Duisburg: Schätze der Mayas fürs Museum

Duisburg: Schätze der Mayas fürs Museum

Die Köhler-Osbahr-Stiftung konnte den umfangreichen Nachlass aus der ethnologischen Sammlung des Künstlers und langjährigen Hochschullehrers der Duisburger Universität, Prof. Kurt Sandweg, erwerben. Altamerikanisten der Universität Bonn nehmen 600 Objekte unter die Lupe.

Ralf H. Althoff, stellvertretender Direktor des Kultur- und Stadthistorischen Museums und Betreuer der Sammlung Köhler-Osbahr, sprach gestern von einer "großen und großartigen Zustiftung". In der Tat war ein Raunen bei der Pressebesichtigung zu hören, die im Magazin des Museums stattfand. Dort waren rund 600 Objekte altamerikanischer Kunst aufgebaut worden. Die Sammlung gehörte dem Künstler und Hochschullehrer Prof. Kurt Sandweg (1927–2008). Es handelt sich um Vasen, Krüge, Schüsseln, Skulpturen, darunter auch solche für den kultischen Gebrauch, Grabbeigaben, wobei Letztere zum Teil auch erotische Darstellungen sind. Die Werke, 2200 bis 1500 Jahre alt, stammen von bedeutenden Ausgrabungsstätten im Mittelamerika, etwa von der mexikanischen Ruinenstadt Teotihuacán.

"Bedeutende Sammlung"

Prof. Dr. Karoline Noack, Altamerikanistin an der Universität Bonn, und ihr Kollege Dr. Peter Biro, ein Maya-Experte, sprachen gestern von einer "sehr schönen und bedeutenden Sammlung", auf die man auch in London, Paris oder Berlin stolz wäre. Die Bonner Altamerikanisten werden in den kommenden Wochen und Monaten die Sammlung genauer unter die Lupe nehmen. Geplant ist, dass die Objekte demnächst in einem Katalog vorgestellt werden. Darüber hinaus wird die Universität Bonn im kommenden Wintersemester ein Seminar über die im Kultur- und Stadthistorischen Museum aufbewahrte Sandweg-Sammlung durchführen.

Kurt Sandweg war als Bildhauer und Hochschullehrer in Duisburg (und Düsseldorf) gleichermaßen präsent. Seine Hochschulkollegen Martin Goppelsröder und Hans Brög schätzen seine Arbeiten und setzten sich, ebenso wie Duisburgs ehemaliger Kulturdezernent Dr. Konrad Schilling, für ihn ein.

Pralle Leiblichkeit

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Im Herbst 2005 konnte man in der cubus-Kunsthalle einen großen Querschnitt des Lebenswerkes von Kurt Sandweg besichtigen. Damals erschien auch ein dickleibiger Katalog zu Kurt Sandweg; ein schönes Werk von bleibendem Wert. Über die in der cubus-Kunsthalle ausgestellten Arbeiten schrieb der Autor damals: "Was nahezu alle Arbeiten Sandwegs auszeichnet, ist ihre pralle Leiblichkeit, ihre fast überrumpelnde Präsenz, ihre monumentale Eindringlichkeit und ihre lockende Materialität. Zweifellos ist Kurt Sandweg von Lehmbruck, Maillol, Botero oder Laurens geprägt. Aber sein Werk ist stets eigenständig geblieben."

Jetzt weiß man zudem, dass sich Kurt Sandweg nicht nur von der Klassischen Moderne, sondern auch von alt-amerikanischer Kunst sowie – in kleinerem Maße – von alt-ägyptischer und alt-afrikanischer Kunst inspirieren ließ. Er unternahm zahlreiche Studienreisen nach Mittelamerika. Der ehemalige Reisekaufmann Horst Schuwerack, mit dem Sandweg gut bekannt war, sorgte für preisgünstige Reisen, war aber auch beim Aufbau der umfangreichen Sammlung behilflich, wie er gestern berichtete.

Kurt Sandweg hatte testamentarisch verfügt, dass seine ethnologische Sammlung als Ganzes erhalten bleibt. Seine Lebensgefährtin und Erbin, Hannelore Kaiser, zeigte sich gestern überglücklich darüber, dass der Nachlass nun im Duisburger Museum aufbewahrt und aufbereitet wird. Eine wichtige Vermittlerrolle spielte dabei Dr. Konrad Schilling.

Die erste öffentliche Präsentation im Kultur- und Stadthistorischen Museum ist für das Frühjahr 2011 geplant.

(RP)
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