Erste Studie zur Männergesundheit Das starke Geschlecht leidet oft unerkannt

Berlin (RPO). Wenn Männer einen Schnupfen haben, leiden sie, als wären sie sterbenskrank. Dieses Vorurteil ist landläufig bekannt. Eine nun vorgestellte Studie allerdings besagt: Oft werden Krankheiten von Männern gar nicht behandelt, weil sie nicht erkannt werden.

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Foto: AOK Mediaservice

Dies gelte insbesondere dann, wenn es sich um um psychische Erkrankungen handelt, konstatiert der Gesundheitsreport, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. "Männer, nehmt Eure Krisen ernst - die körperlichen, wie die seelischen", forderte daher Matthias Stiehler, einer der Autoren.

Ein Novum ist der Report allemal, denn erstmals wird sich darin eben aussschließlich mit der Gesundheit von Männern beschäftigt. Einen entsprechenden Bericht für Frauen gab es bereits im Jahr 2001. Die Studie zur gesundheitlichen Lage des männlichen Geschlechts wurde gemeinsam von der Stiftung Männergesundheit und der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit mit Unterstützung der Deutschen Krankenversicherung (DKV) erstellt.

2009 starben fünfmal so viele Männer zwischen 40 und 50 Jahren an Herzinfarkt wie Frauen, wie Stiehler ausführte. Auch begehen demnach dreimal so viele Männer in dieser Altersgruppe Selbstmord wie Frauen. Alkoholismus und Depressionen bei Männern würden häufig als Erkrankungen nicht erkannt, berichtete die Autorin Anne Maria Möller-Leimkühler. Sie sprach von einer "eklatanten Unterversorgung alkoholkranker Männer".

Ministerin will spezielle Förderung

Bei einer besonders sensiblen Männerkrankheit sieht die Wissenschaft ebenfalls einen Negativtrend: "Erektionsstörungen haben seit den 70er Jahren zugenommen", sagte der Männer-Gesundheitsforscher Frank Sommer. Studien zeigten, dass 20 Prozent der Männer zwischen 30 und 80 Jahren Erektionsprobleme hätten. Der Bericht geht von insgesamt vier bis sechs Millionen Männern in Deutschland mit dieser Krankheit aus.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) kritisierte, dass die Gesundheit von Männern bisher zu wenig beachtet worden sei. "Männergesundheit muss ein großes Thema werden", sagte Schröder. Sie wies darauf hin, dass die Lebenserwartung von Männern weiterhin mehr als fünf Jahre unter der von Frauen liege.

Andere Faktoren seien sozialer und kultureller Art, dazu zähle unter anderem die Arbeitswelt. Männer machten häufiger Schichtarbeit, hätten gefährlichere Berufe als Frauen und arbeiteten bis hin zur "Selbstausbeutung".

Die Ministerin kündigte an, Rahmenbedingungen schaffen zu wollen, "damit Männer gesünder leben können". Sie nannte die Förderung von 30- oder 35-Stunden-Wochen in den Arbeitsverträgen und die Bekämpfung der "Präsenzkultur" - dabei wird vom Arbeitnehmer erwartet, dass er über die festgelegte Arbeitszeit hinaus am Arbeitsplatz verweilt.

Mehr Herzmittel als für Frauen

Die Initiatoren der Studie fordern, dass Präventionsangebote und die medizinische Versorgung besser an die unterschiedlichen Bedürfnisse von Männern und Frauen angepasst werden müssten.

Auf Negativtrends bei der Männergesundheit verweist auch die Techniker Krankenkasse. So erhalten Männer deutlich mehr Herzmittel als Frauen, wie eine Auswertung von Rezepten für 3,4 Millionen Versicherte ergab. Fast die Hälfte der 2009 für Männer verschriebenen Arzneimittel waren Herz-Kreislauf-Mittel. Bei Frauen lag der Anteil nur bei 22 Prozent.

Ursache ist laut der Krankenkasse nicht nur der demografische Wandel, sondern vor allem ein ungesunder Lebensstil. Laut einer Forsa-Umfrage für die Kasse isst mehr als die Hälfte der Männer, was ihnen schmeckt - und zwar unabhängig davon, ob es gesund ist oder nicht. Jeder vierte Mann gab an, Fleisch, Wurst und Eier täglich auf dem Speisezettel zu haben. Bei

(AFP/das)