Benrath: Fontanes Effi Briest gibt es gleich sechsmal

Benrath: Fontanes Effi Briest gibt es gleich sechsmal

Die Senioren-Theatergruppe "Netzstrümpfe" führt am Sonntag im Zentrum plus das Stück auf, das Bezug zu Benrath hat.

Die Senioren-Theatergruppe "Netzstrümpfe" traut sich was. Die Generalprobe am vergangenen Wochenende im Zentrum plus Benrath lässt ahnen, dass die Aufführung sicher ein Erlebnis wird. Effi Briest von Theodor Fontane haben sich die sechs Damen und ihre Theater-Pädagogin Carola Garbe-Bresztowsky ausgesucht. Das literarische Werk regt das Interesse und die Spielfreude der Damen, die allesamt über 70 sind - und ihrer Regisseurin an, weil sich hinter der wahren Geschichte ein Stück Heimat verbirgt. "Fontanes Effie Briest beruht auf dem Schicksal von Elisabeth von Ardenne, die zeitweilig in Schloss Benrath lebte", erklärt Garbe-Bresztowksy.

Bei der Generalprobe verwandelt sich der große Raum in der Einrichtung zur improvisieren Bühne: Sechs Stühle mit weißen Überwürfen stehen im Halbrund, in der Mitte eine einzelner. Sechs ältere Damen in Schwarz gekleidet, eine Perlenkette um den Hals, betreten den Raum und lassen sich anmutig auf den Stühlen nieder. Sechs Mal Effie Briest.

Jeder Part ist eine Reise in die Vergangenheit dieser eindrucksvollen Frauengestalt aus dem 19. Jahrhundert. "In mir war so etwas Sinnliches, aber darüber konnte ich doch mit niemandem sprechen", erzählt "Effie" rückblickend auf ihr Leben. Die Kindheit, der strenge Vater, ihre traurige Ehe mit dem viel zu alten Mann, ihre Liebschaft, die Sehnsucht nach Freiheit und ihre Neugierde auf das Leben - Texte voller Wehmut, Leidenschaft, Tragik. Die Netzstrümpfe gehen voller Spielfreude und Selbstbewusstsein an ihre Rollen heran. Pannen gehören dazu und werden souverän gemeistert. "Jetzt bin ich raus", gesteht Elfriede Wroblewski mitten in ihrem Part lächelnd. Dafür hat hier jede Verständnis. Also noch einmal zurück zum Anfang.

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Die 78-Jährige gehört schon einige Jahren zu den Netzstrümpfen. "Es macht mir großen Spaß und das Theaterspielen hat mich freier gemacht", erklärt sie. Die Proben, die Gemeinschaft, das Sprechtraining - das ganze Bündel gehöre für sie dazu. "Zuhause übe ich die Rollen vor einem großen Spiegel", verrät sie. Auf diese Weise und durch häufiges Lesen lerne sie die Texte. Dieses Mal haben die Laien-Schauspielerinnen umfangreiche Text-Passagen zu meistern. Deshalb gibt es eine "Souffleuse" in Form eines kleinen Buches, das jede in der Hand hat. Es sieht aus, als lese "Effie Briest" aus ihrem Tagebuch.

Die Aufführung ist am Sonntag um 16.30 Uhr im Zentrum plus an der Calvinstraße. Ein Herzenswunsch bleibt für die "Netzstrümpfe" bisher offen. Zu gerne würden sie dieses Werk mit Bezug auf Elisabeth von Ardenne in Schloss Benrath zum Besten geben.

(bgw)
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