Grafenberg: Mathildes Spielekiste

Grafenberg: Mathildes Spielekiste

Die Graf-Recke-Stiftung hat ihren Spielzeugladen an der Grafenberger Allee, in dem auch psychisch Erkrankte arbeiten, umgebaut und umbenannt. Neue Attraktion ist die kleine Bibliothek, die auch den Nachbarn offensteht.

Das SchauSpielHaus an der Grafenberger Allee 341 heißt jetzt "Mathildes Spielekiste". Der Spielwarenladen der Graf-Recke-Stiftung wurde seit Jahresbeginn nicht nur umgebaut und mit einem neuen Raumkonzept versehen, er trägt auch einen neuen Namen. Warum, kann Sebastian Kühl, Bereichsleiter Arbeits- und Ergotherapie, erklären: "Als wir den Laden 1998 eröffnet haben, fanden den Namen alle noch ganz originell, die Gefahr der Verwechslung mit einer anderen Institution in der Stadt war dann aber leider doch groß." Plötzlich hätten Lkw vor der Tür gestanden, die Berge von Requisiten für das "richtige" Schauspielhaus loswerden wollten, oder Leute hätten angerufen, um Theaterkarten zu bestellen.

Der neue Name Mathilde, mit der das Spielwarengeschäft eine individuelle Note erhalte, sei aber auch nicht aus der Luft gegriffen, erläutert Finanzvorstand Petra Skodzig: "Er nimmt Bezug auf die Gräfin Mathilde von der Recke-Volmerstein, Gattin des Gründervaters der Graf-Recke-Stiftung und selbst eine maßgebliche Person in der Entwicklungsgeschichte des heutigen Sozialunternehmens. Letztlich hat sie die Stiftung sogar gerettet."

Die Runderneuerung des für die Öffentlichkeit in drei Räume aufgeteilten, nun viel heller und luftiger wirkenden Ladens an der Grafenberger Allee sei an der Zeit gewesen, sagt Reimund Weidinger, Leiter des Geschäftsbereichs Sozialpsychiatrie und Heilpädagogik. "Er lädt nun noch viel mehr zum Staunen, Spielen und Verweilen ein." In dem Spielwarengeschäft arbeiten neben zwei hauptamtlichen Kräften auch Patienten des Sozialpsychiatrischen Verbunds im Rahmen der Eingliederungshilfe, die zudem in der Wäscherei oder Schreinerei selbst anfertigte Spielsachen anbieten.

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"Unser Spielwarenladen ist eine Besonderheit der Arbeitstherapie, sozusagen der inklusivste Bereich", beschreibt Leiterin Sabine Cayenz-Braun das Geschäft. Patienten seien hier im direkten Kontakt mit Kunden, würden Verkaufsgespräche führen und beraten. Damit übernehme der Spielwarenladen nicht nur eine wichtige Funktion als Bindeglied in den Stadtteil, "er ist zudem das zentrale Element der Teilhabe, um eine inklusive Gesellschaft zu fördern", so Skodzig.

Von den 150 "Klienten", wie die Patienten, die auf dem Gelände auch wohnen, von der Graf-Recke-Stiftung nur genannt werden, würden aktuell sieben in dem Geschäft wieder einen normalen Tagesablauf, Dinge wie Pünktlichkeit, Ausdauer oder Mut (Kunden offen anzusprechen) neu erlernen, erklärt Kühl. "Es ist vorgesehen, dass sie drei Mal die Woche aushelfen, manche kommen öfters. Bestenfalls merkt der Kunde gar nicht, dass er von einem Patienten bedient wird."

Nach dem Umbau gibt es in Mathildes Spielekiste eine ganz neue Attraktion: Ein Lesecafé, das auch als Stadtteilbücherei dient. "Es gibt dort viel Fachliteratur, die man sonst kaum findet. Es sind aber auch Romane dabei, Bildbände, CDs und natürlich Kinderliteratur", erzählt Kühl. Diese seien durchaus zum Ausleihen gedacht, man könne aber auch einfach reinschauen, sich auf den neuen Sofas niederlassen und bei einem Kaffee (für einen kleinen Obolus) in Ruhe schmökern. "Wir sind dabei, uns dem Stadtteil gegenüber zu öffnen, da hilft so ein räumlicher Treffpunkt natürlich enorm", sagt Kühl.

(arc)