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Düsseldorf: Polizei macht mobil gegen Gepäckdiebe

Düsseldorf : Polizei macht mobil gegen Gepäckdiebe

Zivilfahnder sind rund um die Uhr am Flughafen im Einsatz, Uniformierte zeigen Präsenz - mit Erfolg.

Wenn sich im Sommer die Sicherheitsbehörden aller deutschen Flughäfen bei der Polizei in Düsseldorf treffen, dürften nicht alle auf den Gastgeber gut zu sprechen sein. Jahrelang galt der Düsseldorfer Airport als einer der unsichersten, war die Zahl vor allem der Taschen- und Gepäckdiebstähle mit am höchsten.

"Wir kamen da nie gut weg - das hat sich jetzt geändert", sagt Jürgen Thrien, Leiter des Kriminalkommissariats 34. Der "Aufstieg in die erste Liga", wie Thrien den Erfolg eines neuen Konzepts zur Kriminalitätsbekämpfung nennt, bedeutet aber auch, dass die Diebstahlszahlen an andern Airports im gleichen Maße stiegen, wie sie in Düsseldorf zurückgingen.

Sieben Gepäckstücke sind im vergangenen Jahr täglich am Flughafen gestohlen worden. Das klingt wenig, bedeutet aber einen Gesamtschaden von rund 4,4 Millionen Euro. Denn die Täter interessieren sich nicht für den Rucksack eines abgebrannten Backpackers oder die Schmutzwäsche-Koffer einer aus dem Urlaub heimkommenden Familie. Sie halten sich da auf, wo Geschäftsreisende den Laptop-Koffer unbeaufsichtigt lassen, während sie schnell noch einen Kaffee trinken. Und da, wo die Business-Class-Flüge starten. Dabei sind sie selbst stets gut gekleidet, haben meist auch einen Koffer dabei und sind von echten Fluggästen nicht zu unterscheiden. Außer für die Polizei. Und die schlägt nun zurück. "Wir treten endlich mit Profis gegen Profis an", sagt Michael Hanné, Leiter des Bereich Operations am Flughafen.

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Wie genau sie arbeiten, darüber schweigen die Polizei-Profis. Jörg Iserath hat das, was nun das neue Flughafenkonzept ist, schon in der Innenstadt erfolgreich praktiziert. Er leitet das sogenannte Projekt Anstiegsdelikte, dass sich mit eher unorthodoxen Mitteln um Wohnungseinbrüche, Taschendiebstähle und Autoaufbrüche kümmerte, als dort die Zahlen explodierten. In allen drei Bereichen hat man inzwischen Erfolge erzielt - und das Projekt nun um den Standort Flughafen erweitert. Zivile Polizisten sind dort nicht zu beamtenüblichen Dienstzeiten im Einsatz, sondern dann, wenn Maschinen erwartet werden, deren Passagiere für die Diebe interessant sein könnten.

Dass es davon in Düsseldorf viele gibt, war Teil des Problems, sagt Polizeipräsident Norbert Wesseler. "Der Flughafen Düsseldorf ist wegen seiner Verbindungen und seiner Kundenstruktur für Gepäckdiebe besonders interessant." Die Beamten von Iseraths Flughafentruppe haben gelernt, wie diese Diebe zu denken. Täterorientiertes Arbeiten nennt sich das. Und es funktioniert. 32 Täter haben sie schon festgenommen, 17 von denen sind in Untersuchungshaft. Das klappt, weil die Landespolizei nicht nur von der Bundespolizei, dem Flughafensicherheitsdienst und auch den Gewerbetreibenden im Airport unterstützt wird, sondern auch, weil die Staatsanwaltschaft einen eigenen Dezernenten für den Bereich abgestellt hat. "Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos", sagen alle Beteiligten. Im Januar ist das Projekt gestartet.

Im März saßen schon 16 Täter in Haft. Seitdem sinkt die Zahl der Festnahmen. Weil kaum noch Diebe da sind. Die schicken Späher, die nach Polizisten Ausschau halten. Und dann fahren sie derzeit doch lieber nach Frankfurt am Main.

(RP)