Gräber aus der Eisenzeit auf Kiesgelände in Weeze entdeckt

Fund in Weeze : Römische Gräber: Unten pfui, oben hui

Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, sich die archäologischen Funde in Weeze aus der Nähe anzusehen.

Die Beschilderung mit Luftballons zur Ausgrabungsstätte wirkte eher ein wenig wie ein Hinweis auf einen Kindergeburtstag. Jedoch wiesen sie den Weg zu einer Auskiesungsfläche bei Weeze, wo in den vergangenen Monaten historische Funde aus einer eisenzeitlicher Siedlung mit Gräberfeldern gesichert wurden.

Um den „Traum eines Archäologen“ handele es sich an dieser Grabungsstelle nicht, erklärte Kerstin Kraus den Besuchern während des Tages der offenen Tür. „Das hier wäre nicht zu vergleichen mit dem Archäologischen Park in Xanten. Aber aus diesen Funden können wir einige Rückschlüsse ziehen.“ Es handele sich um einzelne Gräberstellen, in die Asche der Toten hineingegeben worden war, und zwar rund 100 Meter von einer ehemaligen Siedlung entfernt.

Was für den Laien erst nach dem Befeuchten wie eine dunkle Maserung im sandigen Erdreich aussah, deutete das geschulte Auge ganz anders. „Es handelt sich um kleine Reste von Leichenbrand. Zu dieser Zeit war es üblich, den Leichnam einzuäschern. Nur fragen wir uns: Was passierte mit dem übrigen Leichenbrand, wenn wir davon ausgehen, dass beim Mann rund 2000 Gramm, bei einer Frau etwa 1600 Gramm an Asche übrigbleiben?“ Die Vermutungzielt in die Richtung, dass Asche als Erinnerung an den Verstorbenen entnommen wurde oder aber in einer Urne oder ähnlichem Gefäß bestattet wurde.

„Hier handelt es sich um eine Grube mit Verbrennungsresten, deutlich erkennbar an der Verfärbung. Aber wie sah es darüber aus?“ erklärte die Fundsachbearbeiterin des Landesverbands Rheinland. „Wir wissen auch, dass es römische Sitte war, ein Grabmal mit Steinen prächtig auszustatten, und zwar nach dem Motto unten pfui, oben hui. Oben deshalb prächtige steinerne Grabmale, damit die Toten die Lebenden nicht heimsuchen, wie man früher glaubte.“

Einfriedungen rund um die Gräber hier lassenvermuten, dass in dem Gräberfeld römische und einheimische Bestattungssitten vermischt wurden. „Was passiert mit den Funden?“, wollte eine Besucherin wissen. Die Fundsachbearbeiterin beschrieb: „Die Scherben und Gefäße werden von unseren Experten bestimmt und eingelagert, ebenso wie die Brände ausgeschlämmt werden und einen Extra-Befund bekommen. Danach wird in diesem Gräberfeld weiter ausgekiest. In zwei Monaten ständen wir hier im Wasser.“ Diese archäologischen Maßnahmen dienen der Dokumentation für kommende Generationen.

Wie bei allen Bauvorhaben üblich sei bereits im Rahmen des Umweltverträglichkeits-Verfahrens die Archäologen hinzugezogen worden. An der Oberfläche ‚könnte was kommen‘, sei im Vorfeld schon die Einschätzung gewesen. Die sich im Zuge der Auskiesung bewahrheitete.

Ein Blick zurück in die Vergangenheit: historische Funde aus einer eisenzeitlicher Siedlung mit Gräberfeldern. Foto: Evers, Gottfried (eve)

„Dazu brauchen wir die Sensibilität des Baggerfahrers, der so vorsichtig wie möglich Bodenschicht für Bodenschicht abträgt. Schon anhand der optischen Bodenbeschaffenheit können wir einschätzen, ob da noch etwas Verborgenes zu finden ist und von unserer Grabungsgruppe behutsam freigelegt wird.“ Vorarbeiterin Melanie Rölke konterte dagegen amüsiert: „Alles Bauchgefühl.“