Mordserie in Anwaltskanzleien: Verdächtiger offenbar in Finanznot

Mordserie in Anwaltskanzleien : Verdächtiger offenbar in Finanznot

Der mutmaßliche Anwaltsmörder von Düsseldorf war durch verlorene Gerichtsverfahren in massive finanzielle Schwierigkeiten geraten. Er habe die Summen für Geldstrafe, Schmerzensgeld, Gerichts- und Anwaltskosten nicht mehr aufbringen können und sei deswegen verzweifelt gewesen, sagte Staatsanwalt Christoph Kumpa am Dienstag in Düsseldorf.

Seine Anwälte hätten dem 48-Jährigen davon abgeraten, noch mehr Geld in aussichtslose Berufungsverfahren zu stecken. Das habe er aber nicht akzeptieren wollen. Der 48 Jahre alte Familienvater Yanquing T. soll vor vier Tagen Anwaltskanzleien in Düsseldorf und Erkrath sowie die Pizzeria in Goch überfallen und drei Menschen durch Messerstiche und Schüsse getötet haben. Sein Motiv soll Rache gewesen sein.

Wohl nur dem beherzten Eingreifen der beiden Zwillinge in einer Gocher Pizzeria ist es zu verdanken, dass ihre Mutter nicht das vierte Todesopfer wurde. Denn der Täter hatte es auf seine ehemalige Chefin abgesehen. Er hatte sie 2011 geohrfeigt und war deswegen zu einer Geldstrafe und Schmerzensgeld verurteilt worden. Weil er sich von seiner Anwältin schlecht beraten fühlte, tötete er diese am Freitag in Düsseldorf.

Rechtsanwalt Martin Lauppe-Assmann, dessen Kanzleikollegin der 48-Jährige bei der Bluttat erstochen haben soll, verteidigte diese posthum gegen den Vorwurf schlechter Arbeit. Sie habe exzellente Arbeit geleistet. So sei der 48-Jährige mit einer Geldstrafe für eine Körperverletzung davongekommen, obwohl er während der Tat an seiner Ex-Chefin wegen eines weiteren Gewaltausbruchs unter Bewährung gestanden habe, sagte er der "Bild"-Zeitung. Laut Urteil hatte er seiner ehemaligen Chefin mit einer Ohrfeige das Trommelfell zerstört. Die Frau sei drei Monate krankgeschrieben gewesen.

Die Verteidigung des 48-Jährigen will erst frühestens in zwei Wochen Akteneinsicht nehmen und mit ihrem Mandanten besprechen, wie es in dem Fall weitergehen soll, so die Ermittler. Yanqing T. (48)
sitzt wegen dreifachen Mordes und mehrfachen Mordversuchs in Untersuchungshaft. Er hatte die Taten gestanden, zu seinem Motiv aber geschwiegen.

Vier Tage nach dem Rachefeldzug des 48-Jährigen arbeiten Psychologen an einem Täterprofil. Ein Experte meint, dass der Schütze nach einem Plan vorgegangen ist. Der Zustand eines der Opfer hat sich stabilisiert.

Hier geht es zur Infostrecke: Das Protokoll des dreistündigen Rachefeldzugs

(dpa/RP)