Düsseldorf: Eon macht wieder Milliardengewinn

Düsseldorf : Eon macht wieder Milliardengewinn

Nach dem schwachen ersten Quartal hat der Energiekonzern deutlich aufgeholt. Die Verschuldung ist auch dank der Rückzahlung der Atomsteuer geschrumpft. Eon will wieder investieren und die Aktionäre stärker am Erfolg beteiligen.

Fünf Monate nach der Verkündung des Rekordverlustes von rund 16 Milliarden Euro für das vergangene Jahr sind die Verantwortlichen beim Energiekonzern Eon schon wieder deutlich entspannter. Zwar liegt der um Sondereffekte bereinigte Vorsteuergewinn (Ebit) für das erste Halbjahr mit 1,8 Milliarden Euro noch um zwölf Prozent unter dem Ergebnis für die ersten sechs Monate des Vorjahres. Aber erstens ist das mehr, als Analysten erwartet hatten, und zweitens hat Eon damit gegenüber dem ersten Quartal schon einen Teil der angekündigten Aufholjagd wahrgemacht. Zwischen Januar und März hatte der Konzern nämlich ein Drittel weniger vor Steuern verdient als im ersten Vierteljahr 2016. Unter dem Strich beträgt der Gewinn für das erste Halbjahr 2017 knapp vier Milliarden Euro.

Im Kerngeschäft lag Eon 25 Prozent über dem Vorjahr, und die Verschuldung ist um fast fünf Milliarden auf 21,5 Milliarden Euro gesunken. Das Netzgeschäft der Gruppe läuft deutlich besser. In Großbritannien, wo Eon mehrere Hunderttausend Kunden verlor, hat das Unternehmen allerdings genauso Probleme wie der Wettbewerber Innogy, der am Freitag seine Zwischenzahlen präsentieren wird.

Natürlich profitiert Eon in der Halbjahresbilanz auch von der Rückzahlung der Brennelementesteuer durch den Bund. Einschließlich Zinsen hat das Unternehmen 3,3 Milliarden Euro zurückbekommen, nachdem das Bundesverfassungsgericht die zwischen 2011 und 2016 erhobene Steuer für grundgesetzwidrig erklärt hatte. Die Verantwortung für die Endlagerung des Atommülls ist der Konzern auch los (er ist "nur" noch für den Rückbau zuständig), was sich in den kommenden Jahren in 400 Millionen bis 500 Millionen Euro Ergebnisbeitrag pro Jahr auszahlen soll. Zudem hat sich der Konzern im März über eine Kapitalerhöhung mehr als 1,3 Milliarden Euro beschafft und will künftig nicht nur die Aktionäre stärker am Erfolg teilhaben lassen, sondern auch wieder investieren.

Alles zusammen veranlasste Konzernchef Johannes Teyssen gestern zu der zuversichtlichen Einschätzung: "Wir haben den finanziellen Spielraum, um in neues Wachstum zu investieren." Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Ausbau des Ökostromgeschäfts, der Elektromobilität und der wachsenden Digitalisierung auch in der Energiebranche.

Wie und wo konkret investiert werden könnte, darüber sagt Teyssen noch wenig. Genau so wenig spricht er über Details zum geplanten Verkauf des 47-Prozent-Anteils am Ableger Uniper, der im kommenden Jahr mehrere Milliarden Euro bringen könnte. Spekulationen darüber, ob das Paket an einen strategischen Investor abgegeben werden oder doch über den Markt verkauft werden soll, will Teyssen nicht kommentieren. Nur dass verkauft wird, ist klar, weil ein geschätzter Verkaufserlös von etwa drei Milliarden Euro neue finanzielle Möglichkeiten schaffen könnte.

Das Sparprogramm "Phoenix", mit dem unter anderem 1300 Arbeitsplätze wegfallen sollen, läuft nach Teyssens Angaben plangemäß. Von den erwarteten 400 Millionen Euro Einsparungen würden rund 100 Millionen Euro schon 2017 realisiert, sagt der Manager; voll wirksam würden die Maßnahmen im kommenden Jahr. Probleme bei den Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern gibt es nach Teyssens Angaben nicht.

(RP)
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