Grafenberg: Grafenberger wollen "Groß-Grafenberg"

Grafenberg : Grafenberger wollen "Groß-Grafenberg"

Den Bürgerverein wurmt, dass viele Attraktionen, die gefühlt zu Grafenberg gehören, offiziell in anderen Stadtteilen liegen.

Der rheinische Frohsinn ist wenn schon nicht welt- so doch zumindest national bekannt, und man muss sicher auch nicht immer alles bierernst nehmen. In diesem Sinne ist ein Projekt zu verstehen, dass der Bürgerverein Grafenberg jetzt angeht. Obwohl: Als reinen Scherz wollen die Mitglieder ihren Vorstoß auch nicht ansehen.

Foto: Bretz Andreas

"Wir fordern Groß-Grafenberg. Was Grafenberg heißt, muss auch offiziell zum Stadtteil gehören", formuliert der Vorsitzende Reinhard Naujoks die provokante Kampfansage. Denn: "Bei vielen Attraktionen in der Stadt meint man automatisch, sie Grafenberg zuordnen zu können, in der traurigen Wirklichkeit liegen sie aber in anderen Stadtteilen", sagt Naujoks und kann zahlreiche Beispiele nennen: der Grafenberger Wald - Ludenberg; die Galopprennbahn, der Rochusclub, der Jan-Wellem-Brunnen oder die alte Pferdetränke - alles Ludenberg; der Uhrenturm an der Grafenberger Allee - an der Grenze von Flingern und Düsseltal; sogar der Sportverein TV Grafenberg hat seinen Standort nicht in dem Stadtteil, nach dem er benannt wurde, sondern in Gerresheim. "Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen", erklärt Naujoks, der beim Studium des Stadtplans miese Laune bekommt. Dort hat Grafenberg ungefähr die Größe von Knittkuhl.

Foto: Christoph Goettert

Jetzt haben die Mitglieder des Bürgervereins in einer Vorstandssitzung beschlossen, diese Ungerechtigkeit nicht länger hinzunehmen. "Ich meine, was jeder Grafenberg zuordnet, sollte auch nach dem offiziellen Stadtplan Grafenberg sein", betont Naujoks. Bei einer entsprechenden Änderung der Stadtteilgrenzen innerhalb des Stadtbezirks 7 hätten die Grafenberger auch gegenüber Gerresheim und dem dann immer noch großen Ludenberg eine passende Stadteilgröße. "Wir wären endlich auf Augenhöhe. Und kosten würde das auch nicht viel, denn es müssten nur ein paar Schilder versetzt und der Stadtplan bei nächster Gelegenheit geändert werden", sagt der Vorsitzende.

Um ihrer aktuell noch etwas utopisch klingenden Forderung Nachdruck zu verleihen, planen die Grafenberger die Besetzung ihrer Rennbahn. Entweder beim BMW-Rennen im Mai oder beim Sparkassen-Renntag im August soll ein Stück Wiese besetzt und Öffentlichkeit durch das Hochhalten von Ortsschildern hergestellt werden - ein Picknick als Performance sozusagen. Damit nicht genug: "Wir planen einen der Starts zu sponsern", so Naujoks. Titel des Rennens: Der Große Preis von Groß-Grafenberg. Weitere Mitstreiter anderer Vereine oder Sympathisanten der Aktion könnten sich der friedlichen Übernahme gerne anschließen.

Das sei natürlich alles eher symbolisch zu sehen, Günther Gudert, Geschäftsführer des Reiter- und Rennvereins, finde an der Aktion jedenfalls schon mal durchaus Gefallen, berichtet der Anstifter der Revolte. Dass Grafenberg auch in Zukunft der drittkleinste Stadtteil Düsseldorfs bleibt, kann Reinhard Naujoks auf Dauer nicht akzeptieren. "In Knittkuhl hat das mit den Änderungen der Stadtteilengrenzen ja auch geklappt - warum also nicht bei uns?", blickt der Vorsitzende des Bürgervereins ziemlich optimistisch in die Zukunft.

(arc)
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