Belfast: Belfast – auf den Spuren der Titanic

Belfast: Belfast – auf den Spuren der Titanic

Vor 100 Jahren lief in Belfast das berühmteste Schiff der Welt vom Stapel. Die nordirische Stadt setzt auf die Titanic als Touristikmagneten – beim Gang durch die alten Docks oder bei Bustouren. Zum Jahrestag des Untergangs wird 2012 ein eigenes Zentrum eröffnet.

Bürgerkrieg war gestern. Eigentlich blickt Belfast, die raue Metropole in Nordirland, nach vorn. Doch ein Jahrhundert, nachdem die Titanic in Belfast vom Stapel lief, schaut die Stadt noch einmal zurück und lässt die Geschichte des Luxusliners Revue passieren. Auftakt zum Gedenkjahr ist eine Feier am 31. Mai: Denn vor genau hundert Jahren ist der Ozeanriese, der auf der Belfaster Werft Harland & Wolff gebaut wurde, zu Wasser gelassen worden. Im April 1912 stach der Dampfer von Südengland aus erstmals in See. Am 15. April 1912 geschieht das Unfassbare: Das damals größte Schiff der Welt versinkt in den eisigen Fluten des Atlantiks und mit ihm rund 1500 Menschen.

Zum Gedenken an eines der größten Schiffsunglücke der Geschichte entsteht derzeit in der einst größten Werft der Welt ein Hightech-Park, der aber auch Raum fürs Wohnen und Freizeit gibt. Das fünfstöckige Zentrum, das "Titanic Quarter" mit einem Titanic-Museum, soll laut Stadt einen ähnlichen internationalen Status wie der Pariser Eiffelturm oder die Oper in Sydney bekommen. Zum Jahrestag des Titanic-Untergangs am 15. April 2012 soll das Zentrum seine Türen öffnen und zum Schauplatz für die Zukunftsträume des neuen Belfasts werden.

Eine Hauptattraktion des 112 Millionen Euro teuren Gebäudekomplexes wird ein vierdimensionales Theater sein, das die Zuschauer mit auf eine virtuelle Reise auf den Grund des Atlantiks nimmt.

Doch bereits ein Jahr vor dem großen Gedenktag lässt Belfast seine Legende mit imposanten Ausstellungen aufleben. So ist die "Unsinkbare" etwa mit besonderen Schauen in der Belfast City Hall gegenwärtig. In deren Garten ist eine Fotoschau von der Baugeschichte der Titanic zu sehen. Die Fotos stammen vom damaligen Hausfotografen der Werft, R.J. Welsh. Eine Mauer mit Illustrationen der Belfaster erinnert an die Werftarbeiter. Zudem startet an jedem Samstag und Sonntag eine zweistündige Bustour vom Donegall Place. Auf der Fahrt wird die Verbindung zwischen dem Luxusdampfer und Belfasts maritimer Vergangenheit nachgezeichnet.

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Jahrzehntelang war Nordirland wegen des Konflikts zwischen Katholiken und Protestanten touristisches Brachland. Heute werden Besucher in kaum einer anderen Stadt so freundlich empfangen wie in Belfast. Rund 400 000 Besucher soll das neue Titanic-Zentrum pro Jahr nach Belfast locken, die rund 30 Millionen in der nordirischen Metropole ausgeben sollen.

Aber auch sonst gibt es in Belfast einiges zu entdecken. Seit die Irisch-Republikanische Armee (IRA) im Juli 2005 endgültig die Waffen niedergelegt hat, erlebt die Stadt einen gewaltigen Aufschwung. Und das gehört bei einem Belfast-Besuch auf jede Liste: Im Crown Saloon, dem berühmtesten Wirtshaus Belfasts in der Great Victoria Street, Austern schlürfen und ein kühles Guiness trinken. Bei Sonnenschein bietet sich ein Ausflug zum Castle an, um von dort auf Wanderwegen den Cave Hill zu besteigen und den Blick über die Belfaster Bucht zu genießen. Magisch sieht es aus, wenn die Abendsonne den Sandstein der 150 Jahre alten Queens-University erstrahlen lässt, an der schon Größen wie die irische Präsidentin Mary McAleese, der Literaturnobelpreisträger Seamus Heaney und der Schauspieler Stephen Rea studiert haben.

Doch auch die Spuren des Konflikts sind noch immer sichtbar. Nur wenige Schritte vom Zentrum entfernt grenzen katholische und protestantische Viertel aneinander, getrennt durch eine hohe Mauer. Die "Friedenslinie", die mehrere Kilometer lang ist, gehört zu den Besucherattraktionen.

Künstler aus aller Welt haben Gemälde auf der Mauer und auf zahlreichen Giebelwänden hinterlassen. Das sei Belfasts Antwort auf Mona Lisa, meint der ehemalige militante Kämpfer Lawrence Robinson.

(RP)
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