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Massentötung: IS macht Ruinen von Palmyra zur Hinrichtungsstätte

20 Männer erschossen : IS macht Ruinen von Palmyra zur Hinrichtungsstätte

Erneut macht die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mit Greueltaten von sich reden: Nach Angaben von Aktivisten haben Kämpfer mindestens 20 Männer im antiken römischen Theater der syrischen Oasenstadt Palmyra erschossen.

Die Männer seien beschuldigt wurden, Schiiten und Alawiten zu sein, die für die Regierung gekämpft hätten, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Ihren Angaben zufolge wurden die Dschihadisten unterdessen aus 14 assyrischen Dörfern vertrieben.

Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, die Männern seien vor einer Menschenmenge im Theater der antiken Stadt erschossen worden, deren Ruinen zum Weltkulturerbe gehören. Der Direktor der syrischen Antikenverwaltung, Mamun Abdulkarim, sagte, der Einsatz des Theaters für Hinrichtungen beweise, dass der IS "gegen die Menschheit" sei. Er äußerte die Sorge, dass die Tat der Beginn der "Barbarei" gegen die antiken Bauwerke der Stadt sei.

Die Beobachtungsstelle hatte am Sonntag gemeldet, dass die IS-Miliz seit der Einnahme der Wüstenstadt fast 220 Menschen ermordet habe. Demnach wurden seit dem 16. Mai in und um Palmyra 150 Kämpfer der Regierungstruppen und 67 Zivilisten hingerichtet, darunter 14 Kinder und zwölf Frauen. Die Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Ärzten und Aktivisten in Syrien. Ihre Angaben können von unabhängiger Seite nicht geprüft werden.

Staatsmedien hatten zuvor berichtet, die IS-Miliz habe in Palmyra etwa 400 Zivilisten getötet. Die Extremisten hatten die Stadt im Zentrum Syriens nach tagelangen erbitterten Kämpfen von den Regierungstruppen erobert.

Unterdessen gelang es kurdischen Kämpfern nach Angaben der Beobachtungsstelle, die Dschihadistenmiliz aus 14 assyrischen Dörfern zu vertreiben. Nach einer zehntägigen Offensive hätten die Kurden die Ortschaften im Nordosten Syriens zurückerobert, erklärte die Organisation. Der IS hatte im Februar 14 von assyrischen Christen bewohnte Dörfer in der Region Chaddur erobert und mehr als 5000 Menschen in die Flucht getrieben.

Der Leiter des in Schweden ansässigen assyrischen Verbandes für Menschenrechte, Osama Edward, sagte, die Rückeroberung der Dörfer sei durch Luftangriffe der internationalen Koalition gegen die Dschihadisten ermöglicht worden. Fotos zeigten "viele zerstörte Häuser und Kirchen". Zahlreiche Einwohner hätten Angst, in ihre Häuser zurückzukehren, weil sie fürchteten, dass diese von den Dschihadisten vermint worden seien, sagte Edward.

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Die Hilfsorganisation Handicap International beklagte, dass sich in der monatelang umkämpften Grenzstadt Kobane zahllose Sprengsätze befänden, die nicht explodiert seien. "Was wir in Kobane gesehen haben, übertrifft die schlimmsten Albträume: Ein großer Teil der Stadt ist zerstört und die Verseuchung mit nicht-explodierten Waffen aller Art erreicht eine Dichte und Vielfalt, wie wir sie selten sehen", sagte Handicap-Vertreter Frederic Maio.

Die Dschihadisten waren aus der mehrheitlich kurdischen Stadt an der Grenze zur Türkei nach viermonatigen Kämpfen vertrieben worden. Die Stadt von 60.000 Einwohnern ist aber zu 80 bis 90 Prozent zerstört. Handicap International zählte in der Stadt knapp tausend Bombenkrater, einige bis zu zehn Meter breit. Während der Kämpfe hatte die internationale Koalition 700 Luftangriffe auf die Stadt geflogen, in der zudem 40 Autobomben explodierten.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist die Ruinenstadt Palmyra in Syrien

(AFP)