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Ferien: Ausflugstipps: Das Glück sprießt im Garten

Ferien: Ausflugstipps : Das Glück sprießt im Garten

Manfred Lucenz und Klaus Bender haben vor mehr als 30 Jahren ein Grundstück geerbt. Inzwischen haben sie einen großen, bunten Garten geschaffen, den sie beim "Tag der Offenen Gartenpforte" Besuchern zeigen.

Gärtnern ist eine intellektuelle Aufgabe, sagt Manfred Lucenz. Man müsse überlegt handeln, sich stets informieren, damit das Blumenreich gedeihe. Gemeinsam mit Klaus Bender pflegt Lucenz einen 4000 Quadratmeter großen Garten in Bedburg-Hau bei Kleve. Dort blühen gerade Rosen, Rittersporn und Seidenmohn. Besuchergruppen kommen regelmäßig vorbei, um die Arbeit der beiden zu bestaunen.

Dabei haben sie den Beruf des Gärtners nie erlernt: Lucenz ist pensionierter Lehrer, Bender evangelischer Pfarrer. "Wir haben das Grundstück 1983 geerbt. Damals waren unsere gärtnerischen Kenntnisse noch gering", sagt Lucenz. In mehr als 30 Jahren haben sie sich ein Lebenswerk geschaffen, zu zweit und neben dem Beruf: "Das schafft man mit dem Wissen, das wir uns im Laufe der Jahre angeeignet haben, und der richtigen Zeitökonomie."

Ihre Kenntnisse geben die beiden Hobby-Gärtner weiter. Sie führen Gruppen über ihr Grundstück wie an diesem Wochenende bei der Offenen Gartenpforte, schreiben Artikel für Fachmagazine und veröffentlichen Bücher. Das Neueste heißt "Ein Garten ist niemals fertig" (Callwey Verlag, 29,95 Euro) und beschäftigt sich mit dem fortlaufenden Prozess der Gartenarbeit. "Gärtnern bedeutet nicht nur zu pflanzen, zu hegen und zu pflegen, sondern auch die Pflanzen zu beobachten und über den Garten nachzudenken", schreiben die beiden Autoren in der Einleitung.

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Die meisten Menschen, die einen Garten anlegen, setzen sich zu wenig mit dem Thema auseinander. "Sie gehen ins Gartencenter und tätigen Lustkäufe, ohne sich damit zu beschäftigen, ob die Pflanze in ihrem Garten überhaupt gedeihen kann" sagt Lucenz. Pflanzen hätten jedoch spezifische Ansprüche, denen man gerecht werden müsse. Das fange schon mit den Bodenverhältnissen an: "Der pH-Wert und auch die Art des Bodens entscheiden darüber, was überhaupt möglich ist." Einen Test könne man in vielen Gartenmärkten durchführen lassen, sagt Lucenz.

Nur wenige Pflanzen kämen mit allen Bodenarten zurecht, darunter beispielsweise die Taglilien. Anders als etwa die Rose ist sie sicherlich eine der beliebtesten Blumengewächse. "Da muss man genau darauf achten, in welchen Boden man sie setzt - sonst gibt es eine große Enttäuschung", sagt Lucenz. Viele Pflanzen, die in den Gartencentern angeboten werden, seien nicht in Erde, sondern in Substraten mit viel Dünger auf Hochform gebracht worden. "Die haben im Boden später gar nicht die Chance, vernünftig einzuwachsen", so der Experte.

Wichtig sei außerdem, sich Gedanken darüber zu machen, welche Pflanzen man nebeneinander setzt: "Die Lampignonblume zum Beispiel ist sehr dekorativ, aber sie wuchert und macht sich im Garten richtig breit. Dabei erdrückt sie fast alles. Das muss man wissen." Beim Düngen könne man vieles falsch machen, so Lucenz: "Auch hier muss man sich im Klaren sein, welchen Boden es im Garten gibt. Ein Sandboden muss natürlich mehr gedüngt werden als Böden mit Pflanzen, die in der Jülicher Börde oder Kölner Bucht wachsen, wo der Untergrund sehr fruchtbar ist." Zudem sollte man Dünger nur gezielt und nicht im Übermaß einsetzen.

Pauschale Rezepte und Tipps für einen perfekten Garten gebe es nicht, betont Lucenz. Jeder Garten sei ein Experiment, man müsse "ausprobieren, was funktioniert und was nicht". Zudem müsse man rechtzeitig planen und sich möglichst jetzt kundig über die Bepflanzung im Herbst machen: "Wir Gärtner leben in zwei Zeiten: in der Gegenwart und der Zukunft." Wer rechtzeitig anfange, sich zu informieren, müsse später auch nicht die Befürchtung haben, eine Enttäuschung zu erleben. Ein nachhaltiger Garten brauche Zeit, könne nicht sofort schön aussehen. "Ein Garten entsteht nur im dauernden Dialog mit den einzelnen Elementen der Natur. Dort hat die Natur das Sagen - als kluger Gärtner weiß man das."

(RP)