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Neuss: Erben stellen Restitutionsgesuch an das Clemens-Sels-Museum

Beratung im Kulturausschuss Neuss : Erben stellen Restitutionsgesuch an das Clemens-Sels-Museum

Über ein Anwaltsschreiben haben Erben ein Restitutionsgesuch an das Clemens-Sels-Museum gestellt. Es geht um ein Gemälde von Édouard Vuillar, das Irmgard Feldhaus 1962 für das Museum erworben hat.

Diskussionen gab es keine, die Beschlussempfehlung über die Restituierung eines Gemäldes von Édouard Vuillard wurde im Kulturausschuss, der am Donnerstag tagte, einstimmig angenommen.

Konkret geht es um das Gemälde „La Promenade. Le square des Batignolles“, das Irmgard Feldhaus 1962 in einer Pariser Galerie für 200.000 DM für das Clemens-Sels-Museum erworben hat. Im vergangenen Jahr erreichte das Museum ein Anwaltsschreiben, über das die Erben des französischen Kunstsammlers Armand Dorville die Restitution jenes Bildes forderten. Nach der Darstellung der Anwältin stammte das Werk aus der Sammlung Dorvilles und wurde 1942 in einer Auktion in Nizza von der Vichy-Administration versteigert. Den verzinsten Erlös haben die Erben jedoch erst 1947/1948 erhalten. Dokumente belegen laut der Beratungsunterlage zweifelsfrei, dass „La Promenade. Le square des Batignolles“ dort versteigert wurde.

Das spielt eine entscheidende Rolle: Denn es gab weitere Bilder aus der Sammlung Dorvilles, die bei dieser Auktion versteigert wurden – innerhalb der Gurlitt-Provenienzforschung hat eine Expertenkommission diese Werke als „NS-verfolgungsbedingt entzogen“ eingestuft. In jenem Bericht wird beschrieben, dass die Familie von Dorville „sehr wahrscheinlich wegen der politisch und wirtschaftlich schwierigen Lage – der Großteil der jüdischen Familienmitglieder war auf der Flucht“ entschieden habe, den Nachlass zu versteigern. Der Erlös sei ihnen aber vorenthalten worden und die Versteigerung wurde durch einen Zwangsverwalter unter die Kontrolle der Vichy-Regierung gebracht, heißt es in einer Mitteilung der Bundesregierung. Die betroffenen Werke wurden 2020 restituiert.

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Deswegen sei davon auszugehen, dass auch der Neusser Fall als „NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut“ einzustufen sei und eine Restitution erfolgen sollte, heißt es in der Unterlage des Kulturausschusse. Einwände gab es nicht: „Die Kooperation hat keine Zweifel, dass die Voraussetzungen für eine Restitution vorliegen“, sagte Hartmut Rohmer. Das Thema wird am 17. Dezember im Rat aufgegriffen.