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Neuss: Rechtsextreme beschmutzen Gedenktafel für jüdischen Friedhof

Rechtsextremer Anschlag in Neuss : Angriff auf Gedenktafel für jüdischen Friedhof

In der Nacht zu Dienstag haben Unbekannte rechtsradikale Aufkleber auf eine Gedenktafel geklebt, die an den jüdischen Friedhof erinnert. Die Neusser Politik reagierte empört.

Am gleichen Tag, als Bundesinnenminister Horst Seehofer in Berlin über eine Zunahme politisch motivierter Straftaten und einen Höchststand von Fällen aus dem rechten Milieu berichten musste, musste Niels Elsässer von der Offenen Tür Barbaraviertel eine solche Tat anzeigen. Unbekannte hatten in der Nacht zum Dienstag eine Gedenktafel an der Düsseldorfer Straße, die seit einem Jahr an einen längst verschwundenen jüdischen Friedhof erinnert, mit rechtsradikalen Aufklebern beschmutzt. Die Polizei leitete den Fall an den Staatsschutz weiter, etwaige Augenzeugen werden um Mithilfe bei der Aufklärung dieses Angriffs gebeten.

Die Stele war durch die Geschichtswerkstatt der OT Barbaraviertel und die Gesamtschule Nordstadt initiiert worden. Für Elsässer besteht kein Zweifel daran, dass es sich bei der Tat um eine gezielte Aktion handelt – begangen kurz vor dem 8. Mai, dem Jahrestag der Kapitulation Hitler-Deutschlands. Elsässer konstatiert zudem, dass gerade in diesem Jahr, in dem an 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland erinnert wird, vermehrt „Anzeichen für ein Wiedererstarken der neuen Rechten“ feststellen lassen.

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Die Reaktionen aus der Politik kamen prompt und fallen eindeutig. Im Namen der CDU verurteilen Parteichef Jürgen Brautmeier und der Fraktionsvorsitzende Sven Schümann die Tat aufs Schärfste. Sie sprechen von einer Schändung und betonen: „Antisemitismus und Angriffe auf das jüdische Leben in Neuss sind nicht zu tolerieren.“ Das unterstützen die Vorsitzenden von SPD, Grünen und UWG, Sascha Karbowiak, Susanne Benary und Carsten Thiel. In Neuss sei kein Platz für Diskriminierung, Antisemitismus und Rechtsextremismus. Bert Römgens von der jüdischen Gemeinde nennt die Reaktion sehr ermutigend. Die demokratischen Kräfte müssten „zusammenhalten“.