Duisburger Geschichte Und Geschichten: Mercator und die Magie der Gestirne

Duisburger Geschichte Und Geschichten: Mercator und die Magie der Gestirne

Im 16. Jahrhundert genoss die Astrologie ein hohes Ansehen. Auch Gerhard Mercator befasste sich intensiv mit astrologischen Fragen.

Skeptiker sehen in der Astrologie einen Aberglauben. Aber viele Menschen sind ganz anderer Ansicht - über 90 Prozent der Befragten in Deutschland kennen ihr Tierkreiszeichen und immerhin 25 Prozent glauben an die Macht der Sterne. Es gibt astrologische Vorhersagen von Sportereignissen, der Börse und dem etwaigen Rücktritt Donald Trumps. Was viele Duisburger nicht wissen: Der große Sohn der Stadt, Gerhard Mercator, befasste sich schon Mitte des 16. Jahrhunderts intensiv mit der Astrologie.

In der Zeit der Renaissance und der Reformation war es weit verbreitet, sich mit dem Einfluss und den Wirkungen der Sterne zu befassen. Hexen, Teufel und göttliche Vorzeichen blieben für die Menschen Realität. Gebannt beobachteten die Menschen den Himmel und suchten nach Vorzeichen und Omen. Umbruchzeiten weckten tiefe Ängste. Da wundert es nicht, wenn das Nostradamus-Buch "Die Prophezeiung" zur damaligen Zeit ein Bestseller wurde. Nostradamus düstere Vorhersagen in Versform umfassten Wetterkatastrophen, Seuchen, Kriege und Königsmorde. Die vage formulierten Verse reichen bis ins Jahr 3739. Da bleibt auch heute noch viel Zeit, das Für und Wider von Nostradamus hellseherischen Fähigkeiten zu diskutieren. Die "martialische" Deutung des Mars durch Nostradamus lehnte Mercator im Übrigen ab.

Diese Astroscheibe diente im 16. Jahrhundert als Unterrichtsmaterial für Studierende. Foto: Historisches Museum Basel

Nicht Nostradamus, sondern der Engländer John Dee war für Mercator ein wichtiger Partner im astrologischen Diskurs. John Dee verfügte über ein Universalwissen und "magische" Fähigkeiten. Der englischen Königin Elisabeth I. schrieb er Horoskope und berechnete den günstigsten Termin für ihren Krönungstag. Als ein Komet den königlichen Hof in Angst und Schrecken versetzte, quartierte sich Elisabeth I. für drei Tage bei John Dee in Mortlake bei London ein. Dort fand die Regentin vertrauensvollen Schutz vor dunklen Mächten.

John Dee und Gerhard Mercator waren freundschaftlich aus Studienzeiten in Löwen (Belgien) verbunden. Sie teilten ihr Interesse für Mathematik, Navigation, Philosophie und Astrologie. Beide lernten sich in Löwen 1548 kennen und betrieben gemeinsam astrologische Studien. Gerhard Mercator und John Dee sahen in der Mathematik den Schlüssel zum Weltverständnis - und sie wollten das Wissen weitertragen.

Aus dieser Zeit (1551) ist eine einzigartige "Astro-Scheibe" erhalten, die als Unterrichtsmaterial für Studierende diente. Mercators Himmelsglobus komplettierte den Set an Arbeitsmitteln - das ergibt sich aus der "Gebrauchsanweisung" auf der Rückseite der Astro-Scheibe. Auf der abgebildeten Vorderseite signalisiert eine bestimmte Stellung im Kreisring der Astro-Scheibe z.B. für das Zeichen der Zwillinge "große Gefahr"; eine andere Gradeinteilung dagegen eine "Vermehrung des Glücks".

Mercator wurde 1544 ketzerischer Gedanken verdächtigt. Die Inquisitoren machten ihm den Prozess, aber er kam frei - wohl auch, weil er sich vom neuen Weltbild von Kopernikus distanziert und Gönner im Hintergrund sich für ihn einsetzten. Mit dem Umzug nach Duisburg im Jahr 1552 ins tolerante Duisburg konnte er weiter astrologische Studien betreiben. Wegen der hervorragenden Qualität seiner Himmelgloben und Karten wurde er bald "Hofkosmograf" seines Landesherrn, des Herzogs von Kleve. Mercators intensive Auseinandersetzung mit Geburts- und Todesdaten lässt darauf schließen, dass Horoskope und astrologische Fragen im Kreise von Gelehrten und Nachbarn an der Oberstraße in Duisburg intensiv diskutiert wurden. Seine astrologischen Überlegungen entwickelte Mercator weiter im Zusammenhang mit dem Atlas-Konzept. Als gläubiger Christ erweitert er die Schöpfungsgeschichte um erlösungstheologische Gedanken über Vorsehung (providentia) und Rechtfertigung (redemptio). Mercator vertrat dabei einen Schöpfungsoptimismus: "Von den Gestirnen selbst wird niemals ein bösartiger Einfluss ausgeübt".

Tipp zum Weiterlesen : Ad maiorem Gerardi Mercatoris gloriam Band III: Astronomie versus Astrologie, S. 178 ff: Dr. Friedrich Wilhelm Krücken, ehemaliger Leiter des Duisburger Mercator-Gymnasiums.

(RP)