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Rekommunalisierung in Westfalen: Eon will weiteren Regionalversorger verkaufen

Rekommunalisierung in Westfalen : Eon will weiteren Regionalversorger verkaufen

Der nach der Atomwende unter Druck geratene Energiekonzern Eon könnte in Kürze mit dem Verkauf eines weiteren Regionalversorgers Kasse machen. Die Städte Paderborn und Herford erklärten am Dienstag, dass die Gespräche zum Erwerb der restlichen 63 Prozent der Anteile an der Gesellschaft Eon Westfalen Weser auf der Zielgeraden seien.

Ein Bündnis aus knapp 50 Kommunen habe hierzu eine neue Gesellschaft gegründet. Diese soll die Strom- und Gasnetze der Eon-Tochter betreiben. Das Vertriebsgeschäft wollen die Kommunen nicht übernehmen. Der Gesamtwert der Westfalen Weser AG einschließlich der bei Eon verbleibenden Beteiligungen sei auf 700 Millionen Euro beziffert worden. Einen Kaufpreis nannten die Städte nicht. Eon wollte sich zum Stand der Verhandlungen nicht äußern.

Die Kommunen hatten rund eineinhalb Jahre mit den Managern des Energieriesen aus Düsseldorf verhandelt. Paderborn und Herford haben die Gespräche auf Seiten Kommunen geführt und bereits bislang in einer Gesellschaft rund 21 Prozent der Anteile gehalten. Paderborn stockt nun auf rund 22 und Herford auf 21 Prozent auf. Insgesamt seien 48 Kommunen beteiligt. "Wir haben damit die letzte Hürde genommen und alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rekommunalisierung von Eon Westfalen Weser geschaffen", sagte der Paderborner Bürgermeister Heinz Paus.

In den vergangenen Jahren haben zahlreiche Kommunen hohe Summen in das Energiegeschäft investiert - auch um die Energiepolitik in ihrer Region selbst in die Hand zu nehmen. Im Jahr 2009 hatte Eon seine Stadtwerke-Tochter Thüga für 2,9 Milliarden Euro an ein Bündnis kommunaler Versorger, darunter Hannover, Frankfurt und Nürnberg, verkauft.
Eon kann mit dem Verkauf von Westfalen Weser seine klamme Kasse füllen. Dem größten deutschen Energiekonzern drücken Schulden von über 31 Milliarden Euro.

Vorstandschef Johannes Teyssen hat in den vergangenen Jahren bereits Beteiligungen im Volumen von 17 Milliarden Euro verkauft. Nach Eon Westfalen Weser will der größte deutsche Versorger auch noch seine Tochter Eon Mitte abstoßen. Diesen Verkauf will Teyssen spätestens im kommenden Jahr abschließen. Sollte er auch noch die unter anderem mit RWE geführte Urantochter Urenco abstoßen, könnte Eon mit seinen Beteiligungsverkäufen die 20-Milliarden-Euro-Marke knacken.

(REU/felt)