Hamminkeln: „Drohbrief“ aus Rathaus beunruhigt Havelich

Hamminkeln: „Drohbrief“ aus Rathaus beunruhigt Havelich

Lange war es ruhig im so idyllischen wie krisengeschüttelten Wochenendhausgebiet draußen vor der Stadt. Inzwischen geht’s in der Bauerschaft Havelich wieder hoch her. Ausgelöst hat die Unruhe ein Schreiben aus dem Rathaus. Das Bauordnungsamt hat alle Bewohner, die dort offiziell mit Dauerwohnsitz gemeldet sind, angeboten, eine Baulast zu unterschreiben.

Diese Erklärung soll langfristig einen Missstand heilen, der seit fast 20 Jahren Politik und Verwaltung in regelmäßigen Abständen beschäftigt und für Verdruss sorgt, ohne dass das Kernproblem gelöst werden konnte. Was einst als Wochenendhausgebiet genehmigt worden ist, ist in Wirklichkeit von Anfang an zum festen Wohnsitz im Grünen geworden, schließlich zum De-facto-Ortsteil mit Kanalanschluss, Schulbushaltestelle und Müllabfuhr. Die Bewohner fühlten sich sicher und wohl. Sie haben, behutsam gebremst von der Bauaufsicht, teils stattliche Wohnsitze errichtet.

Nun verfolgt das Bauordnungsamt mit der Baulast eine neue Strategie, Rechtsfrieden herzustellen. Die sichert den Bewohnern lebenslanges Wohnrecht im Freizeitparadies. Das erlischt aber bei Verkauf oder Vererbung der Immobilie, die so in der Folge erheblich an Wert einbüßt. Knapp 70 Dauerwohnsitzern ist das amtliche Angebot ins Ferienhaus geflattert. 16 Hausherren, anwaltlich beraten, wollen unterschreiben, um ihre Ruhe zu haben. Ob die anderen das Angebot annehmen, wird sich zeigen. Noch laufen Fristen. Wer nicht unterschreibt, muss mit behördlichen Sanktionen rechnen.

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Wackelige Strategie

Das heißt in letzter Konsequenz nichts anderes, als den Hauptwohnsitz anderswo zu nehmen. Wie schnell die Auflage kommt, ist offen. „Über Fristen ist noch nicht gesprochen worden“, heißt es lapidar aus dem Rathaus. Überhaupt darf man trefflich daran zweifeln, ob das jüngste Vorgehen gegen das aus den Fugen geratene Dauerärgernis so überhaupt in den Griff zu kriegen ist. Denn insgesamt stehen hier rund 120 Häuser. Die, die hier allenfalls mit Zweitwohnsitz gemeldet sind, haben keine Post bekommen. Ob sie aber tatsächlich nur in der Freizeit in Havelich schlafen – wer weiß das schon. Hier droht ein formell eindeutig scheinendes Verfahren in der Praxis ins Leere zu laufen, weil’s Ungleichheit schafft und vornehmlich die trifft, die sich melderechtlich korrekt verhalten.

(RP)
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