Gespräche über Staatskrise in Washington geplant: Zelaya bleibt an der Grenze zu Honduras

Gespräche über Staatskrise in Washington geplant : Zelaya bleibt an der Grenze zu Honduras

Las Manos/Nicaragua (RPO). Das Ringen um die Macht in dem lateinamerikanischen Land geht weiter: Nach seiner symbolischen Grenzüberschreitung will der abgesetzte honduranische Präsident Manuel Zelaya ein Zeltlager am Grenzübergang in Nicaragua einrichten.

Aus Sorge um die Sicherheit seiner Anhänger werde er vorerst aber nicht erneut versuchen, nach Honduras zu gelangen, sagte Zelaya am Samstagabend in der nicaraguanischen Grenzstadt Las Manos. Stattdessen plant der linksgerichtete Politiker, am Dienstag zu Beratungen mit der US-Regierung nach Washington zu fliegen.

"Der Kampf geht weiter"

Am Freitag hatte Zelaya vor etwa 150 Anhängern in Honduras erklärt, er sei entschlossen, am Kampf um sein Amt festzuhalten. Scharf kritisierte er die Interimsregierung und warf ihr vor, eine Begegnung mit seiner Familie zu verhindern, die er seit dem Umsturz vor einem Monat nicht mehr gesehen habe. Zelayas Frau, Xiomara Castro, sagte dem Fernsehsender CNN, sie sei auf dem Weg zur Grenze an einer Straßensperre gestoppt worden.

Nach knapp einer halben Stunde auf honduranischem Gebiet kehrte Zelaya ungehindert nach Nicaragua zurück. In unmittelbarer Nähe der Kundgebung Zelayas wurde die Leiche eines jungen Mannes gefunden, der erstochen wurde. Die Anhänger Zelayas beschuldigten die Sicherheitskräfte von Honduras, für dessen Tod verantwortlich zu sein. Ein Polizeisprecher wies dies zurück.

Zelaya droht Verhaftung

Die Behörden von Honduras haben angekündigt, dass Zelaya bei einem Grenzübertritt verhaftet werden soll. Etwa 50 Soldaten sicherten die Grenze bei Las Manos. Auf Fußwegen gelangten bis Samstagabend etwa 300 Anhänger Zelayas über die Grenze nach Nicaragua.

"Wir sind bereit, unser Leben aufs Spiel zu setzen", sagte die 26-jähriger Lehrerin Dania Gomez Perez bei ihrer Ankunft an der Grenze. Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Freitag trotz eines Ausgehverbots zur Unterstützung Zelayas in der Grenzstadt El Paraiso. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Tränengas gegen die Menge einsetzte.

Gespräche zur Klärung in den USA

US-Außenministerin Hillary Clinton kritisierte die Aktion Zelayas als "rücksichtslos". Dies werde nicht dazu beitragen, die demokratische und verfassungsmäßige Ordnung in Honduras wiederherzustellen. Ein Sprecher des Außenministeriums teilte mit, dass Zelaya am Dienstag zu weiteren Gesprächen in Washington erwartet werde. Die USA und zahlreiche weitere Staaten haben die Wiedereinsetzung Zelayas gefordert.

Das honduranische Verteidigungsministerium veröffentlichte am Samstag eine Erklärung im Internet, in der betont wurde, dass die Interimsregierung unter Roberto Micheletti der zivilen Autorität unterworfen sei. Auslöser der Krise war der Streit um ein von Zelaya forciertes Referendum über die Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung. Nach der Ablehnung der Volksabstimmung durch den Obersten Gerichtshof nahmen Soldaten Zelaya am 28. Juni in der Hauptstadt Tegucigalpa fest und brachten ihn ins Ausland.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Militär verhaftet Honduras' Präsidenten Zelaya

(AP/felt)