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Right Livelihood Award 2020 gehen nach Belarus und Iran

Right Livelihood Award 2020 : Alternative Nobelpreise gehen nach Belarus und Iran

In diesem Jahr gehen die Alternativen Nobelpreise unter anderem nach Belarus und in den Iran. Dort werden die inhaftierte iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh sowie der belarussische Demokratie-Aktivist Ales Beljazki mit dem Preis ausgezeichnet.

Der belarussische Demokratieaktivist Alex Beljazki und drei weitere Aktivisten werden mit dem diesjährigen Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Beljazkiund das von ihm gegründete Menschenrechtszentrum Wesna erhalten die Auszeichnung der Stiftung zufolge für ihren "entschlossenen Kampf für die Verwirklichung von Demokratie und Menschenrechten in Belarus", wie die in Stockholm ansässige Right-Livelihood-Stiftung am Donnerstag mitteilte.

Wesna ist eine der wichtigsten Nichtregierungsorganisationen in Belarus. Sie dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und beobachtet Wahlen. Seit dem Beginn der Proteste nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl vom 9. August spielt Wesnna eine wichtige Rolle in der Demokratiebewegung.

Beljazki ist auch Mitglied im Koordinierungsrat der Opposition, der einen politischen Wechsel in Belarus herbeiführen will. Der seit 26 Jahren mit harter Hand regierende belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko war nach der Präsidentschaftswahl zum Sieger erklärt worden. Die Opposition wirft ihm massiven Wahlbetrug an, die EU erkennt das offizielle Wahlergebnis nicht an. Seit der Wahl gehen fast täglich Demonstranten in Belarus auf die Straße.

Die Auszeichnung der Right-Livelihood-Stiftung geht in diesem Jahr überdies an Aktivisten im Iran, in Nicaragua und in den USA. Eine Übersicht:

NASRIN SOTUDEH (Iran) - Zuletzt kämpfte sie vor Gericht unter anderem für Frauen, die aus Protest gegen die iranische Gesetzeslage in der Öffentlichkeit ihre Kopftücher abgenommen hatten. Diese Frauen sind bei Weitem nicht die einzigen, für die sich Sotudeh eingesetzt hat: Die in Teheran geborene Rechtsanwältin verteidigte bereits nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2009 während der Proteste gegen die Regierung eine Reihe von verhafteten Aktivisten, später vertrat sie die Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi. Außerdem ist ihr der Kampf gegen die Todesstrafe im Iran eine Herzensangelegenheit. All das hat die 57-Jährige mehrmals ins Gefängnis gebracht, dort sitzt sie auch heute: Im März 2019 war sie unter anderem wegen „Schürens von Korruption und Prostitution“ zu mehr als drei Jahrzehnten Haft und fast 150 Peitschenhieben verurteilt worden. Auch ihre Familie berichtet von Festnahmen und schwerwiegenden Übergriffen.

BRYAN STEVENSON (USA) - Immer wiederkehrende Fälle übermäßiger Polizeigewalt und die Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter haben die Rassismusdebatte in den USA in diesem Sommer abermals hochkochen lassen. Für Bryan Stevenson ist das Thema alles andere als neu: Der 60-Jährige zählt zu den führenden Bürgerrechtsanwälten seines Landes, oberstes Ziel seines Schaffens ist seit langem die Reform der US-Strafjustiz, die übermäßig viele Schwarze und Arme ins Gefängnis bringt. Der in Harvard ausgebildete Jurist will eines Tages sehen, dass alle US-Bürger unabhängig von der Hautfarbe die gleichen Rechte genießen. Grundlage seines Kampfes ist der Ausgangspunkt, dass Justiz und Gesellschaft vor dem Hintergrund der Geschichte der Sklaverei und weißer Überlegenheitsgesinnungen weiter von systematischem Rassismus durchdrungen seien.

LOTTIE CUNNINGHAM WREN (Nicaragua) - Die 61 Jahre alte Rechtsanwältin gehört selbst dem indigenen Volk der Miskito an, das vor allem an der Karibikküste im nicaraguanischen Grenzgebiet zu Honduras lebt. Vor diesem Hintergrund kämpft Cunningham trotz regelmäßiger Einschüchterungsversuche dafür, dass Indigene in Nicaragua ihr Land und die damit verbundenen Ressourcen behalten dürfen und besser vor Ausbeutung geschützt sind. Dabei ist es ihr unter Zuhilfenahme nationaler und internationaler Gesetze gelungen, dass es mittlerweile Landrechte für indigenen Boden in ihrem Heimatland gibt - ein Fortschritt, der auch indigenen Gemeinschaften in anderen Ländern bei ihrem rechtlichen Streit für den Schutz ihres Lebensraums nützt. Das hilft letztlich auch der Umwelt, da der Schutz indigenen Landes auch bedeutend für die entsprechenden Ökosysteme ist.

Der seit 1980 verliehene Preis heißt offiziell Right Livelihood Award, gemeinhin wird er aber als Alternativer Nobelpreis bezeichnet. Die Auszeichnung steht in kritischer Distanz zu den eigentlichen Nobelpreisen, deren Preisträger ab Montag in Stockholm und Oslo bekanntgegeben werden. Jeder Träger der Alternativen Nobelpreise erhält eine Million schwedische Kronen (rund 95.000 Euro), die für seine Arbeit bestimmt sind. Wegen der Coronavirus-Pandemie sollen die Geehrten in diesem Jahr am 3. Dezember auf einer virtuellen Verleihung gewürdigt werden.

Der aus Spenden finanzierte Preis wurde vom deutsch-schwedischen Journalisten und Philanthropen Jakob von Uexküll initiiert. Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderen US-Whistleblower Edward Snowden, die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren und Klimaaktivistin Greta Thunberg.

(felt/dpa/AFP)