Zahl der Straftäter mit angeordneten Fußfesseln gestiegen

Wirksamkeit umstritten: Bei immer mehr Straftätern werden Fußfesseln angeordnet

In Deutschland werden mehr Personen mithilfe einer elektronischen Fußfessel kontrolliert als noch 2016. Zweifel kamen zuletzt hingegen an der Wirksamkeit von Fußfesseln auf.

Von den 94 Personen haben 70 Sexualstraftaten und 24 Gewaltdelikte begangen. Jedoch sind nicht alle auf freiem Fuß. "In 28 Fällen ist eine Unterbrechung vermerkt", teilte ein Sprecher des zuständigen Justizministeriums in Hessen mit. Grund dafür könne etwa die Unterbringung des Täters in Untersuchungshaft oder in einem Krankenhaus sein.

In NRW tragen den Angaben zufolge drei Personen eine Fußfessel, bei drei weiteren wurde die Anordnung unterbrochen. In Bayern tragen auch zwei unter potenziellem Terrorverdacht stehende Gefährder eine Fußfessel.

Die Behörden erhoffen sich, durch die Überwachungsmaßnahmen, weitere Straftaten der jeweiligen Person verhindern zu können. Laut hessischem Justizministerium hat sich der Einsatz bewährt. "Die Betroffenen wissen, dass wir ihren Aufenthaltsort verfolgen, und das Warnsystem funktioniert", sagte Ministeriumsexperte René Brosius.

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Zuletzt kamen aber erneut Zweifel an der Wirksamkeit von Fußfesseln auf: Wie jüngst bekannt wurde, kam in Hamburg ein Sexualstraftäter erst nach 69 Verstößen gegen die Auflagen zum Tragen der Fußfessel vorübergehend wieder in Haft.

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, André Schulz, ist ebenfalls kritisch. "Bei gefährlichen Menschen wie Gewalt- oder Sexualstraftätern ist die Fußfessel ungeeignet", sagte er. Sie könne keine weiteren Taten verhindern und erwecke nur den Schein guter Überwachungsmöglichkeiten.

(jd/maxk)