Ergebnisse für 2018: Kriminalität sinkt – Angriffe gegen Polizisten steigen

Daten für 2018 : Kriminalität sinkt – Angriffe gegen Polizisten steigen

Die Kriminalitätsrate ist in Deutschland so niedrig wie zuletzt 1992. Insbesondere die Zahl der Wohnungseinbrüche ging zurück. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger ist dennoch gesunken.

Für Innenminister Horst Seehofer (CSU), der am Dienstag seine Kriminalitätsstatistik präsentierte, ist Deutschland eines der „sichersten Länder der Welt“. Die Furcht der Bürger, Opfer von Straftaten zu werden, ist indes gestiegen.

Gewalt gegen Polizisten Die auffälligste Zahl in der Kriminalstatistik für das vergangene Jahr ist die Zunahme der Angriffe auf Polizisten mit fast 40 Prozent Steigerung. Wichtig ist hierbei jedoch: Wegen einer Änderung der Straftatbestände sind die Zahlen der diesjährigen Statistik mit den Vorjahren nicht oder nur eingeschränkt vergleichbar. Innenminister Seehofer sprach von einer „präziseren Erfassung“ für diese Taten. Das Verhalten vieler Täter gegenüber Polizisten, das in Teilen auch mit Bodycams festgehalten wird, bezeichnete der CSU-Politiker als „erschreckend ungehemmt“. Der Innenminister aus Schleswig-Holstein, Hans-Joachim Grote, erklärte, es gebe täglich mehr als 100 Angriffe auf Polizei- und Rettungskräfte. Bereits die alte Regierung hatte 2017 die Strafen für solche Angriffe erhöht. Aufgrund der veränderten Zahlen ist unklar, wie das Gesetz wirkt.

Zunahme einzelner Straftaten Weitere Anstiege der Kriminalität finden sich bei der Verbreitung pornografischer Schriften (plus 13,6 Prozent) - darunter fällt vor allem Kinderpornografie. Dieses Delikt ist für die Täter durch die Online-Vernetzung ebenso leichter geworden wie Verstöße gegen das Waffengesetz (plus 5,5 Prozent). Rauschgiftdelikte haben um 6,1 Prozent zugenommen. Zudem steckt hinter dem Anstieg von Straftaten nach dem Arzneimittelgesetz insbesondere die Herstellung und der Handel mit sogenannten Designer-Drogen. In geringem Umfang haben Mord und Totschlag (3,9 Prozent), Umweltkriminalität (3,4 Prozent) und Wettbewerbsdelikte (3,1 Prozent) zugenommen.

Rückgang einzelner Straftaten Unter dem Strich sind die Straftaten in Deutschland um 3,4 Prozent gesunken. Die auffälligste Zahl ist der Rückgang von Vergewaltigungen und sexueller Nötigung mit 18,2 Prozent. Mit einem Minus von 16,3 Prozent haben sich auch die Wohnungseinbrüche in Deutschland deutlich verringert. Eine gewisse Entwarnung gibt es auch bei Betrug (minus 7,6 Prozent), Diebstahl (-7,5) sowie Straßenkriminalität (-6,0) und Raub (-5,4).

Ausländerkriminalität Die Kriminalitätstatistik fasst alle in Deutschland lebenden Ausländer von EU-Bürgern bis hin zu Flüchtlingen zusammen. Nicht eingerechnet sind die Straftaten gegen das Ausländerrecht - wie beispielsweise illegale Einreisen, die allerdings auch zurückgegangen sind. Der Anteil an Straftaten, die von nicht-deutschen Tätern begangen wurden, lag 2018 bei 30,5 Prozent, blieb also in etwa auf dem Niveau des Vorjahres, als er bei 30,4 Prozent lag. Auf Nachfrage erklärte Seehofer, es gebe unter den Zuwanderern inzwischen weniger Straftäter. Diese begingen aber überdurchschnittlich viele Verbrechen. Die sogenannten Intensivtäter kommen vor allem aus den Maghreb-Staaten, aus Georgien, Libyen und einigen zentralafrikanischen Ländern. BKA-Chef Holger Münch verwies auf besondere Projekte und Ermittlungsgruppen, die gegen diese Täter eingesetzt würden.

Anzeigeverhalten Längst nicht jedes Opfer einer Straftat bringt das Geschehene auch zur Anzeige. Zu 100 Prozent werden Autodiebstähle angezeigt. Bei den Wohungseinbrüchen sind es immer noch 85 Prozent, wie das BKA aus einer eigenen großen Befragung, dem „Deutschen Viktimisierungssurvey“, weiß. Wenn die Bürger hingegen von Online-Betrügern hereingelegt wurden, bringen dies weniger als zehn Prozent zu einer Anzeige. Selbstkritisch stellte Münch fest: „Hier müssen wir tätig werden.“ Das Vertrauen der Bevölkerung in die Handlungsfähigkeit der Polizei bei Cyberkriminalität sei gering.

Angst vor Straftaten Während die Zahl der Straftaten statistisch deutlich gesunken ist, hat die Unsicherheit und die Angst vor Verbrechen in der Bevölkerung zugenommen, wie die Studie des Bundeskriminalamts zeigt. Auf die Frage, wie sicher man sich fühle, wenn man nach Einbruch der Dunkelheit alleine durch seine eigene Wohngegend läuft, sagten 2012 nur 17,3 Prozent der Befragten, sie fühlten sich „sehr“ oder „eher unsicher“. Mittlerweile sind das 21,4 Prozent. Gefragt wurden rund 31.000 Bürger nach ihrer Furcht und ihrer echten Risikoeinschätzung bezogen auf verschiedene Straftaten. So fürchten sich 24 Prozent vor Einbrüchen, aber nur 7,9 Prozent sehen das Risiko, dass es sie in den nächsten zwölf Monaten treffen wird. Bei Frauen ist die Risikoeinschätzung, innerhalb der nächsten zwölf Monate Opfer sexueller Belästigung zu werden, um drei Prozentpunkte auf 7,1 gestiegen. Die Furcht davor hat mit 22 Prozent mehr als jede fünfte Frau.

Anmerkung der Redaktion: In dieser aktualisierten Version des Artikels wurde der Absatz zu Gewalt gegen Polizisten präzisiert.

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