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Die Natur als ästhetischter Architekt: Die Perfektion des Augenblicks

Die Natur als ästhetischter Architekt : Die Perfektion des Augenblicks

Das europäische Bild der Vereinigten Staaten von Amerika ist geprägt von Großstädten. Wolkenkratzer, Häuserschluchten, verstopfte Straßen – die USA scheinen überfüllt, fast jeder Winkel müsste eigentlich schon einmal in irgend einem Hollywood-Blockbuster zu sehen gewesen sein. Doch die Fotografien, die das Ehepaar Isabel und Steffen Synnatschke immer wieder von ihren US-Touren mitbringt, belegen: Es gibt noch viel zu entdecken im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Das europäische Bild der Vereinigten Staaten von Amerika ist geprägt von Großstädten. Wolkenkratzer, Häuserschluchten, verstopfte Straßen — die USA scheinen überfüllt, fast jeder Winkel müsste eigentlich schon einmal in irgend einem Hollywood-Blockbuster zu sehen gewesen sein. Doch die Fotografien, die das Ehepaar Isabel und Steffen Synnatschke immer wieder von ihren US-Touren mitbringt, belegen: Es gibt noch viel zu entdecken im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Vor allem der pazifische Nordwesten sei "noch nicht tot fotografiert", sagt Isabel Synnatschke. Mit zwei Motiven von diesem Teil der USA hat sie in diesem Jahr einen großen Erfolg gefeiert: Beim größten internationalen Fotowettbewerb Deutschlands, "Glanzlichter", wurde sie in zwei Kategorien ausgezeichnet: Die bunten Steinvariationen im verwitterten Taifonigestein, den "Juwelen des Meeres" in Kalifornien, wurden in der Rubrik "Nature as Art" (zu deutsch: "Natur als Kunst") prämiert, ebenso die Küstenlandschaft mit dem Titel "Das goldene Auge" in der Kategorie "Coastlines". Die Auszeichnungen sind ein Ritterschlag, denn immerhin nahmen an dem Wettbewerb in diesem Jahr 1046 Fotografen aus 33 Ländern von fünf Kontinenten mit insgesamt 15.053 Fotos teil — Synnatschke schaffte es gleich zweimal unter die besten Zehn.

"Anfällig für ein Jet-Lag"

Für den Erfolg sind aber zahlreiche Reisen notwendig, vor rund zwei Wochen kam das Ehepaar zuletzt aus den USA zurück. "Ich bin immer ziemlich anfällig für ein Jet-Lag", sagt Isabel Synnatschke, die inzwischen auch Co-Autorin von angesehenen Reiseführern ist, und ergänzt mit Blick auf ihren Mann: "Steffen steckt das besser weg." Insgesamt überwiegen aber die Gemeinsamkeiten: "Steffen und ich haben von Anfang an zwei Leidenschaften geteilt: das Fotografieren und die Liebe zu den USA", sagt die gebürtige Wienerin, die mit ihrem Mann in Dresden wohnt, und ergänzt lachend: "In die sächsische Schweiz kommen wir nicht so oft wie nach Amerika, obwohl die nur eine knappe Stunde entfernt ist."

Die langen Reisen lohnen sich aber, die Bilder, die das Ehepaar aus den USA mitbringt, sind atemberaubend, scheinen teilweise zu schön um real zu sein, doch Isabel Synnatschke versichert: "Das ist alles echt." Dabei sind die Farben und Formen, die sie fotografiert, so unglaublich, dass wohl selbst die besten Maler sie nicht auf eine Leinwand gebannt bekämen — die Natur protzt förmlich mit ihrer Perfektion und führt die Versuche des Menschen, sie zu kopieren, ad absurdum.

Das einzige, was dem unvollkommenen Menschen angesichts dieser Perfektion bleibt, ist die exakte Fotografie, das Festhalten eines Augenblicks der absoluten Schönheit — und da ist Synnatschke eine Meisterin. Das prämierte Bild "Das goldene Auge" ist ein Beispiel für perfektes Timing. "Das Bild ist im Frühling 2010 gleich am allerersten Abend entstanden", berichtet Synnatschke. "Nach dem zehnstündigen Flug von Frankfurt nach Seattle, der fünfstündigen Autofahrt und einer 20-minütigen Wanderung. Doch als wir das herrliche Wetter sahen, verflog die Müdigkeit ganz schnell." Und da sie auf den Auslöser drückte, blinzelnd nun die Sonne als Himmelsauge durch einen Spalt in den Küstenfelsen über das spiegelglatte Wasser Richtung Sandstrand — ein Sonnenuntergang, den man vielleicht nur einmal im Leben zu Gesicht bekommt, ist nun für die vorläufige Ewigkeit gebannt.

Das Gefühl für den Moment

Mindestens ebenso wichtig wie das Gefühl für den Moment ist auch der Blick für das Motiv. Denn nicht nur großzügige Küstenlandschaften oder Felsformationen können ein atemberaubendes Bild liefern, sondern auch kleine Details. So ist etwa aus Seeanemonen und Seesternen, die nur bei Ebbe sichtbar werden, ein Bild in gelb, orange, grün und lila entstanden, das nicht nur farbenfroh ist, sondern auch Raum für Interpretationen wie bei abstrakten Gemälden lässt. Manche Seesterne scheinen Menschen zu sein, die sich freudig recken, förmlich springen, andere scheinen mit seitlich ausgestreckten Armen zu tanzen.

Wasser ist das zentrale Motiv am pazifischen Nordwesten, nicht nur die Küsten und Meeresbewohner, sondern auch Bachläufe und Wasserfälle bilden immer wieder unglaubliche Formationen. Gegen das lebendige Wirken der Natur in Nordkalifornien, Oregon und Washington scheinen die künstlichen Werke des Menschen, wie der sicherlich eindrucksvoll konstruierte Cape-Blanco-Leuchtturm, blass, kalt und unfertig. Die Natur zeigt hier immer wieder, dass sie der ästhetischste Architekt der Welt ist — doch Isabel und Steffen Synnatschke sorgen mit ihren Fotografien dafür, dass möglichst viele Menschen das erfahren können. www.synnatschke.com

Hier geht es zur Bilderstrecke: Faszinierende Fotos: der Nordwesten der USA

(rm/chk/rm)