlossen wird, würden noch bekannt gegeben. Das soll spätestens innerhalb der kommenden beiden Wochen geschehen, sagte gestern Kleves Stadtsprecher Jörg Boltersdorf.

Die Stadt werde dafür Sorge tragen, dass Menschen, die noch das Grab ihrer Liebsten besucht haben oder an der Pflege des Grabes arbeiten, nicht vom Schließen des Friedhofes überrascht werden. Auf dem Friedhof an der Merowingerstraße gebe es ein Drehtor, das den Ausgang offen halte, sagt Haas. Mit dem Schließen der großen Tore möchte die Stadt vor allem verhindern, dass Buntmetalldiebe mit schweren Fahrzeugen direkt vor die Gräber fahren und dort ihr Diebesgut vor Ort verladen und dann abtransportieren können. Haas berichtete vor dem Hauptausschuss der Stadt Kleve, der im Rathaus tagte, über die Konsequenzen, von denen Kellen und Kleve betroffen sind. Bei den Friedhöfen in den Ortsteilen wie Reichswalde, Keeken oder Donsbrüggen soll sich nichts ändern.

Wiltrud Schnütgen, Stadtführerin und für die Grünen im Rat der Stadt Kleve, begrüßte, dass man die Tore jetzt abends abschließen will. "Was wir gesehen haben, war ein Feld der Verwüstung. Wir müssen als Stadt deutlich machen, dass der Friedhof auch ein Denkmal ist - und beides gilt es zu schützen", sagt Schnütgen. Sie mahnte an, Teile des Zauns, wo es nur einen Maschendraht gebe, auszubesseren.

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Allein an der Merowingerstraße liegen der Polizei inzwischen 30 Anzeigen wegen Grabschändungen vor, der Friedhof in Kellen wurde ebenfalls aufgebrochen. Es wurden nicht nur die auf dem im Denkmalprozess stehenden Friedhof befindlichen kunsthistorisch bedeutende Gräber geschändet, sondern auch viele, liebevoll gepflegte Familiengräber. Haas bat um Verständnis, dass die Stadt nicht die Angehörigen anschreiben könne, ob ihr Grab betroffen ist. "Wir haben selber nur einen Überblick über uns direkt von eben den Angehörigen selbst angegebenen Schäden oder solche, die uns die Polizei gemeldet hat. Wir haben keine Möglichkeit, das zu leisten".

Man habe als Stadt nicht den Überblick, weil es oft erst die Angehörigen seien, die erkennen, dass etwas fehlt. Ebenso könne die Stadt keine Erstattungen bei Schäden geben. "Wir sehen dort keine Möglichkeiten", sagt Haas. Weder bei kleinen Schäden noch bei Schäden an denkmalwürdigen Anlagen. Das muss dann privat geregelt werden. Haas forderte Besucher der Friedhöfe auf, sich zu melden, wenn etwas Verdächtiges auffalle. Auf Nachfrage von Grünen-Fraktionschefin Hedwig Meyer-Wilmes, an wen sich betroffene Angehörige denn wenden könnten, wenn sie sehen, dass auch ihr Grab beschädigt ist, sagte der Kämmerer: "Bei der Friedhofsverwaltung kann jeder Schaden gemeldet werden, da stehen wir als Stadt natürlich zu einem Gespräch bereit. Wir geben das dann an die Polizei weiter".

(mgr)