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Ein neues Album von Amy Winehouse: Traurige Lieder

Ein neues Album von Amy Winehouse : Traurige Lieder

Man weiß bei dieser Künstlerin gar nicht, ob in ihren Liedern tatsächlich so viel Feierlichkeit liegt, oder ob man die Wehmut automatisch mithört. "Lioness: Hidden Treasures" heißt die Platte, die am heutigen Freitag – vier Monate nach dem Tod von Amy Winehouse – erscheint.

Man weiß bei dieser Künstlerin gar nicht, ob in ihren Liedern tatsächlich so viel Feierlichkeit liegt, oder ob man die Wehmut automatisch mithört. "Lioness: Hidden Treasures" heißt die Platte, die am heutigen Freitag — vier Monate nach dem Tod von Amy Winehouse — erscheint.

Ein strukturiertes Ganzes ergeben die Songs nicht, das ist eher Liedsammlung als Album, aber von Leichenfledderei kann keine Rede sein. Dieses Produkt hat keine Form, trotzdem erzählt es etwas: eine traurige Geschichte.

Es gibt wunderbare und berührende Songs in diesem Konvolut, "Between The Cheats" etwa, das Winehouse 2008 aufgenommen und für ihr drittes, nie veröffentlichtes Album vorgesehen hat.

Da ist ein Duett mit dem Rapper Nas, das trotz der gewollt anmutenden Paarung gelingt, und darin singt die Frau, die nur 27 Jahre alt geworden ist, so etwas: "Like smoke I hang round".

Die Zeile drückt sehr schön aus, wie sich das hier anfühlt: Man mag in der Dreiviertelstunde, die das Durchhören dauert, nicht glauben, dass diese Stimme verschwunden ist aus der Welt. Verweht.

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Es atmet, es riecht.

Mark Ronson und Salaam Remi betreuten das Projekt, sie waren die Lieblingsproduzenten von Amy Winehouse. Das früheste der zwölf Stücke stammt aus dem Jahr 2003, als Winehouse ihr Debüt "Frank" aufnahm: "The Girl From Ipanema" ist eine etwas blecherne Coverversion, frech, aber nicht gut, und selbst dieses Lied hat noch etwas — es atmet, es riecht.

Das neueste Stück datiert vom März 2011. "Body And Soul" ist ein eindrucksvolles Duett mit Tony Bennett, da treffen sich zwei gleichwertige Stimmen, und auf der von Winehouse nimmt man Kratzer wahr und Scharten.

Virtuos statt exzessiv

Die Eltern von Winehouse sollen sich die Songs vor Veröffentlichung angehört haben, sie griffen ein in die Auswahl des Materials; nichts durfte auf den Markt kommen, das der Würde der Künstlerin abträglich sein könnte.

Sicher arbeiten sie damit am Bild, das man sich von Amy Winehouse gefälligst machen soll — virtuos statt exzessiv —, aber der Hörer spürt, wie er diese Sichtweise längst angenommen hat. Winehouse spricht in "A Song For You" die Worte "Remember when we were together".

Das Lied sang einst Donny Hathaway. Der hat sich 1979 umgebracht. Es ist so traurig.

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(RP/csr/rm/jre/csi)