Witten: Ministerin gegen Schulrankings

Witten: Ministerin gegen Schulrankings

Nach ihrem Amtsantritt hatte sich Yvonne Gebauer noch offen dafür gezeigt.

In Nordrhein-Westfalen wird es vorerst doch keine öffentlichen Ranglisten von Schulen geben. Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte bei einer Veranstaltung der Landeselternschaft der Gymnasien, die Landesregierung werde zwar in Bezug auf die gymnasiale Bildung "klare Standards setzen und mit Ergebnissen transparent umgehen". Sie fügte jedoch hinzu: "Es wird in diesem Zusammenhang keine Rankings geben."

Kurz nach ihrem Amtsantritt im Sommer hatte Gebauer sich noch offen für solche Ranglisten gezeigt, etwa beim Unterrichtsausfall oder bei den Abiturnoten. "Wir waren immer für Transparenz, zum Beispiel was die Ausfallquoten angeht, und dazu stehe ich", hatte sie im Juli im Interview gesagt. Unserer Redaktion sagte Gebauer nun zur Begründung: "Generelle Rankings von Schulen ergeben nur dann Sinn, wenn personelle und sächliche Ausstattung vergleichbar sind." Davon "und somit auch von Chancen- und Bildungsgerechtigkeit" sei NRW immer noch ein gutes Stück entfernt.

Gebauer formulierte vor der Landeselternschaft zugleich hohe Erwartungen an die Schulen. Sie sagte, die zusätzliche Freiheit, die die schwarz-gelbe Landesregierung den Gymnasien gewähren wolle, etwa durch weniger Bürokratie, müsse "zum Teil mit der Steigerung der Qualität schulischer Arbeit einhergehen". Die Gymnasien hätten eine Verantwortung "bei der Vergrößerung der Leistungsspitze".

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Die Forderung der Landeselternschaft, eine "Überholspur" an allen neunjährigen Gymnasien im Land einzurichten, lehnte Gebauer nicht von vornherein ab: "In den Ausbildungs- und Prüfungsordnungen werden wir auch die Frage des gruppenbezogenen Überspringens beantworten." Zum Schuljahr 2019/20 sollen die nordrhein-westfälischen Gymnasien grundsätzlich zum neunjährigen Bildungsgang (G9) zurückkehren; die Schulkonferenz kann mit einer Zweidrittelmehrheit einen Verbleib bei G8 beschließen. Der Gesetzentwurf für die Rückkehr liegt vor. Wenn das Gesetz beschlossen ist, können die Prüfungsordnungen geändert werden.

Die Landeselternschaft und ihr Vorsitzender Ulrich Czygan wollen nach der Umstellung an allen G9-Standorten Springerklassen oder andere organisierte Angebote, damit begabte Schüler ein Jahr auslassen können. Bisher ist das nur individuell möglich; die Versetzungskonferenz muss dem jeweils zustimmen. Scharfe Kritik übte Czygan an den Elterninitiativen, die sich mit einem Volksbegehren für eine komplette Rückkehr zu G9 einsetzen. "Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem wir sprachlich abrüsten müssen", sagte er. Die Initiative "G9 jetzt" hatte unter anderem Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) vorgeworfen, er halte "mehrere Hunderttausend Schüler unnötig in einer ,G8-Geiselhaft'"

(fvo)