Heerdt : Spiel mit der Funktion

Kunst muss nicht laut und auffällig sein. Manchmal wirken sogar diejenigen Konzepte am meisten nach, die sich zunächst scheinbar zurückhaltend in ihre Umgebung einfügen, um erst auf den zweiten Blick ein Fragezeichen zu hinterlassen. Und genau so funktionieren die Werke von Eduard Winklhofer. Der Künstler präsentiert zurzeit einige seiner Arbeiten, Installationen und Malerei, im neuen Geschäft Rindchen's Weinkontor, das vorher ein Bioladen war. Verbunden wird die Ausstellung mit der Öffnung seines Ateliers für Besucher – das liegt nämlich praktischerweise direkt über dem Geschäft.

Eduard Winklhofer ist ein ruhiger und nachdenklicher Mensch, der sich für Philosophie, Natur und für andere Kulturen interessiert. Mit seiner Kunst ist er bereits viel herumgekommen. Er erblickte 1961 in Österreich das Licht der Welt. Zum Studium der Freien Kunst ging er nach Perugia in Italien. Seit 17 Jahren lebt er nun bereits in Düsseldorf, ein Auftrag der Kunstakademie als Assistent von Dozent Jannis Kounellis führte ihn damals in die Landeshauptstadt.

Starke Verbindung zu Italien

Die Verbindung zu Italien ist aber nach wie vor stark, oft reist er dorthin. Er spricht fließend Italienisch, hat eine Vorliebe für Philosophen und Künstler des Landes. "Die italienische Kunst ist die Lehrstube unserer Freiheit", sagt er. Außerdem hat er in dem südeuropäischen Land wohl bislang die meisten Ausstellungen realisiert. Aber auch in Österreich, Deutschland, den Niederlanden und Russland hat er bereits seine Werke präsentiert.

Bekannt ist Winklhofer etwa für seine verwachsenen Tische, die unter anderem schon Teil einer Theateraufführung waren und die er jetzt auch bei Rindchen's Weinkontor zeigt: Sie sehen aus, als seien sie ineinandergefügt worden. "Es geht mir um die Verwirrung, die darüber entsteht, dass ein alltäglicher Gegenstand keine Funktion mehr hat", sagt der Künstler. "Durch die Überlappung der Tische fallen zwar Sitzplätze weg. Aber es entstehen auch interessante neue Strukturen." Als er die Skizzen für die Tische angefertigt habe, sei er etwa an driftende Eisschollen im Meer erinnert worden. Teil der Ausstellung ist außerdem ein überdimensionales Aquarell, das eine strukturierte linsenförmige Fläche zeigt – die Vorarbeit für eine Skulptur, die Winklhofer schon im Hinterkopf hat – und eine Installation bestehend aus einem Stuhl, der von der Decke hängt und mit einem Molotow-Cocktail sowie mit einer Blockflöte bestückt ist.

Seine Arbeiten in einem Weingeschäft zu präsentieren, ist für Eduard Winklhofer eine ganz neue Erfahrung. "Aber es ist eine schöne Gelegenheit, etwas in einem anderen Umfeld zu zeigen", sagt er. Zu der Ausstellung kam es durch Zufall. "Das hat sich nachbarschaftlich einfach so entwickelt. Unser gemeinsamer Vermieter hatte uns verraten, dass oben ein Künstler wohnt", sagt Inhaberin Eva Teschner, die sich über die kreative Energie in ihrem Geschäft freut. So ganz ohne Funktion müssten die Tische dort auch gar nicht bleiben. "Sie können für Weinverkostungen genutzt werden", schlägt Winklhofer vor.

(jup)