„Salon des Amateurs“: Raritäten für den Plattenteller

„Salon des Amateurs“: Raritäten für den Plattenteller

Die Altbierkneipen sind nur wenige Meter entfernt. Doch wer in den "Salon des Amateurs" am Grabbeplatz kommt, weiß in der Regel, dass dort keine Radio-Hits aus den Boxen dudeln. In der Bar direkt neben der Kunsthalle ist Musik vielmehr eine eigene Kunstform.

<

p class="text">Der "Salon des Amateurs" hat eigentlich eine ausgesprochen laufkundschaftfreundliche Lage am Grabbeplatz, direkt neben dem Eingang zur Kunsthalle. Doch obwohl die Altstadtkneipen nur wenige Meter entfernt sind, verirrt sich nur selten ein feierwütiger Junggesellenabschied in den dunklen Raum mit dem etwas fleckigen Teppichboden - und wenn doch, dann ist er meist schnell wieder draußen.

<

p class="text">Den Grund für diese türsteher-freie Publikumsselektion findet man am DJ-Pult neben der Bar. Denn die Platten, die dort in drei kleinen Kisten nebeneinander stehen und von gastierenden DJs nach Bedarf ergänzt werden, wollen so gar nicht zu den Hörgewohnheiten des gemeinen Düsseldorfer Clubgängers passen. Schon ein Blick auf die teilweise verblichenen und oft absurd-bunten Plattencover macht deutlich: Hier findet man keine glattgebügelte Charts-Stangenware, sondern echte Raritäten aus allen Strömungen der jüngeren Musikgeschichte.

<

p class="text">Die drei Betreiber des "Salons", Aaron Mehzion, Stefano Brivio und Detlef Weinrich richten sich nicht nach Trends, sondern bringen ihre eigenen, ungewöhnlichen Geschmäcker in die Mischung ein, die am Ende aus den Lautsprechern schallt. So kommt es, dass der Besucher an einem Tag mit elektronisch-sphärischen Klängen eingelullt wird, am nächsten jedoch dissonanten Free-Jazz um die Ohren gehauen bekommt. "Nach zehn Jahren konstanter Beschallung mit Minimal-Techno in allen Bars und Clubs hat man irgendwann genug", sagt Weinrich, der Mittwochs und Samstags an den Plattentellern steht und zeigt einige besondere Schätze aus der Sammlung. Zum Beispiel eine Platte der Düsseldorfer Band "Härte 10" aus den 80er Jahren, deren Musik eine Mischung aus New Wave und wilder Jazz-Percussion ist. Oder eine reichlich mitgenommen aussehende Platte, auf deren Cover man gerade noch erkennen kann, dass sie vom Label "Astromusic" stammt. "Solche Musik war eigentlich nie für den Verkauf bestimmt", sagt Weinrich, "das ist in den 70ern nur dafür gemacht worden, um irgendwelche amerikanischen TV-Produktionen mit Hintergrundmusik auszustatten."

<

p class="text">Die 70er Jahre haben es ihm ohnehin angetan. Nacheinander zieht er alte Disco-Platten hervor. Denen sieht man ihr Alter zwar an, aber die Musik klingt unglaublich modern, wie eine etwas verrücktere Version heutiger R'n'B-Songs.

<

p class="text">Wer einen so obskuren Musikgeschmack hat, muss auch damit rechnen, dass das Einkaufen etwas komplizierter wird. Sind von einer Platte vor 30 Jahren nur 500 Exemplare gepresst worden, muss man dafür bei eBay heute eine gehörige Stange Geld auf den Tisch legen. Selbstverständlich auch dann, wenn man wie so oft, eigentlich nur ein Stück des Albums unbedingt haben muss.

<

p class="text">Diese Leidenschaft passt in das Konzept einer Bar, die an ein Museum angeschlossen ist und Musik nicht nur als Mittel zum Zweck ansieht, sondern vor allem als eigenständige Kunstform. Zwar ist das Tanzen auch hier nicht verboten, aber bevor man sich zu ihr bewegt, soll man sich mit der Musik bitteschön auch auseinandersetzen. So kommt es, dass das Wort "Hit" unter den teilweise von weit angereisten Gästen eine ganz andere Bedeutung hat, als in den Tanzlokalen der näheren Umgebung. Keiner kommt in den "Salon" um Songs zu hören, die er von zuhause oder gar aus dem Radio kennt.

Im Gegenteil: "Manche DJs spielen nur Sachen, die eigentlich keiner im Saal vorher schon einmal gehört haben kann", sagt Weinrich. "Bei besonders guten Liedern versteckt man dann auch mal das Cover. Sonst hat die Platte bald jeder."

(RP)
Mehr von RP ONLINE