Grafiker Gottfried Lambert aus Goch mit großer Ausstellung

Museum Goch : Eine Leidenschaft für Form und Fläche

Seit etwa 60 Jahren ist Gottfried Lambert Kunstschaffender. Von der Kunst zu leben traute er sich jedoch nicht zu und so verdiente er sein Geld als Grafiker. Mit 80 Jahren hat er nun eine Ausstellung im Museum Goch.

Der Direktor des Museums Goch hat ihn tatsächlich bis vor kurzem nicht gekannt. Obwohl doch Gottfried Lambert mit seiner Arbeit nicht nur viele Spuren in Goch hinterlassen hat, sondern vor langer Zeit auch schon Ausstellungen hatte. Allerdings damals im Steintor, nicht im Museum - und vor Manns Zeit.

Als kürzlich der Heimatverein auf die Idee kam, im Fünf-Ringe-Haus eine Werkschau des inzwischen 80-jährigen Mannes zu zeigen, beschloss Mann, dass er diesen Mitbürger doch mal kennenlernen müsse. Und war von Person und Werk so beeindruckt, dass er sich mit dem Heimatverein darauf einigte, die Papierbilder doch lieber im Museum als in dem Gebäude zu zeigen, das entkernt auf seine Sanierung wartet.

Deshalb sind an den Wänden der beiden Räume in der ersten Etage des Kunstmuseums nun Grafiken, Drucke und Fotobearbeitungen verschiedenster Art zu sehen. Und zur Ausstellungseröffnung kamen viele Gocher, die es immer schon gewusst haben, dass Lambert nicht nur einiges zu zeigen, sondern auch viel zu erzählen hat.

„Ich war am Gymnasium ein schlechter Schüler. Außer Kunst, Religion und Biologie hab’ ich nicht viel drauf gehabt“, sagt der Mann, der darüber heute nur noch schmunzeln kann. Ohnehin sollte er ja eigentlich die Kunstschmiede des Vaters übernehmen, da war die höhere Schulbildung nicht ganz so wichtig. Doch nach der Schlosserausbildung und Gesellenprüfung beschloss der junge Mann, die Werkkunstschule in Krefeld zu besuchen. Der Lehrer „Fifi“ Weber, der den Kontakt zu dem künstlerisch talentierten Jungen auch nach dessen frühzeitigem Abgang vom Gymnasium gehalten hatte, freute sich darüber. Langfristig traute sich Lambert jedoch nicht zu, von der Kunst zu leben. Mit Familie und Haus schien ihm ein Broterwerb-Job doch vernünftiger, und schließlich ist ein Grafiker nicht weit weg von der Kunst. Vor allem damals nicht, als noch alles Handarbeit war. „Ich habe Schaufensterpuppen modelliert, Deko-Artikel hergestellt, Werbung gemacht, Plakate gestaltet.“ Meist für Druckereien und Verlage, aber es gab auch individuelle Aufträge. Für die Volkshochschule Goch, für das SOS Kinderdorf oder für den Stadtjugendring arbeitete Lambert. Und einige der von ihm geschaffenen Motive sind bis heute in seiner Heimatstadt bekannt: das Körbchen des Werberings etwa oder das geschwungene „N“ der (früheren) Nassmacher-Ladentür. Auch als Cartoonist machte er von sich reden.

Wenn der 80-Jährige bescheiden sagt, dass seine Kunst für ihn ein „Hobby“ für die knappe Freizeit gewesen sei, will Stefan Mann das so nicht stehen lassen. „Lambert hat das künstlerische Umfeld, in dem er in den 60er Jahren arbeitete, inspiriert und geprägt. Sein ganzes Werk zeugt von der Suche nach der Form; er hat Flächen abstrahiert und durch das Prinzip der Reihung einzelnen Bildern neue ästhetische Wirkungen gegeben, wie es die Künstler dieser Zeit taten. Auf seine Weise reflektierte er auch die Popkultur seiner Generation“, stellt Mann fest. Die 60er und 70er Jahre leuchten (ganz buchstäblich) aus den meisten seiner farbstarken Arbeiten heraus.

In jüngerer Vergangenheit hat Gottfried Lambert den Computer für seine Kunst entdeckt. Er bearbeitet Fotos und Grafiken ohne jede Scheu vor den digitalen Möglichkeiten. Spiegelungen niederrheinischer Kopfweiden in der Niers hat er dupliziert und mehrfach neben- und übereinander gesetzt. Starke Vergrößerungen von Materialien, die er in Dosen sammelt, setzt er zu individuellen Collagen zusammen. Dass Gottfried Lambert einer ist, der genau hinsieht und dem scheinbar Bekannten neue Bedeutung gibt, hat vor einer Reihe von Jahren auch schon Franz Joseph van der Grinten erkannt, der dem Gocher attestierte, Bilder „in unbeirrbar ruhigem Schauen sichtbar gemacht“ zu haben. Die Ausstellung kann bis Mitte März betrachtet werden.

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