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Mais, Kartoffeln oder Äpfel: Diebstahl vom Feld

Mais, Kartoffeln oder Äpfel : Diebstahl vom Feld

Egal, ob Mais, Kartoffeln oder Äpfel: Von den Feldern wird immer mehr Obst und Gemüse gestohlen, heißt es vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband. Die Gründe seien unter anderem steigende Lebensmittelpreise.

Region Düsseldorf Es gibt keine offizielle Statistik. Dennoch ist sich Stefan Sallen, Sprecher des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, sicher: Es wird wieder mehr geklaut auf den Feldern der Region. In Zeiten hoher Inflationsraten und steigender Lebensmittelpreise würden mehr Bürger sich einfach auf den Feldern der Landwirte bedienen. Das Unrechtbewusstsein tendiere bei den meisten Erwischten gegen Null, sagt der Sprecher.

"Seit rund zwei Jahren registrieren wir mehr Feldklau-Beschwerden von Betrieben", sagt Sallen. Die Dunkelziffer, so vermutet er, liege noch viel höher. Schließlich informiere kein Landwirt in solchen Fällen die Polizei. Beliebt sei vor allem, was sich schnell in die Tasche packen lässt. Sämtliche Kohlarten, Zwiebeln, Kartoffeln und Mais seien unter Dieben die angesagtesten Gemüsesorten, bei Obst seien vor allem Äpfel gefragt. Doch nicht jedes Felderzeugnis ist bei den Langfingern beliebt. "Es klaut schließlich niemand Weizen, um daraus Brötchen zu backen", sagt Sallen. Dass die Region Düsseldorf von dem Phänomen Feldklau besonders betroffen ist, überrascht ihn nicht. "Es wird besonders dort viel gestohlen, wo auch viele Menschen wohnen. Außerhalb von Ballungsgebieten kommt es seltener vor." Gerade Felder, die an wenig befahrenen Straßen liegen, würden häufiger aufgesucht. Lösungen, wie das Klauen verhindert werden kann, sieht Sallen nicht. Es sei finanziell unmöglich, alle Felder mit hohen Zäunen gegen Diebe zu schützen.

Auch Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer NRW, beobachtet das Phänomen seit längerem. Welches Ausmaß der Felddiebstahl annehmen kann, erklärt er anhand eines Beispiels. "Für die Firma Henkel wurden im Rheinland 350 Hektar besonders ölhaltige Sonnenblumen angebaut. Dabei gab es mehr Schäden durch Diebstahl als durch Vögel", sagt Rüb. Die Meinung seines Kollegen Stefan Sallen, dass der Feldklau in den vergangenen zwei Jahren besonders stark gestiegen sei, kann er indes nicht bestätigen.

Auffällig sei jedoch, dass nicht nur bedürftige Menschen Gemüse und Obst von den Feldern stehlen. "Einige fahren mit dem Auto bis zum Feld und sammeln das Gemüse in Tüten ein", schildert Rüb. "Mit Mundraub hat das nichts mehr zu tun." Ein Problem sei der Feldklau für die Landwirte nicht nur durch den entstehenden Ernteverlust, auch mit Vandalismus hätten die Bauern zu kämpfen. Oftmals würden andere Pflanzen niedergetrampelt oder beim ungeübten Ausgraben von Spargel beschädigt.

Zertretene Pflanzen findet auch Landwirt Robert Bossmann aus Monheim immer mal wieder auf seinen Feldern. Meist sind es Kinder oder Jugendliche, die sich bei seinen Erdbeer- oder Maispflanzen bedienen. Ein bis zwei Mal im Jahr erwischt er auch erwachsene Diebe auf frischer Tat. "Die gehen ganz gezielt Klauen", sagt Bossmann. "Wenn ich sie dann anspreche, zeigt sich die Hälfte einsichtig." Häufig würden sie sich mit fadenscheinigen Ausreden herausreden wollen. "Manchmal heißt es bei den Erdbeerdieben: Ich dachte, das Feld sei schon aufgeben worden — und das, obwohl nur zwanzig Meter entfernt die Verkaufsstelle steht."

(RP)