Internat Gaesdonck schafft Samstagsunterricht ab

Struktur-Änderung: Gaesdonck schafft den Samstagsunterricht ab

Immer weniger Familien melden ihre Kinder im Internat an. Weil das bischöfliche Gymnasium in Goch ohne Internatsschüler nicht denkbar ist, wurde eine neue Struktur entwickelt.

Von ANJA SETTNIK

GOCH Stark zurückgegangene Anmeldezahlen im Internatsbereich bereiten Gaesdonck seit einiger Zeit ernste Sorgen. Die Anlage ist ohne eine größere Anzahl zahlender Schüler nicht zu unterhalten. Wohl jeder, der schon einmal den Campus an der Grenze zu Siebengewald besuchte, hat die Möglichkeiten der dortigen Schüler bewundert: Moderne Turnhallen, einen gepflegten Sportplatz, eigenes Hallenbad, Musik- und Kunstschule, Kirche, Aula... Alles wunderbar, aber immens teuer. Schon lange beteiligt sich das Bistum Münster nur noch in geringem Maß an der Finanzierung der Schule. Den Großteil der Kosten muss das Collegium Augustinianum Gaesdonck selbst decken. Und das geht vorrangig über Internatsgebühren. Für Schulleiterin Doris Mann ist es deshalb keine Frage, dass das Internat weiter bestehen muss. Es soll aufgewertet werden, um mehr Familien vom Konzept zu überzeugen. Denn das Gymnasium ist stark nachgefragt, weit mehr Kinder, als aufgenommen werden können, interessieren sich für das Externat.

Der Stiftungsvorstand hat gemeinsam mit der Schul- und Internatsleitung an der Neustrukturierung gearbeitet. Am Sonntagabend wurden die Eltern über die Ergebnisse informiert. Das Konzept wird noch weiterentwickelt, aber eine Änderung ist schon mal für die ganze Schulgemeinde wesentlich: Der Samstagsunterricht wird abgeschafft. Alle 14 Tagen mussten Gaesdoncker bisher zu vier Stunden Schule antreten. Ein Umstand, der für Internatsschüler bedeutete, dass nur alle 14 Tage „Heimfahrtwochenende“ war. „Immer weniger Eltern möchten so lange auf ihr Kind verzichten. Gerade die Internatsschüler aus der Region haben demnächst die Möglichkeit, an jedem Wochenende zu Hause zu sein, wenn sie das möchten“, erklärt Schulleiterin Doris Mann. Wer jedoch lieber bleibt oder gar nicht nach Hause kann, weil er weit weg wohnt, wird auch in Zukunft Wochenenden mit viel Programm im Internat erleben können. Wichtig, weil Gaesdoncker auch internationaler werden wollen: Auch Schüler aus Übersee, etwa aus Südamerika, sind willkommen.

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Um Kosten zu senken, wurde Personal eingespart - auch im Internat. Derzeit rund 60 Internatsschüler brauchen nicht mehr so viele Erzieher wie sie nötig wären, wenn alle 130 Plätze besetzt wären. „Deshalb unterstützen uns zwei Kollegen aus dem Internat nach den Sommerferien in der Schule“, erklärt die Schulleiterin. Da einer von beiden der bisherige Internatsleiter Alois Kisters ist, leitet der junge Kollege Michael Gysbers den Bereich kommissarisch. Nach den Ferien soll ein neuer Direktor vorgestellt werden, der inzwischen offenbar gefunden ist. Er wird auch Internatsleiter sein.

Auch in Zukunft werden Schüler der Unter- und Mittelstufe keinen Nachmittagsunterricht haben, lediglich Förderunterricht findet außerhalb des Vormittags statt. Entsprechend kann jeder Fahrschüler wie bisher nach der sechsten Stunde in den Bus steigen und zu Hause essen, Hausaufgaben machen, seinen Freizeitbeschäftigungen nachgehen. Die Internats- und Tagesinternatsschüler allerdings werden Veränderungen spüren: „Wir strukturieren Silentium und Freizeitprogramm um“, kündigt Gysbers an. Eine echte Qualitätsoffensive soll es sein, ein Angebot, dem Eltern, die ein Internat für Sohn oder Tochter suchen, kaum widerstehen können. „Bei unserer neuen Lernzeit wird immer ein Lehrer anwesend ist, der schwerpunktmäßig mit den Schülern übt. Und aus dem Freizeitprogramm ,Carpe Diem’, das wenig verlässlich war, wird eine verbindliche ,Talentzeit’“, kündigt Doris Mann an.

Sehr viel strukturierter wird der Tag der Internatsschüler künftig sein. Fürs „Rumhängen“ mit dem Handy wird nur noch wenig Zeit sein, vielmehr sollen die Schüler ihre Wohn- und Freizeitgruppen als echte soziale Netzwerke erleben. Drei Angebote pro Woche müssen belegt werden. Zudem sollen interessierten Schülern zusätzliche Bildungsangebote gemacht werden, die etwa auf ein Medizinstudium vorbereiten oder die Chance erhöhen, an einer Hochschule für Design angenommen zu werden.