Statistik der Bundesärztekammer: Behandlungsfehler durch Ärzte sind gestiegen

Ärzte in der Kritik : Folgenreiche Behandlungsfehler

Der Zeit- und Arbeitsdruck in Krankenhäusern ist enorm. Dennoch müssen Ärzte Fehler vermeiden, denn jede falsche Entscheidung kann Leben kosten. Was hilft: Die Ärzte sprechen offen über ihre Fehler, sagt unsere Autorin.

Menschen machen Fehler, Ärzte auch. Doch die Behandlungsfehler von Ärzten wiegen einfach schwerer als die vieler anderer Berufsgruppen. Durch ihre Fehler erleiden Patienten Schmerzen, gesundheitliche Einschränkungen, schwere Folgen bis hin zum Tod. Vor diesem Hintergrund ist zunächst einmal der seit Jahren offene Umgang der Mediziner mit ihren eigenen Fehlern zu loben. Jahr für Jahr legen sie ihre Statistik vor, welche Vorwürfe gegen sie erhoben werden und in welchen Fällen sie Fehler einräumen. Welche andere Berufsgruppe macht das schon? Die Daten dienen nicht nur der Transparenz. Sie sind auch die Grundlage dafür, aus den eigenen Fehler zu lernen und Strategien zu entwickeln, diese künftig zu vermeiden.

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Die Ärzte werden nicht müde darauf zu verweisen, dass die Zahl der ihnen nachgewiesenen Behandlungsfehler im Promille-Bereich liegt. Betrachtet man allein die Statistik der Bundesärztekammer, dann ist das korrekt. Allerdings können sich Patienten auch bei den Krankenkassen melden, wenn sie meinen, nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst behandelt worden zu sein. Dort läuft noch einmal eine leicht höhere Zahl an Fällen auf wie bei den Ärzten. Wie viele Patienten sich zudem direkt an die Haftpflichtversicherungen der Mediziner oder an Gerichte wenden, ist nicht bekannt. Und selbst wenn sich die Zahl der Kunstfehler  auf millionenfache Behandlungen bezieht, ist eben jeder Fehler von Ärzten einer zu viel.

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die meisten Beschwerden nach dem Einsetzen künstlicher Knie- und Hüftgelenke auflaufen. Bei solchen Standardoperationen können sich Patienten bis zu einem gewissen Grad selbst vor Kunstfehlern schützen: Sie sollten sich ein Krankenhaus auswählen, das diese Eingriffe sehr häufig durchführt. Die einfache Faustregel: Je höher die Fallzahlen für bestimmte Eingriffe liegen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Komplikationen kommt.

Erstaunlich ist, dass  immer noch eine relevante Zahl als Behandlungsfehlern anerkannt werden muss, weil es keine ausreichende Aufklärung über die Risiken eines Eingriffs gab. Dafür in Kliniken und Praxen Standard-Abläufe einzurichten, muss machbar sein. Alles andere ist fahrlässig.

Nun ist die von den Ärzten gemessene Zahl an Behandlungsfehlern im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Von einem Trend, wonach es auch zu weniger Beschwerden und nachgewiesenen Fehlern kommt, lässt sich aber nicht sprechen. Im vergangenen Jahr ist schlicht die Zahl der untersuchten Fälle zurückgegangen, was auch das leichte Minus in der Fehlerbilanz erklärt.

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