Essen/Köln: Die Not der deutschen Warenhäuser

Essen/Köln: Die Not der deutschen Warenhäuser

Wenn man wie Karstadt zum ersten Mal nach zwölf Jahren wieder Gewinn macht, ist das eine gute Nachricht. Auch wenn man damit nicht gerade den Renditeträumen von Investoren entspricht. "Was Karstadt geschafft hat, ist gerade mal eine hellgraue Null", sagt der Handelsprofessor Gerrit Heinemann aus Mönchengladbach und ergänzt: "Karstadt ist noch lange nicht über den Berg."

In der Tat ist ein Promille Umsatzrendite nichts, was Begeisterungsstürme auslösen würde. Niemand versteht das besser als die Verantwortlichen des Karstadt-Konkurrenten Galeria Kaufhof. Bei dem reichten einst fünf Prozent Umsatzrendite nicht mal dafür, dass die Kapitalkosten wieder eingespielt wurden, und er wurde deshalb von seinem Eigentümer Metro als nicht zukunftswürdig im Konzernverbund eingestuft.

Seither ist die Situation bei Galeria Kaufhof nicht besser geworden. Für das am 31. Januar zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2017/18 verzeichnet das Kölner Unternehmen laut "Manager Magazin" einen Verlust von 100 Millionen Euro. Das wäre zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, in dem das Minus dem Vernehmen nach mehr als doppelt so hoch ausgefallen ist. Damals hatten Abschreibungen auf eine Internet-Tochter das Ergebnis belastet. Ein Galeria-Kaufhof-Sprecher erklärte auf Anfrage: "Wir können diese Angaben nicht kommentieren. Der Jahresabschluss von Galeria Kaufhof ist im Konzernabschluss von HBC verarbeitet, der in der kommenden Woche veröffentlicht wird."

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HBC ist der kanadische Eigentümer Hudson's Bay. Mit Blick auf die Nordamerikaner ist die Rückkehr in die Gewinnzone dringend geboten. Andernfalls könnte HBC doch noch den Forderungen von einzelnen Aktionären nachkommen und das Europa-Geschäft auf den Prüfstand stellen, wird spekuliert.

"Karstadt steht jetzt besser da, weil es das getan hat, was Galeria Kaufhof jahrelang vorexerziert hat", sagt Experte Heinemann. Downsizing heißt das Stichwort. Dahinter verbirgt sich die Verkleinerung von Verkaufsflächen - auch dadurch, dass man einen Teil der Verkaufsräume untervermietet. Das habe Galeria Kaufhof nach der Übernahme durch HBC nicht getan, sondern die Flächen deutlich ausgeweitet, kritisiert Heinemann. Er sieht weiter keine große Zukunft für das deutsche Warenhausgeschäft: "Nach wie vor ein Ausstieg auf Raten." "Über kurz oder lang" würden die aktuellen Eigentümer mehr die Immobilien managen als das Handelsgeschäft betreiben. Ob unter diesen Vorzeichen die Fusion der einstigen Giganten zum x-ten Mal auf die Tagesordnung kommt?

(RP)