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Willich: Impulse setzen für die Stadt

Willich : Impulse setzen für die Stadt

Rainer Höppner, Vorsitzender des Werberings Schiefbahn, sieht Handel, Politik und Verwaltung gemeinsam am Zug, um der Stadt Willich ein Qualitätsmerkmal zu geben. Das sei wichtig für die Zukunft der Stadt, erklärte er im Gespräch mit der RP.

Herr Höppner, die Werbegemeinschaft Schiefbahn besteht 30 Jahre. Was war in den vergangenen Jahren die größte Veränderung für den Einzelhandel?

Rainer Höppner Die Landschaft im Einzelhandel hat sich in den letzten Jahren durch das Internet komplett verändert. Die Kunden haben jetzt die Möglichkeit, zu Hause am Computer ihre Einkäufe zu tätigen und nutzen diese regelmäßig. Auf diese Entwicklung müssen wir uns im Einzelhandel, bei den Dienstleistern, aber auch bei Stadt und Politik ganz einfach einstellen und gemeinschaftlich dafür sorgen, dass die Innenstädte für unsere Bürger und Kunden weiterhin attraktiv und interessant bleiben.

Und wie geht das?

Höppner Die Menschen haben, bedingt durch die wirtschaftliche Situation, ihr Einkaufsverhalten geändert. Der Preis spielt heute bei der Kaufentscheidung eine ganz zentrale Rolle. Abgesehen davon, dass im Internet die Produkte oft gar nicht billiger sind, können wir den Bürgern hier vor Ort einen Mehrwert bieten. Das erreichen wir mit mehr Service, durch Events im eigenen Geschäft, durch Stadtfeste und natürlich auch durch einen guten Branchenmix. Eine hohe Aufenthaltsqualität, die man zum Beispiel mit schöner Außengastronomie und Sauberkeit gewährleistet und zusätzlich durch gute Parkplatzmöglichkeiten abrundet, sind für unsere Stadt aber mindestens genauso wichtig.

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Noch einmal zurück zum Thema Internet: Handeln Sie da als Werbegemeinschaft gemeinsam, oder ist es jedem selber überlassen?

Höppner Das Internet ist ein fester Bestandteil unseres Lebens geworden und wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch stärker werden. Diesen Trend werden wir nicht aufhalten können. Die zentrale Aufgabe der Schiefbahner Werbegemeinschaft liegt somit darin, die Bürger von der enormen Wichtigkeit eines gesunden Einzelhandels im Ort zu überzeugen. Um es auf den Punkt zu bringen: Wer unterstützt denn die Schulen, Kindergärten, Fördervereine und die Feuerwehr, wer stellt so viele Arbeitsplätze, wer bildet unsere Jugendliche aus und bietet Praktikumsstellen, wer zeigt durch Feste für Kinder und Senioren, durch Weihnachtsbeleuchtung und Aufstellen von Bänken soziales Engagement, es sind die ortsansässigen Unternehmen und Händler, die das mit viel Leidenschaft und Liebe tun, aber definitiv nicht die Internet-Einkaufsportale. Die interessiert der Ort überhaupt nicht. Es wäre toll, wenn es uns gelingt unsere Bürger für diese Thematik zu sensibilisieren, dadurch wieder mehr Kaufkraft hier im Ort zu binden und somit zu verhindern, dass die Stadt Willich unattraktiv wird.

Dass Kunden kommen ist also kein Automatismus.

Höppner Ganz sicher nicht. Wir haben in Schiefbahn einen guten Facheinzelhandel und einen guten Branchenmix. Deswegen kommen die Menschen. Wenn man ihnen dann noch die Gelegenheit bietet, sich im Sommer draußen in ein schönes Eiscafé oder Restaurants zu setzen, bleiben sie noch länger im Ort, fühlen sich wohl und kommen dann gerne wieder. Eine Sache sollte man dabei aber nicht vergessen: Die Leute kommen nicht nach Schiefbahn, weil man hier so schön draußen sitzen kann, und ihnen dann plötzlich auffällt, dass es hier tolle Geschäfte gibt. Es ist genau umgekehrt. Die Leute kommen in den Ort, weil sie viele Dinge schnell und unkompliziert erledigen können.

Ist eigentlich für den Einzelhandel der Euro ein Thema?

Höppner Selbstverständlich. Dieses Thema betrifft uns doch alle. Durch die ewigen Diskussionen rund um den Euro sind die Menschen verunsichert. Und das hat natürlich Auswirkungen auf das Einkaufsverhalten und somit ist gerade der Einzelhandel von den Folgen direkt betroffen.

Wie reagieren Sie als Werbegemeinschaft darauf?

Höppner Die Menschen brauchen Vertrauen. Wir haben hier eine große Anzahl von Geschäften, die schon seit vielen, vielen Jahren im Ort ansässig sind. Fast alle sind Mitglied der Werbegemeinschaft. Unser Bestreben besteht darin, den Bürgern das Gefühl zu geben, dass sie bei uns ehrlich, fair und vor allen Dingen kundenorientiert beraten werden. Und wenn es uns dann noch gelingt, dass die Menschen in der Stadt Willich merken, dass Politik, Verwaltung, Handel und Dienstleistung zusammen an einem Strang ziehen, die Bürger mit einbeziehen und ihre Probleme verstehen, gibt ihnen das Sicherheit und dann sind wir schon einen großen Schritt weiter.

Die Stadt muss dauerhaft pro Jahr sechs Millionen Euro einsparen? Ist der Einzelhandel bereit, Opfer zu bringen?

Höppner Die Frage ist überhaupt nicht, ob wir bereit dazu sind. Es wird schlicht und einfach nicht anders gehen. Wenn die Stadt weniger Geld zur Verfügung hat, müssen wir das mittragen. Ich bin der Meinung: Wir als Einzelhändler haben hier in der Stadt unsere Geschäfte und generieren hier unsere Umsätze. Das heißt aber auch: Wir müssen der Stadt auch etwas zurückgeben. Die Bürger, die hier leben, sind unsere Kunden. Da müssen wir uns an einem kreativen Prozess beteiligen, wie wir der Stadt helfen können. Die Werbegemeinschaft Schiefbahn hat es zum Beispiel in der Form gemacht, dass wir hier im Ort Bänke aufgestellt haben. Die Stadt hatte dafür kein Geld, dann haben wir es eben aus eigenen Mitteln finanziert. Das führt zu einer besseren Aufenthaltsqualität, und die Bürger bekommen mit, dass wir uns für den Ort einsetzen. Das nennt man wohl Solidarität.

Das hört sich so an, als ob Sie sagen: Wenn die Stadt dafür kein Geld hat muss der Einzelhandel Geld dafür in die Hand nehmen.

Höppner Ich kann nur für die Schiefbahner Werbegemeinschaft sprechen: Ein deutliches Ja, wir sind dazu bereit!

Wie muss sich Ihrer Meinung nach der Einzelhandel der Stadt aufstellen?

Höppner Wir haben die große Chance, durch gute Beratung, durch Individualität und durch Persönlichkeit — im Vergleich zum Internet — unsere Stärken in die Waagschale zu werfen. Die Fragen die es zu beantworten gilt sind: Schaffen wir es, neue Wege zugehen und immer wieder frische Impulse in den vier Stadtteilen zu setzen? Schaffen wir es, die Stadt Willich mit einem Qualitätsmerkmal zu versehen, sodass die Bürger sagen: Hier kann man gut einkaufen!? Wird es Verwaltung und Politik gelingen, die Rahmenbedingen zu bilden, um- siehe Alt-Willich, Kunden-Frequenzbringer in die Innenstadt zu holen, anstatt sie im Stahlwerk Becker anzusiedeln?. Wie bewältigen wir den demographischen Wandel und können wir für die älteren Bürger, die nicht so mobil sind, Einkaufs- und Aufenthaltsgelegenheiten kreieren, sodass sie sich gut aufgehoben fühlen, z.B. durch weitere abgeflachte Bürgersteige? Das werden, aus meiner Sicht, die wichtigsten Aufgaben sein, an denen wir gemeinsam in den nächsten Jahren sehr intensiv arbeiten müssen, um in der Stadt Willich, gegenüber den Nachbarstädten, auf lange Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben.

In Städten, die aus mehreren, gewachsenen Ortsteilen bestehen, wird oft ein Kirchturmdenken beklagt. Wie sehen Sie das bezogen auf die Werbegemeinschaften und Werberinge in der Stadt?

Höppner Es ist ganz wichtig, dass die Werberinge oder Werbegemeinschaften die Stadt zusammen voranbringen, zunächst aber jeder erst mal für sich alleine in seinem Ort. Denn alle unsere Stadtteile haben ihren eigenen Charme und das ist auch gut so. Aber wenn es darum geht, wie wir die Stadt Willich in den nächsten Jahren aufstellen, kann das nur miteinander passieren. Früher gab es einmal ein solches Kirchturmdenken, aber das ist Vergangenheit. Wir müssen jetzt positiv nach vorne schauen und unsere Probleme konstruktiv angehen. In allen Ortsteilen sind Personen aktiv, die wissen und verstanden haben, dass man nur gemeinsam etwas bewegen kann. Deshalb habe ich auch alle Beteiligten für heute zu einem Erfahrungsaustausch eingeladen und hoffe, dass dieses Treffen der Startschuss für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist.

Christian Heidrich führte das Gespräch