Cornelius Gurlitt übergibt in Kürze Matisse-Bild

Kunstsammlung: Gurlitt übergibt in Kürze Matisse-Bild

Der Münchener Kunsterbe Cornelius Gurlitt will nach eigenen Angaben alle aus jüdischem Besitz geraubte Kunstwerke an die jeweiligen Besitzer oder deren Nachfahren herausgeben. Gurlitts Sprecher Stephan Holzinger erklärte, die Übergabe des ersten Exponats stehe unmittelbar bevor.

Der Salzburger Teil der Gurlitt-Sammlung ist den Angaben zufolge weit größer als bisher angenommen.

Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung", des Norddeutschen Rundfunks und des Westdeutschen Rundfunks soll in Kürze die Übergabe von Matisses Porträt "Sitzende Frau" an Nachfahren des Pariser Kunstsammlers Paul Rosenberg vereinbart werden.

Das von den Nazis gestohlene Werk gehörte zeitweise zur Kunstsammlung des führenden Nazi-Politikers Hermann Göring und gelangte auf Umwegen in den Besitz der Familie Gurlitt, hieß es unter Berufung auf den gerichtlich bestellten Betreuer des schwer erkrankten Gurlitt, Rechtsanwalt Christoph Edel.

Dieser wurde in der Erklärung Gurlitts mit der Äußerung zitiert, derzeit werde ein "Restitutionsrahmen" in Anlehnung an die sogenannten Washingtoner Prinzipien erarbeitet. Dieser Rahmen solle als Basis für Anspruchsteller dienen - sei es in Fällen von Raubkunst, sei es in Fällen, "die weniger oder eben gar nicht eindeutig sind".

Der Salzburger Teil der Gurlitt-Sammlung ist deutlich umfangreicher als bisher bekannt. Zusätzlich zu den am 10. Februar entdeckten 60 Exponaten seien in Gurlitts verlassenem Haus in Salzburg bei Begehungen am 24. und 28. Februar 178 weitere Kunstgegenstände gefunden worden, hieß in der Erlärung seines Sprechers.

Darunter sind den Angaben zufolge Ölgemälde und Aquarelle von Auguste Renoir, Édouard Manet, Gustave Corbet, Max Liebermann und Claude Monet. Zu den bekanntesten Werken gehören laut den Recherchen von SZ, WDR und NDR Renoirs "Mann mit Pfeife" und Monets "Waterloo Bridge".

Nach Angaben seiner Berater will Gurlitt für den Salzburger Teil seiner Sammlung renommierte internationale Experten für eine Provenienzforschung gewinnen, um die Herkunft aller Bilder zweifelsfrei klären zu können.

In Gurlitts Münchener Wohnung waren 2012 über 1400 Kunstwerke beschlagnahmt worden. Ein Großteil davon soll Nazi-Raubkunst sein, darunter Werke des Expressionismus, Dadaismus, Surrealismus oder Kubismus - Kunstströmungen, die von Adolf Hitler als "entartet" stigmatisiert worden waren.

Gurlitt hatte die Gemälde, darunter Meisterwerke von Picasso, Dürer, Renoir und Toulouse-Lautrec, von seinem Vater, dem Kunsthistoriker und Kunsthändler Hildebrand Gurlitt geerbt.

(AFP)
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