Erkelenz: Rechtsbuch von Mathias Baux kehrt nach 98 Jahren zurück

Erkelenz: Rechtsbuch von Mathias Baux kehrt nach 98 Jahren zurück

Der Stadtschreiber und Bürgermeister Mathias Baux verfasste von 1541 bis 1568 zwei für Erkelenz und das Gelderland wichtige Handschriften: Die im Stadtarchiv Erkelenz aufbewahrte Chronik, die sogenannte Baux-Chronik, und ein Rechtsbuch, in welchem er das Erkelenzer Gewohnheitsrecht in der Frühen Neuzeit darstellte. Dieses Buch, das Baux "Liber juris patriae hoc est, continens jura civilia oppidi nostri" nannte, wurde offensichtlich von der neuzeitlichen Verwaltung als Hilfsmittel benutzt. Es gilt Wissenschaftlern deshalb als das "wichtigste Amtsbuch der alten Stadt Erkelenz". "Nach 98 Jahren kehrt dieses am 7. Januar in die Stadt zurück", teilt Stadtarchivarin Dr. Alice Habersack mit.

Die Handschrift befand sich Anfang des 20. Jahrhunderts in Privatbesitz und wurde vor Einmarsch der französischen Truppen 1918 jenseits des besetzten Gebiets in Sicherheit gebracht. Die Schwester des Besitzers nahm nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Kontakt mit der 1929 gegründeten Archivberatungsstelle auf und übergab ihr im Einverständnis mit ihrem Bruder die Handschrift. Verbunden war mit der Abgabe an die Archivberatungsstelle die Bedingung, dass der "Liber juris patriae" wegen der historischen Zugehörigkeit zum Aachener Marienstift vorläufig in Aachen deponiert werden sollte, bis Erkelenz über ein eingerichtetes Archiv verfügen würde. Die Archivberatungsstelle übernahm damit die Rolle des Eigentümers und gab den "Liber juris patriae" als Depositum - also zur Aufbewahrung und Benutzung ohne Eigentumsübergang - an das Aachener Stadtarchiv. Dort wurde das Buch über ein halbes Jahrhundert sicher und gut verwahrt.

Anlässlich der Ausstellung des Erkelenzer Stadtarchivs zur 1050-Jahr-Feier öffnete die Archivberatungsstelle des Landschaftsverbands Rheinland wieder ihren alten Vorgang und kam laut der Erkelenzer Stadtarchivarin Habersack zu dem Befund, dass "die gestellte Bedingung für eine Übergabe des ,Liber juris patriae' an die Stadt Erkelenz mittlerweile erfüllt ist. Sie forderte daher ihr Depositum vom Aachener Stadtarchiv mit Dank für die zuverlässige Verwahrung zurück."

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Die Übergabe dieses wichtigen Zeugnisses der Erkelenzer Stadtgeschichte wird in einem feierlichen Rahmen zum Abschluss des Jubiläumsjahres 2016 am 7. Januar 2017 ab 11 Uhr in der Erkelenzer Stadthalle in Anwesenheit des Leiters des Aachener Stadtarchivs Dr. René Rohrkamp und der zuständigen Gebietsreferenten der Archivberatungsstelle für Aachen und Erkelenz stattfinden. Die Ausstellung des Erkelenzer Stadtarchivs zur 1050-Jahr-Feier wird zu dieser Gelegenheit im Foyer der Stadthalle erneut gezeigt.

(RP)
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