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Viersen: Wildschweine machen Landwirten Probleme

Verwüstungen im Kreis Viersen : Wildschweine im Visier

Sie verwüsten Wiesen, graben Felder um: Im Kreis Viersen haben Landwirte Probleme mit dem Schwarzwild. Die Population der Wildschweine wächst, weil sie gut Nahrung und Deckung finden, aber natürliche Feinde fehlen.

Mit Wildschweinen hat Matthias Kaffill, Landwirt in Leuth-Busch, Ärger: "Die haben mir die Kartoffeln umgegraben", klagt er. Allerdings nicht auf eigenem Grund rund um den Hof, sondern auf Pachtland in Kaldenkirchen-Bruch, jenseits der Autobahn 61. Der Damm wirke noch als Hürde für den Ausdehnungstrieb der Tiere. Aber über den Durchlass des Königsbachs gebe es auch dort eine Lücke. Im Nordosten, am Poelvenn, hat sie Jagdgenosse Andreas Schmitz schon gesichtet. "Wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass die Wildschweine wieder verschwinden", sagte er bei der Versammlung der Jagdgenossenschaft Leuth. Durch die Schilfflächen sei eine Bejagung fast unmöglich, später würden die Tiere die Maisfelder als Deckung nutzen.

In den vergangenen vier Jahren haben sich laut Schmitz die Bestände in Leuth stetig vergrößert. Derzeit seien es drei Rotten mit je mindestens sechs Tieren. Auch im Bundesforst an Tor 9 seien Wildschweine schon gesehen worden. In Kaldenkirchen seien auch immer wieder Schwarzkittel unterwegs. Keine Ausnahme, denn: Die Schwarzkittel sind bundesweit auf dem Vormarsch. Nach der Statistik des Deutschen Jagdverbands wurden im Jahr 2015/16 insgesamt 610.631 Tiere erlegt - rund 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Für die steigende Population gibt es laut Jagdverband unterschiedliche Gründe: Die Tiere finden mehr Nahrung, natürliche Feinde fehlen, zudem bieten Mais- und Rapsflächen gute Deckung. Und das hat Folgen: "Die steigende Schwarzwildpopulation erhöht die Wildschäden auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen", so der Verband.

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Dass es immer mehr Wildschweine im Kreis Viersen gibt, kann Monika Buschmann vom Amt für Bauen, Landschaft und Planung beim Kreis Viersen indirekt bestätigen: Indirekt, weil es keine Zahlen über die Wildschwein-Bestände gibt, sondern weil lediglich die Zahl der erlegten Tiere gemeldet und als Streckenergebnis erfasst wird. Und die hat sich innerhalb von elf Jahren mit 546 mehr als verdoppelt. Die Tiere bereiten laut Buschmann Landwirten Probleme, indem sie Flächen verwüsten. Anders sieht das im Wald aus, sagt Thomas Gieselmann, zuständig für den Grenzwald: "Da machen Wildschweine keine Probleme."

Um die Vermehrung der Schwarzkittel zu stoppen, werden sie gejagt - meldepflichtig ist der Abschuss nicht. Doch einfach zu erlegen sind sie nicht: "Die Bejagung von Wildschweinen ist überaus schwierig", sagt Buschmann. Die Tiere seien sehr intelligent und nachtaktiv, würden selten aus der Deckung kommen und seien mit ihren dunklen Borsten schwer zu erkennen. "Nachts sind die Tiere nur bei Vollmond auszumachen - doch so viele Vollmondnächte gibt es nicht", sagt Buschmann. Eine zusätzliche Beleuchtung sei nicht erlaubt. Zudem würden Wildschweine sehr vorsichtig sein und bei ungewohnten Geräuschen und Gerüchen, an denen Jäger erkennbar seien, sofort die Flucht ergreifen. Wildschwein-Begegnungen könnten durchaus furchteinflößend sein, weiß Buschmann: "Eine alte Bache kann bis 90 Kilo wiegen, Keiler haben sehr scharfe Hauer." In so einem Fall sollte man sich ruhig zurückziehen.

Was tun bei Schäden? "Die Jagdpächter müssen für Wildschäden aufkommen, sie haften unbegrenzt", sagt der Leuther Jagdvorsteher Hans-Willi Heinen.

(mme)