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Pfalzdorfer macht sich Gedanken über Umweltschutz

Umweltschutz : Jeder ist für die Umwelt verantwortlich

Peter Vierrether appeliert an seine Mitmenschen, den Umweltschutz selbst in die Hand zu nehmen. Radfahren, Müll vermeiden und viel Blühendes im Garten sind für den Pfalzdorfer selbstverständlich.

Er ist Frührentner und hat deshalb etwas mehr Zeit als andere Altersgenossen. Eine schwere chronische Atemwegserkrankung zwang Peter Vierrether schon vor Jahren in den Ruhestand. Statt zu verbittern nutzt der Mittfünfziger  jedoch die Möglichkeit, sich mit vielen Themen, die andere an den Rand schieben, intensiv zu beschäftigen. Zum Beispiel liest der Pfalzdorfer sehr sorgfältig die Tageszeitung - was ihm nicht selten die Gelegenheit zu Diskussionsvorlagen bietet.

Gerade erst musste er sich über die Aussagen der NRW-Bundesministerin in der Rheinischen Post aufregen: „Immer sind die anderen schuld - die Politiker anderer parteien, die Industrie, die Landwirte, der Handel... Kaum jemand stellt mal fest, dass wir Bürger fast alles selbst in der Hand haben. Statt über den Diesel und den Umgang der Autohersteller mit dem Thema zu schimpfen, könnten wir Verbraucher einfach viel mehr mit dem Fahrrad fahren. Oder eben weniger Fleisch essen. Oder unsere Gärten nicht mit Splitt zuschütten.“

Peter Vierrether fährt selbst Auto, aber eben nur so viel wie nötig, versichert er. Jeder Weg, der für den Lungenkranken nicht zu anstrengend ist, wird mit dem Rad bewältigt. Auch seine Ehefrau, die in Kranenburg arbeitet, fährt grundsätzlich mit dem E-Bike. „Und zwar bei fast jedem Wetter. Sie ist da so hart gegen sich selbst, dass sie sogar überlegt, ihr Auto abzuschaffen.“ Auch seine beiden Kinder fahren mit dem Rad zur Schule, ganz selbstverständlich. Der Pfalzdorfer findet toll, wie die Niederländer mit Pendlern umgehen: „Da gibt es im Außenbereich jeder Stadt große Park&Rail-Parkplätze, auf denen die Leute ihre Autos abstellen. Dann holen sie ihre Räder aus dem Wagen und fahren die letzten Kilometer zur Arbeit, ohne schädliche Abgase in die Innenstädte zu bringen. Im Nachbarland wird zudem bekanntlich jeder Schulweg mit der Fiets zurückgelegt.

Als Vierrether noch arbeitete (in Kempen), fuhr er mit seinem Wagen bis Wachtendonk und stieg dort aufs Fahrrad um. Da hatte der leidenschaftiche Triathlet, der (wie heute seine Kinder) bei Alemannia Pfalzdorf aktiv war, zugleich noch etwas Training. Dass die Luft in niederrheinischen Städten noch nicht  so bedenklich belastet ist wie in Großstädten, gibt er gerne zu, aber wer Schwierigkeiten mit der Atmung habe, merke an einigen Verbindungsstraßen und zu Stoßzeiten durchaus, dass die Luftverschmutzung zunehme. Zumal viele Autofahrer an Ampeln und Baustellen minutenlang ohne Not die Motorenlaufen ließen.  Der Familienvater weist darauf hin, dass es in Asien aus Umweltgründen  verboten sei, alleine Auto zu fahren. „Warum schließen sich nicht viel mehr Leute zu Fahrgemeinschaften zusammen, statt alleine im Stau zu stehen?“

Vierrether mag Gärten am liebsten naturbelassen und kann nicht verstehen, warum mancher Hausbesitzer aus Bequemlichkeit Blühpflanzen am liebsten vom eigenen Grundstück verdammt. Auch auf öffentlichen Flächen sollte es viel mehr bunte Wildblumen geben, das sehe schön aus und helfe den Tieren. Der Pfalzdorfer scheut auch nicht davor zurück, sich mit Lebensmittelhändlern anzulegen: Warum müssen Äpfel, Salat und Tomaten in unterschiedliche Tüten gepackt werden, wenn man sie an der Kasse auch einzeln wiegen und dann in den Korb oder eine Textiltasche legen kann? „Wenn eine Familie einmal für sich klärt, wie’s gemacht wird, dann bringt das schon was und ist wirklich nicht schwierig.“ Laut Vierrether gibt’s für fast jedes Problem eine Lösung, und er möchte (wie vermutlich alle anderen Eltern auch) seinen Kindern eine lebenswerte Erde hinterlassen.

So ganz ohne Schuldzuweisung an Industrie und Politik kommt der kritische Gocher dann doch nicht aus. Weil er gezwungenermaßen recht viel sitzt und liest oder fernsieht, erfährt er auch von interessanten Erfindungen, die oft nicht zur Marktreife gelangen. „Weil große Konzerne das unterbinden, indem sie die Patente aufkaufen“, meint er. Und die Politik lasse das zu und vergebe damit Chancen. Peter Vierrether ahnt, dass ihn mancher belächelt, aber damit müsse man leben. Die Gesundheit von Mensch und Tier zu erhalten sei wichtiger.