Weltraumsonde: Rosetta soll jetzt den Ursprung des Lebens finden

Weltraumsonde : Rosetta soll jetzt den Ursprung des Lebens finden

Nach zehn Jahren wurde Rosetta aus dem Tiefschlaf erweckt. Ihre Hauptaufgabe ist es, ein Labor auf einem Eisblock zu installieren.

Es war eine lange Reise für Rosetta. An ihrem Ende steht für die knapp drei Tonnen schwere Sonde der europäischen Weltraumagentur ESA der Ursprung unserer Existenz: Rosetta wird ein Labor auf einen Kometen absetzen, der ein Relikt aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren ist: ein Eisblock, der es nicht mehr geschafft hat, einen Planeten zu bilden.

In ihm ist wie in einer Tiefkühltruhe eben jene Urmaterie konserviert, aus der sich auch unsere Erde gebildet hat. Möglicherweise wird Rosetta komplexe Kohlenstoffverbindungen nachweisen können. Solche, die als Grundbausteine für das Leben dienten.

Bei ihrem Start 2004 wurde Rosetta von einer Ariane-5-Rakete auf 40 000 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Dreimal hat die Sonde darum die Erde und einmal den Mars passiert — um durch den Vorbeiflug wie bei einer Schleuder Schwung zu holen und auf 54 000 Kilometer pro Stunde beschleunigt zu werden. Testweise schickte die Sonde immer wieder Bilder zur Bodenstation, um die Systeme zu kalibrieren und vermaß nebenbei die Asteroiden Steins und Lutetia. Auch sie sind Relikte der Entstehung unseres Sonnensystems. Im Juni 2011 wurde Rosetta in den Tiefschlaf geschickt, um Energie für das eigentliche Ziel zu sparen: die Reise zum nahezu pechschwarzen, tatsächlich "schmutzigen Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko". Weil der Name sich kaum dreimal hintereinander aussprechen lässt, haben die Wissenschaftler ihm längst den Spitznamen "Tschuri" gegeben.

Gestern wurde Rosetta nach 957 Tagen Tiefschlaf aufgeweckt, weil sie sich langsam Tschuri nähert, der dann noch neun Millionen Kilometer entfernt ist. Quasi ein Katzensprung angesichts der mehr als sieben Milliarden Kilometer, die Rosetta bereits zurückgelegt hat. Zunächst wird die Sonde die Navigationsinstrumente aufwärmen, ihre Position bestimmen und dann die Antennen zur Erde ausrichten, um ein "Lebenszeichen" zu senden — auf das die Experten im Missionszentrum der ESA in Darmstadt sehnsüchtig warten.

Danach beginnt eine Testphase, bis die Sonde in eine etwa zehn Kilometer hohe Umlaufbahn um Tschuri einschwenken wird. Die Sonde vermisst im optischen, infraroten, ultravioletten, Mikrowellen- und Radio-Band seine Oberfläche, erforscht Beschaffenheit und Zusammensetzung und sucht einen Landeplatz. Denn die Hauptaufgabe von Rosetta hört auf den Namen Philae, ist ein etwa ein Meter mal ein Meter mal ein Meter großes Labor und wird im November auf Tschuri landen. Philae wird von Rosetta abgekoppelt und fällt ihm entgegen. Schwierig wird es sein, sicherzustellen, dass das kleine Labor auch auf der Oberfläche bleibt. Auf der Erde wiegt Philae zwar 100 Kilogramm. Auf Tschuri dagegen entspricht das aufgrund der geringen Schwerkraft nur vier Gramm. Philae ist für den Kometen so leicht wie ein Papier. Darum klingt das Landemanöver wie Science-Fiction: Das Labor wird seine drei Beine ausfahren. Beim Aufsetzen werden drei Bohrer ausfahren, die sich in das Eis des Kometen krallen. Gleichzeitig wird an der Oberseite eine Kaltgasdüse gezündet, die Philae auf Tschuri drückt. Von der Unterseite werden zusätzlich zwei Harpunen abgeschossen, die sich in den Himmelskörper brechen und das Labor verankern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sonde "Rosetta" auf historischer Kometen-Mission

(RP)