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Duisburg: Die Sorge vor dem Störfall

Duisburg : Die Sorge vor dem Störfall

Die Rauchwolke, die nach dem Großbrand bei einem Krefelder Düngemittelhersteller nach Duisburg zog, hat viele Menschen verunsichert. Wir erklären, welche Auflagen Chemie-Firmen haben und was sie bei einer Katastrophe tun.

Ungewissheit ist die größte Sorge der Duisburger nach dem Großbrand in Krefeld. Viele beschäftigt die Frage: Was steckt im schwarzen Rauch, der aus einer Lagerhalle für Düngemittel aufsteigt? Nach Auswertung der Messergebnisse geben die zuständigen Behörden Entwarnung: Die Stoffkonzentration in der Wolke birgt "keine akute Gesundheitsgefährdung für die Bevölkerung". Doch das Unglück zeigt: Bei Unternehmen, die mit Chemikalien arbeiten, ist besondere Vorsicht geboten.

Wie viele solcher Unternehmen gibt es in Duisburg?

Nach Angaben der für Duisburg zuständigen Bezirksregierung Düsseldorf betreiben 30 im Stadtgebiet ansässige Firmen genehmigungspflichtige Anlagen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz; sie produzieren, verarbeiten oder lagern unter bestimmten Umständen für Menschen gefährliche chemische Erzeugnisse, Medikamente oder brennbare Stoffe wie Benzin.

Welche Sicherheitsauflagen müssen die Betriebe erfüllen?

Die Auflagen sind gesetzlich vorgeschrieben und werden bereits im Genehmigungsverfahren erteilt. Es gibt Regeln für Gefahrstoffe, brennbare Flüssigkeiten, technische Anlagen und die Betriebssicherheit.

Was wird zum Schutz der Bevölkerung unternommen?

Unternehmen wie Sachtleben Chemie in Homberg (1150 Mitarbeiter, arbeitet unter anderem mit stark ätzender Schwefelsäure) sind verpflichtet, Anwohner über Gefahren aufzuklären. "Wir verteilen im Abstand von zwei Jahren Broschüren in der Nachbarschaft, in der alle nötigen Informationen zu finden sind", sagt Sprecher Axel Markens. Auf 16 Seiten wird erklärt, mit welchen Chemikalien das Unternehmen arbeitet, welche Maßnahmen bei einem Störfall ergriffen werden und welche Notfallrufnummer Bürger wählen können. Markens: "Darüber hinaus halten wir unsere Anlagen stets auf dem neusten Stand der Technik." Außerdem gibt es auf dem Gelände — anders als beim Krefelder Düngemittelhersteller — eine auf Chemie-Unfälle spezialisierte Werksfeuerwehr, die im Notfall sofort zur Stelle ist und Warnungen an Polizei, Berufsfeuerwehr und die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde herausgibt.

Werden giftige Stoffe im Hafen umgeschlagen?

Für die chemische Industrie ist der Duisburger Hafen eine zentrale Drehscheibe. Was die dort umgeschlagenen Substanzen angeht, hält sich die duisport-Gruppe bedeckt. "Gefahrstoffe müssen vorher angemeldet werden", betont Sprecher Jan Heitmann. Gas- und Öltransporte etwa dürfen nach seinen Angaben nur an bestimmten Punkten festmachen, die vorher vom Terminalbetreiber zugewiesen wurden. Heitmann: "Wir achten penibel auf die gesetzlichen Vorschriften und sind in ständiger Abstimmung mit der Wasserschutzpolizei und der Hafenfeuerwehr. Auch im Hafen greift bei einem Unfall ein Meldesystem, das die Behörden informiert.

Wer kontrolliert die Sicherheitsbestimmungen?

Die Oberaufsicht liegt bei der Düsseldorfer Bezirksregierung, die Experten beschäftigt. Sachtleben-Sprecher Markens: "Neben regelmäßigen Kontrollen ist unsere Abteilung Arbeits- und Umweltschutz dafür zuständig, dass unsere Mitarbeiter und die Nachbarschaft vor Gefahren bewahrt bleiben. Wir tun alles dafür, dass es in unseren Anlagen nicht zu Störfällen kommt."

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht man die Rauchwolke in Duisburg

(RP/rl/top)