Kommentar zum Paternoster aus Duisburg: geliebt und gefürchtet

Kommentar : Paternoster: Geliebt und gefürchtet

Besucher öffentlicher Gebäude dürfen ab dem 1. Juni keine Paternoster mehr benutzen. Das besagt eine neue Verordnung des Bundesarbeitsministeriums. Wir haben zwiespältige Gefühle.

Hildegard Chudobba, Redaktionsleiterin der RP in Duisburg, ist ein Paternoster-Fan:

Es war 1963 oder 1964, als sich die Grundschülerin Hildegard zum ersten Mal so richtig verliebte. Die Klasse unternahm einen Ausflug ins Rathaus. Beim Anblick des Paternosters erwischte es sie. Staunend stand sie vor dem Wunderwerk, das scheinbar die Kabinen ins Nirgendwo beförderte. Mit großer Angst, selbst in diesem Nirwana zu landen, war sie eingestiegen - und wäre am liebsten nie wieder ausgestiegen.

Die RP-Redakteurin Hildegard ließ später keine Gelegenheit aus, dieser Liebe zu dem nostalgischen Aufzug wann immer möglich zu frönen. Dieser wunderbare Geruch nach Holz, dieses Ruckeln und Knarzen, wenn sich die Kabinen von Etage zu Etage bewegen, dieses Prickeln, dass sie beim Ein- oder Aussteigen den richtigen Moment verpassen könnte - alles das hat sie aus ihrer Kindheit in den Paternoster-Alltag mitgenommen. Und auch die stille Hoffnung, dass sich in der obersten Etage die Kabine vielleicht doch mal umdreht und es dann kopfüber wieder nach unten geht. Schließlich ist auch die wahre Liebe nicht immer perfekt. Doch sie hält ein Leben lang.

Sandra Kaiser, RP-Redakteurin in Duisburg, traut dem Paternoster dagegen nicht über den Weg:

Er sieht zwar wunderschön nostalgisch aus, und ich bewundere ihn auch jedes Mal, wenn ich das Rathaus betrete. Aber den Paternoster besteigen und mit ihm nach oben fahren? Niemals! Ich traue diesem Ding nicht über den Weg. In Aufzügen habe ich generell Platzangst. Da hilft es auch nicht viel, dass man im Paternoster auf jeder Etage nach draußen blicken kann. Bei meinem Glück bleibe ich genau zwischen zwei Stockwerken stecken - und dann bringt mir das rein gar nichts.

Angst habe ich aber nicht nur davor, sondern auch vorm Ein- und Aussteigen. Was, wenn ich nicht den richtigen Moment erwische? Ich muss mich ja schon bei einer Rolltreppe konzentrieren. Nur falle ich da höchstens auf die Nase. Was, wenn ich beim Betreten des Paternosters kurz unachtsam bin und ins Straucheln gerate? Werde ich womöglich eingeklemmt? Es soll ja Sicherheitsmechanismen geben, die das verhindern. Aber wer garantiert mir das? Ich will es lieber nicht drauf ankommen lassen. Nein. Ich nehme brav die Treppe. Ist sowieso viel gesünder!

(RP)
Mehr von RP ONLINE