Zeitumstellung: 2017 schenkt uns eine Sekunde

Besonderheit in der Silvesternacht : Warum uns das Jahr 2017 eine Extra-Sekunde schenkt

Eine Schaltsekunde in der Silvesternacht macht das kommende Jahr eine Sekunde länger als gewöhnlich. Über den Sinn streiten sich die Experten.

Das neue Jahr startet direkt mit einem Geschenk — es schenkt uns ein winziges Stück mehr Zeit. Statt der üblichen 3600 Sekunden wird die erste Stunde des Jahres 2017 genau eine Sekunde mehr haben. Die sogenannte Schaltsekunde soll Zeit und Erdrotation wieder besser in Einklang bringen. Alle eineinhalb bis zwei Jahre wird sie eingefügt. Nicht immer an Silvester. Zuletzt war die Nacht zum 1. Juli 2015 eine Sekunde länger. Auch 2012, 2009 und 2006 wurden bereits Schaltsekunden in unsere Zeit eingefügt.

Was passiert in der Silvesternacht genau mit der Zeit?

Am 1. Januar wird weltweit zum gleichen Zeitpunkt eine Extra-Sekunde eingeschoben. Um 00:59:59 unserer Zeit folgt nicht wie sonst 1:00:00, sondern 00:59:60 und dann erst 1:00:00. So eine Schaltsekunde gibt es seit 1972 in unregelmäßigen Abständen alle paar Jahre. Im neuen Jahr findet sie zum 27. Mal statt. Eigentlich gehört die Sekunde aber noch dem Jahr 2016. Denn eingefügt wird sie nach der koordinierten Weltzeit um 23:59:59 Uhr. Wegen der Zeitverschiebung fällt die Schaltsekunde daher in Deutschland auf eine Stunde nach dem Jahreswechsel. In den USA wird sie bereits einige Stunden vor Mitternacht 2016 eingefügt.

Warum ist die Schaltsekunde nötig?

Die Erde dreht sich in 24 Stunden einmal um sich selbst. Ganz genau betrachtet, braucht sie für diese Umdrehung jedoch ein ganz kleines bisschen länger. Damit die Atomuhren, die weltweit die Zeit vorgeben, auch weiterhin parallel zum Tag-Nacht-Rhythmus der Erdrotation laufen und beides nicht irgendwann auseinander klafft, muss diese kleine Ungenauigkeit hin und wieder ausgeglichen werden. Langfristig betrachtet würde die Sonne in ein paar Millionen Jahren sonst erst am Mittag aufgehen.

Wer kümmert sich um die Umstellung?

Wann weltweit eine Extra-Sekunde eingeschoben wird, entscheidet der Erdrotationsdienst IERS. Mitarbeiter des IERS in Frankfurt messen und überwachen die Drehung der Erde. Alle anderthalb bis zwei Jahre entscheiden sie, eine Schaltsekunde einzufügen. "Die Erde dreht sich ungleichmäßig schnell", erklärt Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. "Deshalb findet auch die Schaltsekunde nicht regelmäßig statt."

Damit die Uhren in Deutschland auch nach der Schaltsekunde richtig ticken, sendet die PTB über einen Sender ein Signal an alle Funkuhren. Das sorgt dafür, dass in der Nacht Millionen Uhren automatisch um eine Sekunde zurückspringen. Auch die Zeitsignale, die per Telefon und Internet verbreitet werden, berücksichtigen die Schaltsekunde.

Welche Folgen hat die Umstellung?

Dass der Mensch von der Schaltsekunde etwas bemerkt, ist unwahrscheinlich. Unter anderem die Briten müssen allerdings bei ihrem Countdown zum neuen Jahr aufpassen. Nach "Three-Two-One" folgt noch eine Sekunde bis 2017.

Auch die meisten Uhren werden den Sprung wohl gut bewältigen. Probleme könnte es dagegen bei einigen Konzernen geben. Betroffen davon sind zum Beispiel die Systeme von Telekommunikationsunternehmen, die ihre Angebote sekundengenau abrechnen oder Betreiber von Hochspannungsnetzen, die im Mikrosekundenbereich arbeiten. Bei der Schaltsekunde 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt. Bei der australischen Fluggesellschaft Quantas fiel das Buchungssystem aus. 2015 lief dagegen alles glatt.

Welche Alternativen gibt es zur Schaltsekunde?

Es gibt einige Kritiker, die die Abschaffung der Schaltsekunde fordern. Russland und Großbritannien wollen sie unter allen Umständen beibehalten, USA und Japan lieber darauf verzichten. Statt alle paar Jahre eine Sekunde einzustreuen, fordern manche Zeit-Experten auch einer Schaltminute, die man deutlich seltener bräuchte. Zeit-Experte Bauch hält den Vorschlag allerdings für "bizarr". "Wenn eine Schaltsekunde manchem schon Probleme bereitet, wäre eine Schaltminute doch noch viel schlimmer", sagt er.

(rent/dpa/AFP)
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