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IS ist die finanzstärkste Terrorgruppe der Welt

Einnahmen bis zu 1,8 Milliarden Dollar : Der IS ist die finanzstärkste Terrorgruppe der Welt

Experten zufolge ist der "Islamische Staat" nicht nur die grausamste, sondern auch die finanzstärkste Terrororganisation der Welt. Seine jährlichen Einnahmen liegen zwischen 0,35 und 1,8 Milliarden US-Dollar.

Und das wäre "mehr als jede andere terroristische Organisation", berichtete der Berliner Islamwissenschaftler Guido Steinberg am Mittwoch dem Düsseldorfer Oberlandesgericht. Im dortigen Prozess gegen mutmaßliche Unterstützer des "Islamischen Staats" ist er als Sachverständiger berufen.

Die Einnahmen stammten aus dem Ölhandel, Steuern, Spenden Schutzgeldern, Beute, Zöllen und Lösegeld. Al Qaida verfüge nur über einen winzigen Bruchteil der Mittel. Allerdings müsse der "Islamische Staat" (IS) davon auch eine 20.000 bis 30.000 Mann starke Armee und einen Staat, sein Kalifat, finanzieren. Gemessen daran sei es eher zu wenig Geld.

Die Öffentlichkeitsarbeit sei hoch professionell. Für Luftaufnahmen setze der IS bei seiner Propaganda sogar Drohnen ein. Mit der bewussten Zurschaustellung von Grausamkeiten wie der Enthauptung lebender Opfer sollen die Gegner eingeschüchtert werden.

Die Strategie des IS sei zunächst, die von Sunniten bewohnten Gebiete im Irak, Syrien und im Libanon zu erobern. Danach stünden aber auch die Nachbarländer Türkei, Saudi-Arabien und natürlich Israel im Visier der Terrormiliz. Die "baldige Befreiung Jerusalems" sei ein ständig genanntes Ziel. Schiiten und Aleviten müssten mit "physischer Vernichtung" rechnen.

Langfristig werde sogar die Rückeroberung der einst muslimischen Gebiete in Spanien, Istanbul und Rom als Ziele genannt. "Die Ideologie ist sehr stark sektenhaft. Es geht gegen die ganze Welt. Man sieht sich von Feinden umgeben und pflegt einen ausgeprägten Hass auf Schiiten." Wie Al Kaida pflege auch der IS einen "Hang zur Bürokratie".

Wie die irakische Al Kaida habe aber auch der IS die Fähigkeit bewiesen, große Verluste auszugleichen und wieder in die Offensive zu gehen, wie die jüngsten Eroberungen des IS zeigten. Die größten Kontingente von IS-Kämpfern stammten aus Saudi-Arabien, Marokko, Tunesien und Jordanien. Etwa 2000 bis 3000 Islamisten aus Europa seien in ihren Reihen.

Islamwissenschaftler Guido Steinberg (47) von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin ist bereits als Gutachter in mehreren Prozessen zum islamistischen Terrorismus tätig gewesen.

Im Düsseldorfer Prozess müssen sich seit Januar zwei mutmaßliche Unterstützer der Terrorgruppe "Islamischer Staat" vor Gericht verantworten. Das Verfahren gegen eine dritte Angeklagte war unlängst abgetrennt worden, weil die hochschwangere Frau an der Verhandlung aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr teilnehmen konnte.

Die Angeklagten sollen Geld für die Terrorgruppe und Kameras zur Propagandaarbeit beschafft haben. Ihnen drohen bis zu zehn Jahre Haft.

(lnw)