Asylbewerber: Flüchtlinge sollen schneller Jobs bekommen

Asylbewerber : Flüchtlinge sollen schneller Jobs bekommen

Die Zahl der anerkannten Asylbewerber und Flüchtlinge steigt von Monat zu Monat. Die Bundesagentur für Arbeit will dieser Gruppe mit einem neuen Programm den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern, statt sie Hartz IV beziehen zu lassen.

Ali Nazari sagt, im Iran habe er ein tolles Leben gehabt: Er erzählt von einem großen Haus und einem gut bezahlten Job, in dem er für die Regierung das Budget für Investitionen in den Provinzen verwaltete. Der 45-Jährige ist mit einer Ingenieurin verheiratet und hat zwei Söhne. Jetzt sitzt er bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd. Dort werden Berufsorientierungskurse für Asylbewerber angeboten. "Early Intervention" ("Frühes Eingreifen") heißt das Programm, das es seit Januar gibt.

Im Rahmen des Programms wird jenen Asylbewerbern und Flüchtlingen, die gute Aussicht auf Anerkennung haben, schon vor dem Abschluss ihres Verfahrens der Weg ins Berufsleben geebnet. Die Teilnahme an dem Projekt ist freiwillig. Auf das Anerkennungsverfahren hat sie keine Auswirkung. Die Agentur fragt die Fähigkeiten der Flüchtlinge ab, vermittelt Deutschkurse und bietet berufliche Aufbaukurse an. Ziel ist es, dass die Flüchtlinge möglichst rasch nach ihrer Anerkennung einen Job finden. Zugleich will man mit dem Programm auch den Fachkräftemangel in Deutschland lindern.

Nazari gehört zu jenen, die bis in die Haarspitzen motiviert sind. Er will auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß fassen. Ihn bekümmert es, dass er seinen beiden Söhnen, die hier ein Gymnasium besuchen, kein besseres Vorbild sein kann. Noch muss er zu Hause sitzen und lebt vom Geld des deutschen Staates.

Die Arbeitsagentur hat ihrerseits ein hohes Interesse daran, den Flüchtlingen rasch zu Jobs zu verhelfen. Denn diejenigen, die einen gesicherten Aufenthaltsstatus erlangen, erhalten Hartz-IV-Leistungen. Ihre Zahl wächst von Monat zu Monat. So erhielten im Jahr 2013 20.128 Asylbewerber und Flüchtlinge eine (teils zeitlich begrenzte) Anerkennung oder eine Duldung. Im vergangenen Jahr waren es mit 40.563 Neuankömmlingen, die mit einem sicheren Aufenthaltsstatus ausgestattet wurden, etwa doppelt so viele. Und auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres waren es bereits 21.320.

In manchen Fällen ist es gar nicht so einfach, herauszufinden, welchen Beruf ein Neuankömmling gelernt hat, so groß sind die Hürden von Sprache und Kultur. Die Bundesagentur verfügt mittlerweile über Fragebögen in allen Sprachen der Länder, aus denen die Menschen nach Deutschland kommen. "Manchmal gehen wir mit den Asylbewerbern auch in Werkstätten, um herauszufinden, was sie gelernt haben", sagt Raimund Becker, Vorstand der Bundesagentur.

Nazari, der im Oktober 2013 nach Deutschland kam, verfügt mittlerweile über eine auf ein Jahr begrenzte Aufenthaltserlaubnis. Er musste aus dem Iran fliehen, weil er bei einer Sitzung mit Regierungsvertretern den Nutzen von geplanten Investitionen in den Provinzen mit einem Sprachbild von Säen und Ernten verdeutlichte. Ihm wurde vorgeworfen, Bibel-Zitate zu verwenden und zu Hause heimlich die Bibel zu lesen, was im Iran strafbar ist. Daraufhin wurde Nazaris Haus durchsucht, er verlor seinen Job und seinen gesamten Besitz.

Nun hofft er, in Deutschland neu anfangen zu können. Doch die Job-Suche ist schwierig für den studierten Mathematiker, der etliche Zusatzqualifikationen besitzt. Zu Vorstellungsgesprächen als Manager in mittleren Unternehmen hat er es schon geschafft. Seine begrenzte Aufenthaltserlaubnis und seine noch mangelnden Deutschkenntnisse stehen ihm allerdings im Weg. Aufgeben will Nazari aber nicht.

"Die Deutschkenntnisse sind das Nadelöhr", sagt auch Becker. Aus Sicht der Arbeitsagentur müssten 300 Millionen Euro jährlich mehr in Sprachkurse für Flüchtlinge gesteckt werden. Viele Flüchtlinge benötigen ein oder zwei Jahre, bis sie sprachlich so weit sind, in Deutschland ihr eigenes Geld zu verdienen. Derzeit leben rund 540.000 Flüchtlinge sowie geduldete oder anerkannte Asylbewerber in Deutschland. 370.000 von ihnen sind im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 65 Jahren. Integrationskurse können aber nur 140.000 bis 150.000 besuchen, weil für weitere Angebote die finanziellen Mittel fehlen.

(qua)