Klinik-Standorte in Goch und Kleve sollen umstrukturiert werden

Umstrukturierung : Gocher Hospital soll Chirurgien verlieren

Das Karl-Leisner-Klinikum diskutiert intern seine Entwicklung und räumt ein, dass die Angebotsstruktur der Standorte verändert werden soll. Es spricht einiges dafür, dass Stationen von Goch nach Kleve verlegt werden und Goch „ambulant“ wird.

Immer lauter rumort es im Umfeld insbesondere der kleineren Klinik-Standorte. „Wir müssen und werden die vier Standorte laufend weiterentwickeln. Die Schließung des Standortes Goch ist nicht geplant“, hatte die Unternehmenskommunikation auf eine entsprechende Anfrage der Rheinischen Post Anfang September versichert. Am Mittwoch wurde der letzte Satz ein wenig relativiert: „Die Schließung einzelner Standorte diskutieren wir aktuell nicht“, so Pressesprecher Christian Weßels. Er bestätigt allerdings, dass eine intensive Diskussion geführt werde, wie die Standorte „sowohl versorgungspolitisch als auch ökonomisch weiterentwickelt“ werden können. Aus dem Umfeld des Wilhelm-Anton-Hospitals ist zu hören, dass die Umstrukturierung darauf hinauslaufen könnte, dass die Allgemeine und Viszeralchirurgie nach Kleve verlegt wird. In Goch sollen mehr ambulante Angebote oder eine „Portalklinik“ angesiedelt werden, eventuell auch eine Pflegeschule.

Am Mittwoch hatte eine Personalversammlung stattgefunden, bei der laut Teilnehmern kein Stuhl frei geblieben sei. Die Mitarbeitervertretung, in Sorge um ihre Arbeitsplätze, wollte sich gegenüber der RP nicht äußern. Auch Aufsichtsrat und Kuratorium halten sich mit belastbaren Aussagen zurück. Pastor Roberto Alda, als leitender Pfarrer in Goch Kuratoriumsmitglied, hielt sich an die Vereinbarung, formulierte lediglich, „kein einziger Standort kann ohne den gesamten Verbund bestehen bleiben“. Er sei „ziemlich zufrieden“ mit dem, was da entwickelt werde, zumal ja nicht von einer Schließung gesprochen werde.

So lange die Karl-Leisner-Trägergesellschaft die Beschlüsse noch nicht endgültig gefasst hat, ist es für die Kreise, die sich gemeinhin gerne äußern, schwierig, konkret zu werden. Deshalb verlangt zum Beispiel der CDU-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Kleve, Stefan Rouenhoff, dass Entscheidungen so schnell wie möglich kommuniziert werden. Mit Blick auf die Situation 2011, als sich Mitarbeiter und viele Bürger mit Transparenten vor das Hospital stellten, um die Schließung zu verhindern, mahnte er: „Der private Klinikverbund trägt die Verantwortung für das, was jetzt passiert. Ich kann nur hoffen, dass alle Akteure aus der Situation von damals gelernt haben. Es geht um den Erhalt von Arbeitsplätzen und um die Sicherung der medizinischen Versorgung im Kreis. Da muss die Öffentlichkeit mitgenommen werden.“

Der Gocher CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Sprenger sagt: „Ich erwarte vom Katholischen Karl-Leisner Klinikum rasche und unmissverständliche Informationen darüber, was genau am Standort Goch geplant ist. Sollte vom KKLK auch nur ansatzweise der Versuch unternommen werden, das Gocher Wilhelm-Anton-Hospital zu schließen, so wird dies auf unseren massiven Widerstand stoßen.“

Nicht alle Mitarbeiter verteufeln die Entwicklung. Schon jetzt finden die meisten Untersuchungen und Operationen in Kleve statt, viel zu oft müssten Patienten zwischen Goch und Kleve hin und her gefahren werden, das sei unpraktisch und unwirtschaftlich. Andererseits bleibe ein Hospital eben nur so lange ein Krankenhaus, wie man sich dort als Kranker ins Bett legen könne. Das wird, so ist zu hören, noch einige Jahre lang möglich sein, in Kleve muss ja noch Infrastruktur geschaffen werden. Sobald der Aufsichtsrat Beschlüsse gefasst hat, soll „umgehend informiert“ werden, so Weßels.

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